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Projekt: Sammler schenkt Hüten ein eigenes Haus

Projekt : Sammler schenkt Hüten ein eigenes Haus

Ob Kardinalsbarett, jüdische Fellmütze oder islamischer Sarik: Dieter Philippi hat Kopfbedeckungen aus verschiedenen Religionen gesammelt. Um diese künftig präsentieren zu können, lässt er gerade ein Haus in Tholey umbauen.

Die alte Holztreppe knarrt bei jedem Schritt unter den Füßen. Schreiend grelle Farben bedecken die betagten Wände. Graziler Stuck ziert die Decke. Doch auch hier wurde teils wild mit Farbe agiert. Das Haus in der Metzer Straße in Tholey hat schon einiges erlebt. Sein neuer Besitzer, Dieter Philippi, geht davon aus, dass das Gemäuer knapp 200 Jahre alt ist.

Im vergangenen November hat er es per Zwangsversteigerung für 75 000 Euro erstanden. Im ersten Schritt hat der Eigentümer erst einmal alles entrümpeln lassen. „Ich war froh, als ich jemanden gefunden hatte, der sich dazu bereit erklärte“, erinnert sich Philippi. Es habe ein bisschen ausgesehen wie in typischen Messi-Wohnungen, wie sie öfter mal im Fernsehen gezeigt würden. Jetzt soll das Haus von Grund auf renoviert werden. Denn Dieter Philippi hat Besonderes damit vor. Es soll künftig seine Privatsammlung mit religiösen Kopfbedeckungen beherbergen. Die Überlegung, den 560 Hüten ein dauerhaftes Zuhause zu geben, entstand vor etwa fünf Jahren. „Ich finde es einfach schade, dass sie immer im Keller liegen und sie kaum jemand sehen kann“, sagt der fast 56-Jährige. Wenn alles nach Zeitplan läuft, möchte er nächstes Jahr im Juli seine Schätze nach Tholey bringen, wo Besucher sie dann nach Absprache besichtigen können.

Durch eine Glastür geht es auf den Balkon. Von hier aus ist die Abteikirche zu sehen. „Durch den Garten ist eine Anbindung an das Kloster möglich. Hier sollen Besucher künftig in das Haus eintreten“, beschreibt Philippi seine Pläne. Die Nähe zum Benediktinerorden war mit ein Grund, warum sich der Saarbrücker für das Gebäude entschieden hat. Wobei er gesteht, dass die Schaumberggemeinde lediglich die dritte Wahl für den Standort seiner Privatsammlung war. Zunächst dachte er an den Wallfahrtsort Altötting, wo er ein Museum einrichten wollte. Diese Idee sei bei den Verantwortlichen gut angekommen. Später habe es aber Bedenken gegeben wegen der Konkurrenz zwischen einem neuen Angebot und bestehenden Museen. Im zweiten Schritt trat der Hut-Sammler mit der Abtei Maria Laach in Kontakt. Dort war man nur an christlichen Kopfbedeckungen interessiert. Philippis Sammlung beinhaltet jedoch Hüte aus allen Glaubensrichtungen. Danach rückte für Philippi das Dreiecksgebiet St. Wendel, Marpingen und Tholey in den Blick. „Das ist ja sowas wie der Kern des Katholizismus im Saarland.“ Verhandlungen und Gespräche gab es hier mit dem Kloster St. Mauritius bezüglich zweier alter Gebäude. Doch die sollten letztlich im Besitz der Abtei bleiben. Und so entschied sich Philippi für eine Privatimmobilie in der Nähe.

Mit dieser Wahl ist der Sammler rundum zufrieden. Einige Hunderttausend Euro will er in das Haus investieren. Das Architekturbüro Schwarz-Düser in Karlsruhe hat er mit den Umbauten betraut, da sich dieses auch mit museumspädagogischen Fragen auskennt. Wie soll die Sammlung arrangiert werden? Was ist nötig, um Kinder zu begeistern? All das gebe es zu bedenken. Im Falle von Dieter Philippi favorisiere das Büro den Einstieg in die Sammlung über seine Person.

