Sie gehen seit 70 Jahren gemeinsam durchs Leben

Sie gehen seit 70 Jahren gemeinsam durchs Leben

Die lange Ehe von Margarete (88) und Aloys Klees (93) begann in schweren Zeiten. "Wir lernten uns im Februar 1944 in Berlinchen kennen. Ich arbeitete dort als Wehrmachtshelferin auf dem Flughafen", berichtet Margarete.

Aloys kam als Kriegsverletzter in das Lazarett der Kleinstadt in der Neumark . Bald funkte es zwischen den beiden. Sie heirateten noch am 23. Dezember desselben Jahres.

Aber ihre Wege trennten sich wieder - vorläufig. Aloys wurde zurück aufs Kriegsfeld geschickt: "Ich kam 1945 in britische Gefangenschaft. Als sie mich Weihnachten 1945 entließen, ging ich zurück in mein Heimatdorf." Im darauffolgenden Januar folgte ihm seine Ehefrau nach Bliesen . "Mit dem Rucksack hab ich mich auf den Weg gemacht", sagt Margarete. Eigentlich wollten sie ihre Zukunft in der Neumark verbringen, doch das war nicht möglich, denn der Landstrich kam zu Polen und Margarete verlor ihr Zuhause. Wenn sie von der Heimat spricht, liegt in ihrer Stimme wieder die alte Mundart. Ein wenig Wehmut, als Aloys ihr Hochzeitsbild heraussucht: sie mit zarten 19 Jahren und er als 23-Jähriger in Uniform. Doch Margarete beteuert: "Ich habe in Bliesen schnell Anschluss gefunden."

Das Leben in Bliesen wendete sich schließlich zum Guten: Ihr Sohn Wolfgang kam 1947 auf die Welt. Aloys wurde Vorarbeiter in einem Eisenbahnwerk und später Lokführer bis zur Pensionierung, Margarete schmiss den Haushalt und kümmerte sich um die Familie. 70 Jahre gemeinsam; das läuft nicht immer reibungslos. "Ein Leben lang ohne Streit geht nicht. Aber ich konnte ihr nie lange böse sein, auch wenn sie immer noch manchmal eine freche Schniss hat," sagt Aloys und seine Ehefrau kann sich ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen. "Er verwöhnt mich heute noch", entgegnet sie, die noch hellwach ist, aber nicht mehr so gut zu Fuß.

Der Händedruck verrät: Aloys war sein Leben lang sehr sportlich. "Wenn ich den Damen die Hand schüttele, muss ich mich immer zurückhalten", gibt er zu. Er spielte Fußball und kegelte und stand noch mit 90 Jahren auf dem Tennisplatz. Er setzte sich viele Jahre dafür ein, die Bliesener Anlage in Schuss zu halten. Bei einem Schlaganfall wurde allerdings ein Augennerv stark geschädigt, worauf er Tennis und das Autofahren aufgeben musste. Sohn Wolfgang und dessen Ehefrau Christine, die im oberen Stockwerk des 1963 gebauten Familienhauses wohnen, machen nun die Besorgungen und schauen nach dem Rechten. Deren Tochter schenkte den Eheleuten Klees zudem zwei Urenkel. Margarete wünscht sich für deren Zukunft, dass "sie nie das erleben müssen, was wir in unseren jungen Jahren erlebt haben".

Früher fuhr das Ehepaar immer gemeinsam zum Urlaub in die Berge. Er verbrachte dort die Zeit auf Skibrettern und sie zu Fuß auf Wanderwegen. Das klappt im hohen Alter so nicht mehr. Aber eins lassen sich die beiden nicht nehmen: Einmal im Monat geht's ins Bliesener Restaurant Kunz. Die treuen Gäste haben sogar ihren eigenen Fahrdienst. Nach dem Gottesdienst werden sie ihre Gnadenhochzeit dort groß feiern.

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