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EM-Begeisterung gibt Rückenwind

EM-Begeisterung gibt Rückenwind

Vier Jahrzehnte Vorsitzender, mehr als 30 Jahre Abteilungsleiter Handball, Zeitnehmer und Betreuer: Alfred Theobald übernimmt beim FC Mithras Schwarzerden viele Funktionen. Jetzt will er den Aufwind durch den Europameistertitel der Deutschen Handballnationalmannschaft nutzen, um im Verein eine Mini-Mannschaft aufzubauen.



Bei seinen Spaziergängen mit den Hunden kommt Multi-Funktionär Alfred Theobald manchmal zum Nachdenken. "Wie habe ich das eigentlich früher alles erledigen können?", fragt er sich selbst. Sein halbes Leben hat sich der 74-jährige Rentner der Vereinsarbeit beim Fußballclub (FC) Mithras Schwarzerden gewidmet. "Spaß macht es noch immer", sagt er sofort. Von Haus aus ist der gebürtige Haupersweiler Fußballer, durch seine Frau Anneliese kommt er später zum Handballsport. Für landesweites Aufsehen als Vereinsvorsitzender des FC Mithras hat Theobald im Jahre 1997 gesorgt. Er war damals Mitinitiator der ersten angedachten länderübergreifenden Spielgemeinschaft mit dem rheinland-pfälzischen Nachbardorf Reichweiler. Diese scheiterte im Endeffekt. "Wir wollten im Saarland spielen, für mich ist es heute noch nicht vollziehbar, warum uns damals der Saarländische Fußballverband die Spielgenehmigung verweigert hat", meint er. Mittlerweile hat es geklappt, nach Jahren im Südwestdeutschen Fußballverband und zwischenzeitlicher Einstellung des Spielbetriebs, kicken beide Dörfer zusammen in der Kreisliga A Weiselberg.

Operativ ist der Vereinschef seit mehr als 30 Jahren zudem als Abteilungsleiter Handball im Einsatz. Kein leichtes Unterfangen für ihn, in der Handball-Diaspora der Weiselbergregion jede neue Saison eine konkurrenzfähige Frauenmannschaft in den Wettbewerb der Saarlandliga zu schicken. "Wir sind ein eingeschworener Haufen und halten zusammen wie Pech und Schwefel. Das ist auch mein Antrieb", stellt Theobald klar. Gefordert war er vor der Runde. Als Ersatz für Tochter Miriam hat der Abteilungsleiter einen neuen Trainer nach Schwarzerden locken müssen. Theobald griff zum Telefonhörer und rief bei Jürgen Müller in Werschweiler an.

"Jürgen, wir beide sind die letzten Strategen, die im Ostertal handballerisch tätig sind. Du musst mir helfen", berichtet Theobald, wie er seinen Wunschtrainer hat gewinnen können. Mit der Verpflichtung Müllers lag er richtig; der belegt aktuell mit den Mädels den fünften Tabellenplatz in der Saarlandliga. Bei den Spielen fungiert Theobald als Mädchen für alles. Als Betreuer füllt er den Spielberichtsbogen aus, sitzt mit am Zeitnehmertisch und klettert auf die Leiter, wenn die Hallenuhr in der Freisener Bruchwaldhalle streikt. "Es läuft gut und auch für die kommende Runde soll es so weitergehen", blickt er voraus. Und das muss er mit neuen Ideen. Es fehlt im Verein an Nachwuchs, denn die Jugendspielgemeinschaften mit Werschweiler und Ottweiler existieren nicht mehr. "Neben der Frauenmannschaft will ich noch etwas aufbauen", erklärt der 74-Jährige. Wenn nicht jetzt, wann dann - das schwebt Theobald seit dem kürzlichen Gewinn der Europameistermeisterschaft der Deutschen Männer-Handballnationalmannschaft vor. "Es ist genau der richtige Zeitpunkt. Den Schwung und die Euphorie will ich nutzen", meint er. Mit Tochter Miriam hat er ein Handball-Schnuppertraining in der Grundschule Oberkirchen angeboten. "Das Interesse bei den Kindern war groß, und wir wollen nun versuchen, eine Mini-Mannschaft aufzubauen", freut sich Theobald. Zusätzlich will er den FC Mithras mit seinen 100 Mitgliedern auf kameradschaftlicher Basis weiterführen.