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SZ-Redakteur wirft bei seiner Wochenrückschau einen Blick auf die Fensterbank

Wochenkolumne : Von Krumbeerbutschen und Tomatenstöckchen

Man soll es nicht mennen, aber mitten im Wald steht ein Krombeerbutschen. Das schrieb einst vor vielen Jahren ein Schüler aus Urexweiler in einer Deutsch-Arbeit.

„Geh ma fodd met Exweller“, werden Sie jetzt vielleicht sagen. Gilt das einst zu Bayern gehörende Dörfchen doch als Ischgl des Landkreises St. Wendel. Stichwort Corona-Super-Hotspot.

Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Mir geht es um den Krumbeerbutschen, also um die Kartoffelpflanze, die der Autor der obigen Zeilen seinerzeit unverhofft in einem Waldstück entdeckte. So ähnlich ging es mir nämlich, als ich Anfang der Woche mein Homeoffice verlassen durfte, um wieder hier vor Ort in der Redaktion zu arbeiten. Denn was ich da neben den halbtoten Pflanzen – die meine Kolleginnen mit den braunen Daumen während meiner Heimarbeit vor sich hinsiechen ließen – sprießen sah, ließ mich ungläubig staunen.

Eine saftig grüne Tomatenpflanze hat sich in der Nachbarschaft einer kleinen Palme ins Leben gekämpft. Knapp 60 Zentimeter ist sie bereits in die Höhe gewachsen, und seit gestern sind die ersten Blüten geöffnet. Unglaublich, denke ich, Tomaten sind doch einjährige Pflanzen, und meine daheim liegen bereits seit Tagen klein geschnippelt auf dem Kompost. Schließlich ist der Sommer vorbei und damit die Tomatenzeit beendet. Vor allem frage ich mich, wo das Samenkorn herkam? Das wird für immer ein Rätsel bleiben. Dafür habe ich herausgefunden, dass Tomaten gar nicht einjährig sind, sondern in ihren Ursprungsländern in Südamerika durchaus mehrere Jahre wachsen und gedeihen können – und Früchte tragen, was ja nicht unwichtig ist. Bin mal gespannt, ob die Bürotomate auch rote Früchtchen trägt. Dann könnte es an Heiligabend Tomatensalat mit selbst gezogenen Paradiesäpfeln geben. Man soll es nicht mennen.