Wie kommt jemand auf die Idee, Hüte zu sammeln? Das werde er häufig gefragt, gesteht Philippi lächelnd. Zunächst einmal trage er wohl ein Sammler-Gen in sich. „Ich habe zuvor schon Manschettenknöpfe, Hotelblöcke und Papiereinkaufstüten gesammelt“, sagt Philippi. Auf die Hüte sei er eher zufällig gekommen. Als er 1999 mit seiner Frau durch Rom spazierte, entdeckte er im Schaufenster des päpstlichen Schneiders ein Kardinalsbarett aus roter Seide. „Das musste ich einfach haben“, gesteht Philippi und erstand Sammlerstück Nummer eins für etwa 40 Mark. „Vielleicht“, so sagt Philippi, „sind die Hüte der Gegenpol zu meinem Beruf.“ Als Unternehmer im Bereich Telekommunikation sei er es gewöhnt, dass sich alles rasend schnell verändere und entwickele. Die Mitra, Kopfbedeckung des Bischofs, hingegen sei in hunderten Jahren gleich geblieben. „Es ist eine Art Ruhepol.“

Angetrieben wurde seine Sammlerleidenschaft aber auch von dem Wunsch, auf seinem Gebiet die Nummer eins zu sein. Soweit er wisse, gebe es weltweit keine vergleichbare Sammlung. Dank der Hüte habe er sich auch auf eine Reise in die Welt der Religionen begeben. „Ich habe rund um den Globus viele spannende Menschen kennen gelernt, die mein Leben bereichern.“ Als Beispiel nennt er einen Mönch aus Butan, der ihn sogar schon zum Besuch eingeladen habe.

Zu Philippis Sammlung gehören auch die Kopfbedeckungen der Päpste Benedikt XIV., Johannes Paul II. und Franziskus. Am meisten schätze er selbst aber jene Stücke, mit denen er besondere Geschichten verbinde. So habe er einmal einen Anruf von der US-Air-Base in Ramstein erhalten. Ein Militärgeistlicher bot ihm zwei Hüte an, die er während des Irak-Krieges an der Front getragen habe. Diese schickte er ihm samt Widmung. „Das sind Stücke, die mein Herz berühren.“

In Brooklyn (New York, USA) lernte er einen Rabbi kennen, der ihn einem jüdischen Hutmacher vorstellte. Dieser fertigt Fellmützen aus Nerz oder Hermelin, so genannte Schtreimel-Mützen. Als Philippi versicherte, dass er diese nicht selbst tragen, sondern für seine Sammlung wolle, ließ sich der jüdische Ladenbesitzer erweichen. Er hielt im schließlich eine Mütze hin und sagte in gebrochenem Englisch: „Ich mache einen guten Preis.“ Daraufhin verlangte er die Kreditkarte. Philippi gab sie ihm, mit einem mulmigen Gefühl. Immerhin kosten die Kopfbedeckungen zwischen 1000 und 5000 Euro. Der Hutmacher berechnete tatsächlich den günstigsten Preis. Solche Anekdoten schreibt Philippi aktuell auf. Denn sie könnten interessant sein für die Besucher seiner Sammlung.

 Dieses Haus in Tholey soll kündtig Dieter Philippis Privatsammlung religiöser Kopfbedeckungen beheimaten.
Dieses Haus in Tholey soll kündtig Dieter Philippis Privatsammlung religiöser Kopfbedeckungen beheimaten. Foto: Evelyn Schneider

Diese werde nicht immer von ihm persönlich aufgeschlossen. Ein Tholeyer Fremdenführer und ein pensionierter Lehrer hätten sich bereits bereit erklärt, Menschen durch die Welt der religiösen Kopfbedeckungen zu führen. Um das Haus der Hüte bekannt zu machen, denkt Philippi über ein Faltblatt nach. Möglicherweise könnten darin weitere Ziele im Landkreis St. Wendel vorgestellt werden, die ebenfalls mit Themen wie Religion und Glaube zu tun haben.