Netzwerk kümmert sich in der Gemeinde Tholey um Folgen des Klimawandels

Projekt in der Gemeinde Tholey gestartet : Netzwerk soll Klimawandel entgegentreten

Projekt in der Gemeinde Tholey soll Strategien aufzeigen, wie Kommune und Bürger sich vor Unwetterfolgen schützen können.

Von jetzt auf gleich verdunkelt sich der Himmel, Regen donnert in Massen auf den Boden. Viel zu viel, um im Erdreich versickern zu können. Die Folge: Wasser fließt in Keller, steht auf Straßen und in Unterführungen. Hilfsorganisationen sind im Dauereinsatz. Dieses Szenario spielt sich immer öfter so ab. Zunehmend ziehen Unwetter mit Starkregen und Sturm über die Region hinweg, hinterlassen so manchen Schaden. Tendenz laut Experten steigend. Was also tun?

Die Gemeinde Tholey hat sich entschlossen, ein Klima-Anpassungs-Netzwerk, kurz KAN-T, aufzubauen. „Damit wollen wir ein Instrument schaffen, um für die Zukunft gewappnet zu sein“, sagt dazu Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU). In diesem Netzwerk sollen zunächst Schlüsselakteure wie Vertreter der Kommune, des Katastrophenschutzes, des Wasserversorgers oder auch der Land- und Forstwirtschaft vertreten sein. Sie treffen sich noch in diesem Monat erstmals.

Damit den Netzwerkern für das Treffen umfassende Informationen über die Gemeinde Tholey und deren unwettergefährdete Bereiche vorliegen, war einiges an Vorarbeit nötig. Darum haben sich das Institut für Zukunfts-Energie- und Stoffstromsysteme aus Saarbrücken (Izes gGmbh) und das Saar-Lor-Lux-Umweltzentrum der Handwerkskammer (HWK) des Saarlandes gekümmert. Beide sind Partner der Gemeinde Tholey in dem Modellprojekt, das auf drei Jahre angelegt ist und vom Bundes-Umweltministerium gefördert wird. Auf Wunsch der Gemeinde Tholey wurde auch der Landkreis St. Wendel als Kooperationspartner ins Boot genommen.

Mit dem Beamer wirft Manuel Trapp von Izes eine Karte an die Wand des Großen Sitzungssaals im Tholeyer Rathaus. Darauf ist unter anderem die Theel zu sehen. Entlang des Bachlaufs sind Bereiche in verschiedenen Blautönen eingezeichnet. Wie Trapp den Mitgliedern des Gemeinderats erläutert, wird damit die maximale Tiefe des Wassers dargestellt, die es bei einem simulierten Jahrhundert-Ereignis erreichen würde. Die Skala reicht von zehn Zentimetern bis mehr als einem Meter. Seit Beginn des Jahres wurden allein im Einzugsgebiet der Theel 320 Punkte vermessen. „Bis Ende des Jahres soll die Situationsanalyse fertig sein“, sagt Trapp. Um all jene Bereiche in der Gemeinde Tholey zu erfassen, die bei Unwettern besonders gefährdet sind, werden auch Informationen der Bürger und der Feuerwehr eingearbeitet. Es entstehen so genannte Gefahrenkarten. Zum einen für Wasser, das ein Schwerpunktthema von KAN-T ist.

Aber auch in Sachen Wind. Hierfür gebe es laut Trapp noch keine geeignete Software, um Windstärken simulieren zu können. Deshalb schaut sich das Team die höchsten Punkte in der 57,56 Quadratkilometer großen Kommune an: den Schaumbergturm, weitere hohe Gebäude aber auch Fichtenbestände. „Wir sammeln Informationen von Förstern, wo bei welchem Sturm Bäume umgefallen sind“, nennt Trapp ein weiteres Beispiel, mit welchen Daten die Karte gestaltet werden soll.

„Mit Hilfe der Gefährdungsanalyse wollen wir im nächsten Schritt zeigen, wo es gilt, sich besser an den Klimawandel anzupassen“, sagt Trapp. Und auch die Frage nach dem Wie soll beantwortet werden. Beispielsweise mit dem zweiten Schwerpunktthema: Bauwesen. Ob nun das Schaffen von Überflutungsflächen an Bachläufen, spezielle Verankerungen für Dachziegel oder hagelsichere Dachfenster – es werden konkrete Empfehlungen für Bürger und Gemeinde zusammengetragen. Die kommunale Planung wurde als dritter Schwerpunkt des Projekts auserkoren.

Aufzuzeigen, wo Starkregen und Sturm aktuell und in Zukunft gefährlich werden können, ist somit die Basis für alles weitere. Dreh- und Angelpunkt des Projektes ist es, das Fachwissen vieler zusammenzubringen und so gemeinsam Strategien zu entwickeln, wie die Gemeinde Tholey dem Klimawandel entgegentreten kann. „Die Aufgabe des Kernnetzwerkes ist es auch, die Gedanken an weitere Akteure weiterzutragen und die Bürger zu informieren“, sagt Simon Spath vom Saar-Lor-Lux-Umweltzentrum. Testweise soll die ein oder andere konkrete Maßnahme an einem oder mehreren Gebäuden umgesetzt werden. Für spezielle Akteursgruppen des Netzwerkes wie Handwerker seien auch Weiter-
bildungsmodule denkbar.

Bürgermeister Hermann Josef Schmidt schätzt an dem Projekt, dass nicht nur die Gemeinde ein Handlungskonzept erhält, sondern auch an die Privatleute gedacht wird. „Denn auch die Bürger müssen wissen, was sie machen können.“

Feuerwehr im Dauereinsatz: Viele Keller mussten im Juni 2018 ausgepumpt werden, wie hier in Hasborn. Foto: Dirk Schäfer

In der schriftlichen Vorstellung des KAN-T-Projekts ist zu lesen, dass die Gemeinde Tholey zukünftig „wohl stark von den Folgen des Klimawandels betroffen sein wird“. Denn schon heute zähle sie durch die geografischen Gegebenheiten zu jenen Gemeinden im Saarland, in denen mit mehr als 1000 Millimetern pro Jahr hohe Niederschlagsmengen gemessen werden.

Mehr von Saarbrücker Zeitung