Wo bildende Kunst auf ärztliche Kunst trifft

Wo bildende Kunst auf ärztliche Kunst trifft

St. Wendel. Bildende Kunst trifft ärztliche Kunst. Unter diesem Gedanken stand die Aktion in St. Wendel. Das Marienkrankenhaus ermöglichte dem Kunststudenten Fabian Mansmann der Hochschule für Bildende Künste Saar, sein Biwak für drei Tage in der Abteilung Anästhesie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie aufzuschlagen

St. Wendel. Bildende Kunst trifft ärztliche Kunst. Unter diesem Gedanken stand die Aktion in St. Wendel. Das Marienkrankenhaus ermöglichte dem Kunststudenten Fabian Mansmann der Hochschule für Bildende Künste Saar, sein Biwak für drei Tage in der Abteilung Anästhesie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie aufzuschlagen. "Diese Tage waren für mich so anregend, dass ich ebenfalls meine Kamera zur Hand genommen habe", beschreibt Chefarzt Herbert Nagel seine Eindrücke, nachdem der Student ihm und seinem Team drei Tage mit seiner Kamera über die Schulter geschaut hat. Anlass war eine Semesterprojektarbeit, die Fabian Mansmann aus Hasborn-Dautweiler, Student im 6. Semester, Fachbereich Kommunikations-Design mit Schwerpunkt Film, zu absolvieren hatte. In einem sogenannten "Biwak-Projekt" sollten die Studenten ihnen unbekannte Räume erleben und sich künstlerisch damit auseinandersetzen. "Bei der Aufgabenstellung kamen mir spontan Impressionen aus meiner Zivildienstzeit, die ich beim Rettungsdienst in St. Wendel absolviert hatte, in den Kopf", so Mansmann. "Ich hatte keine Vorstellung, was mich im Bereich der Operationssäle, in einer eigenen, abgeschirmten Welt erwarten wird. High-Tech? Sicherlich, aber auch Menschen, Emotionen, Feingefühl oder eher Routine und Abgeklärtheit? Für einen Künstler ist das ein sehr interessanter Stoff", erklärt er die Entscheidung, seine Projektarbeit im Marienkrankenhaus durchzuführen. Und hier zeigte man sich offen für den jungen Künstler und das im Klinikalltag eher fremde Thema. Um die unbekannten Räume wirklich zu entdecken und authentisch zu erleben, verbrachte Fabian dort volle drei Tage, Tag und Nacht. Er verließ in dieser Zeit die Anästhesie nicht. Doktor Nagel hatte ihm eines der Untersuchungszimmer als Biwak zur Verfügung gestellt. "Aber die meiste Zeit habe ich natürlich im Operationssaal und mit den Mitarbeitern verbracht", erzählt der Student. Nach einem Tag der Orientierung über die internen Abläufe und die Wirkung des konkreten Ortes, entwickelte er ein erstes Konzept zur Umsetzung der gestellten Aufgabe. " Ich bin in diese mir fremde Welt eingetaucht und habe mich völlig auf sie eingelassen", so der Student weiter. "Spontaneität, Intuition und Flexibilität sollten die Merkmale meines künstlerischen Konzeptes sein". Und so hat er schnell festgestellt, dass es die Klischees im OP-Alltag so nicht gibt. Es geht auch hier um handwerkliche Perfektion, unterstützt durch High-Tech-Medizin. Doch was während einer Operation passiert, ist viel facettenreicher. "Es wird sehr konzentriert gearbeitet; jeder Handgriff sitzt und das Team versteht sich auch ohne viele Worte", beschreibt er seine Eindrücke. "Hier arbeiten und leben Menschen. Und nur die Ausgewogenheit zwischen dem technischen und dem menschlichen Aspekt lässt das medizinisch Mögliche zur ärztlichen Kunst reifen". Neben diesem Aspekt haben sich für Fabian Mansmann noch weitere Themen herausgebildet, denen er sich gleichermaßen gewidmet hat. Und so hatte er nach drei Tagen und Nächten ein breites Spektrum an Bildmaterial gesammelt, das mehrere Schwerpunkte beinhaltet: Von Lichtstimmungen und Nacht-Räumen über Details und Spuren bis hin zu Alltäglichem; Konzentration und Erschöpfung, Freude und Angst. Wie genau Fabian Mansmann seine zahlreichen Fotografien aufarbeiten wird, weiß er noch nicht: "Dazu müssen sich meine vielen Eindrücke erst einmal setzen". Die Mitarbeiter des Krankenhauses sind gespannt auf das Ergebnis dieses jetzt schon erfolgreichen Projektes. Denn, so Nagel: "Es war für uns alle hochinteressant zu sehen, wie ein junger Mensch mit unverbrauchtem Blick ein für ihn neues, sehr spezielles Umfeld betrachtet; wie er sich beeindrucken lässt und Dinge wahrnimmt, die wir bei unserer routinierten täglichen Arbeit nicht sehen. Insofern war es spannend zu beobachten, welche Situationen und Motive Herr Mansmann fotografisch festgehalten hat. Und wir haben dadurch ebenfalls einen neuen Blick auf unsere Arbeit gewonnen". Für das Frühjahr 2011 ist eine Ausstellung des "Biwak-Projektes" von Fabian Mansmann in den Räumen des Marienkrankenhauses geplant. red