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Ansiedlung
Gewerbepark Am Schaumberg ausgebucht

Noch ist es eine Brachfläche. Doch in etwa zwei Jahren rollen hier die Baugeräte auf der zehn Hektar großen Fläche an, um ein  Logistikzentrum für Granit Parts zu bauen. Im Hintergrund sind bereits angesiedelte Unternehmen und der Schaumbergturm zu sehen.
Noch ist es eine Brachfläche. Doch in etwa zwei Jahren rollen hier die Baugeräte auf der zehn Hektar großen Fläche an, um ein  Logistikzentrum für Granit Parts zu bauen. Im Hintergrund sind bereits angesiedelte Unternehmen und der Schaumbergturm zu sehen. FOTO: B&K / Bonenberger/
Tholey. Die Fricke-Gruppe wird auf die letzte freie Fläche von zehn Hektar ein Logistikzentrum für das Tochterunternehmen Granit Parts bauen. Von Evelyn Schneider

Ein Familienunternehmen, das sich der Landtechnikbranche verschrieben hat, und  ein Standort im ländlichen Raum – das klingt stimmig. Für Hans-Peter Fricke, Geschäftsführer der Fricke-Gruppe, spielten bei der Entscheidung für den Bau eines Logistikzentrums in der Gemeinde Tholey allerdings andere Argumente eine Rolle. Die Nähe zur Autobahn und ein gewisses Mitarbeiterpotenzial habe für eine Fläche im Industrie- und Gewerbepark BAB 1 – Am Schaumberg gesprochen. Auch die Nähe zu Frankreich gefiel dem Geschäftsmann, wie er anlässlich einer Pressekonferenz im Tholeyer Rathaus, verriet. Es sei ein guter Ausgangspunkt, um schnell in den französischen Markt zu liefern, so Fricke. Ehe die Entscheidung für das Saarland und die Schaumberggemeinde fiel, habe sich eine Beratungsstelle verschiedene Ecken in Deutschland angeschaut. Am Ende wurde dann gerechnet und es wurden die Vor- und Nachteile abgewogen.


Ihren Hauptsitz hat die Fricke-Gruppe im niedersächsischen Heeslingen. Dort begann 1923 in einer Garage, in der Frickes Großvater als Dorfschmied arbeitete, die Erfolgsgeschichte des heute international agierenden Unternehmens. Seit 1992 ist Hans-Peter Fricke Geschäftsführer, auch seine beiden Söhne wollen später in den Familienbetrieb einsteigen. Über die Jahre hat das Unternehmen sein Portfolio erweitert. Neben Landmaschinen gibt es beispielsweise die Sparte der Nutzfahrzeuge und Transporter. Die Tochter Granit Parts liefert Ersatzteile an Landmaschinen-, Gartentechnik- und Baumaschinenhändler in ganz Europa. Und eben jene Unternehmenstochter ist es auch, die sich auf dem zehn Hektar großen Grundstück im Industriegebiet bei Theley ansiedeln wird.

Bis aber die ersten Baugeräte anrollen, um die Arbeiten für das Logistikzentrum in Angriff zu nehmen, dauert es noch eine Weile. „Wir brauchen noch Zeit für die Planungen“, begründete Fricke. Und ergänzte: „Wenn wir starten, dann müssen wir groß starten.“ Denn Granit Parts biete ein breites Spektrum an Ersatzteilen an. In zirka zwei Jahren soll es losgehen mit den Bauarbeiten. Zunächst werde die Fricke-Gruppe wohl 20 Millionen Euro investieren. In drei bis dreieinhalb Jahren soll der Betrieb mit 80 bis 100 Mitarbeitern starten, in vier bis fünf Jahren sollen bis zu 200 Menschen am Standort arbeiten. Von der Fachkraft im Logistikbereich, über eine Führungsmannschaft bis hin zu Jobs in der Verwaltung würden Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen gesucht, wie Kai Führling, Bereichsleiter Logistik bei Granit Parts, ausführt.



Dass sich die Fricke-Gruppe in der Gemeinde Tholey ansiedelt und damit Arbeitsplätze schafft, bewertete Hermann Josef Schmidt (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Tholey, als „wichtige Entscheidung für den ländlichen Raum.“ Es mache die Region attraktiver und locke so den ein oder anderen Einwohner aufs Land. Mit dem Unternehmen aus der Landtechnikbranche ist der Industrie- und Gewerbepark BAB 1 – Am Schaumberg komplett. Es gibt keine freie Fläche mehr, wie der Rathauschef mitteilt. Insgesamt 17 Unternehmen haben somit einen Standort in Autobahnnähe ergattert. „Momentan arbeiten dort 250 bis 300 Menschen“, sagt Schmidt. Wenn die Fricke-Gruppe sich mit ihrem Logistikzentrum etabliert hat, kommen nochmal etwa 200 Arbeitsplätze hinzu.

Aktuell entsteht im Ortsteil Hasborn-Dautweiler in der Nähe des Wertstoffhofs eine Gewerbefläche von 10 000 Quadratmetern. Dann sind erst einmal die vorhandenen Möglichkeiten erschöpft. Bürgermeister Schmidt sieht jedoch noch Potenzial, im Bereich Theley weitere Flächen zu schaffen. Gerade für Unternehmen aus Handel und Logistik sei die Nähe zur Autobahn von Vorteil. „Ich habe Anfragen für 80 000 Quadratmeter Gewerbefläche, die ich nicht bedienen kann“, so Schmidt.

Auch Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) weiß: „Um anzusiedeln, braucht man Flächen.“ Daher gibt es seit 2007 den Masterplan Industrieflächen – von der Landesregierung etabliert und der EU gefördert. Das Konzept sei aufgegangen. „Das Vorhalten von Gewerbeflächen kommt dem Ende entgegen“, so Rehlinger. Daher solle ein neuer Masterplan abgeschlossen werden.

Am Steuer in Sachen Vermarktung sitzt die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Saar (gwSaar), Tochter der Strukturholding Saar (SHS). Deren Geschäftsführer Thomas Schuck möchte künftig nicht nur mit den Kommunen, sondern auch mit Privatleuten zusammenarbeiten. „Entwicklungsintelligenz“ sei gefragt, um neue Flächen für die Ansiedlung von Gewerbe zu generieren. „Es gibt Potenzial und eine gute Nachfrage-Situation“, sagt Schuck und meint damit nicht nur die Situation in der Gemeinde Tholey, sondern saarlandweit.

Bis es neue Gewerbeflächen in der Schaumberggemeinde gibt, gilt es zunächst, die Ansiedlung der Fricke-Gruppe zu begleiten. „Es war von Anfang an eine geradlinige Entwicklung“, lobt Schuck. Das sei typisch für ein inhabergeführtes Unternehmen. Hans-Peter Fricke wiederum verriet, dass er sich gleich bei seiner ersten Stippvisite am Schaumberg gut aufgehoben gefühlt habe.

So soll das Logistikzentrum von Granit Parts, Tochterunternehmen der Fricke-Gruppe im Industriepark BAB1 –Am Schaumberg einmal aussehen.
So soll das Logistikzentrum von Granit Parts, Tochterunternehmen der Fricke-Gruppe im Industriepark BAB1 –Am Schaumberg einmal aussehen. FOTO: B&K / Bonenberger/