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Auch Wissenschaft spielt eine Rolle im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Fünf Jahre Nationalpark Hunsrück-Hochwald : In der Natur hängt alles mit allem zusammen

An oberster Stelle im Aufgabenfeld eines Nationalparks steht der Schutz der Natur. Direkt danach folgen Forschung und Umweltbildung. Die wissenschaftliche Seite stellt Nationalparkförster Konrad Funk vor.

Jan Rommelfanger leitet im Nationalpark Hunsrück-Hochwald die Abteilung für Forschung, Biotop- und Wildtiermanagement. Diese Bereiche sind eng miteinander verwoben, gibt es doch vielfältige Wechselwirkungen zwischen Flora und Fauna, die es zu erforschen gilt. Im Fokus steht dabei die Veränderung. Greift der Mensch nicht mehr in die Naturvorgänge ein, ändert sich mal schneller mal langsamer das ökologische Gefüge. Alters- und Zersetzungsstadien, die in betrieblichen Wäldern nur selten und eher kleinflächig vorkommen, können sich im Nationalpark auf großer Fläche etablieren. Welche Auswirkungen das auf Pflanzen, Tiere und Pilze hat, soll die Forschung zeigen.

Aus diesen Erkenntnissen sollen auch Schlüsse für die Bewirtschaftung von Wäldern außerhalb des Nationalparks gezogen werden.  Viele Fichten sterben derzeit durch Trockenheit und Borkenkäfer ab. „Wir wollen im Inneren des Nationalparks untersuchen, wie der Wald sich entwickelt und welche Arten und Strukturen sich etablieren, wenn wir die abgestorbenen Bäume nicht entnehmen, wenn wir nicht pflanzen“, beschreibt Rommelfanger die Forschungsintension. Doch das klingt einfacher als es ist. „Viele  Zusammenhänge im Netz der Arten sind noch nicht bekannt, alles hängt zusammen. Was gut für eine Art ist, kann schlecht für eine andere sein, die in deren Beutespektrum steht“, gibt der Experte zu bedenken.

Der Nationalpark nutzt unterschiedlichste Forschungsansätze. Es werden Fotos analysiert, Geräusche untersucht, Arten kartiert und die Oberfläche von Satelliten aus abgetastet. Die Ergebnisse zeigen vor allem eines: Die Vielfalt im Nationalpark ist enorm. Und sie ist es wert, geschützt zu werden.

Andrea Kaus-Thiel, promovierte Biologin und begeisterte Anhängerin des Nationalparkgedankens, hat sich schon während ihres Studiums dem Ökosystem Wald verschrieben. Die gebürtige Westerwälderin lebt seit fast 25 Jahren mit ihrer Familie in Idar-Oberstein, wo auch ihre beiden Kinder zur Welt gekommen sind.

Dass vor fünf Jahren direkt „vor ihrer Haustür“ der Nationalpark Hunsrück-Hochwald gegründet wurde, empfindet sie als großes Glück, zumal sie als Forschungsreferentin nahezu von Anfang an das „Projekt“ mitgestalten und das Fundament für ein langfristiges Forschungs- und Monitoringkonzept legen durfte.

Ihr primäres Aufgabenfeld besteht in der Koordinierung, Zusammenführung und Vernetzung von Wissenschaftlern, die die unterschiedlichsten Themenfelder des Nationalparks mehr perspektivisch betrachten und erforschen. Dabei reicht die Bandbreite von europaweiten Universitäten über privatwirtschaftliche Forschungsagenturen bis hin zu ehrenamtlich arbeitenden Experten.

Im Fokus steht die gemeinsame Erarbeitung nationalparkrelevanter Fragestellungen, die Festlegung geeigneter Untersuchungsareale und die Anwendung adäquater Forschungsmethoden, um die komplexen Zusammenhänge in der Natur ein Stück weit besser zu verstehen.

Ein zentrales Anliegen ist für Andrea Kaus-Thiel hierbei ein möglichst störungsarmes Vorgehen in der Natur. Sie sammelt und dokumentiert die Ergebnisse, in der Hoffnung auf ein besseres Verständnis der natürlichen Dynamik in vom Menschen nahezu unbeeinflussten Ökosystemen.

Es ist ihr eine besondere Freude, die Natur in ihrer freien Entfaltung beobachten zu können, von ihr zu lernen oder sie einfach zu genießen.

Forschungsarbeit Botanik: Bereits seit vielen Jahren untersucht die Arbeitsgruppe Botanik der Universität Koblenz-Landau die Artenvielfalt von Flechten und Moosen im Nationalpark. Hierbei wurden ganz unterschiedliche Lebensräume in den Blick genommen, die für den Nationalpark eine besondere Bedeutung haben. So wurde im Jahre 2015 von Dr. Dorothee Killmann und Burkhard Leh die Artenvielfalt von Flechten in den drei Naturwaldreservaten in der Nähe des Erbeskopfes (Gottlob, Springkopf, Ruppelstein) untersucht. Überraschenderweise gelang dabei die Entdeckung einer neuen Flechtenart, die dann zu Ehren des Nationalparks den Namen Hunsrück-Warzenflechte (Verrucaria hunsrueckensis) bekam. Eine zweite, noch unbeschriebene Art wird zurzeit im Labor wissenschaftlich untersucht. Im Jahre 2018 folgte dann eine Bestandsaufnahme von Flechten und Moosen auf ausgewählten Rosselhalden (Steinblockhalden). Im Rahmen eines Langzeitmonitorings soll erforscht werden, inwieweit sich die Klimaerwärmung auf Flechten und Moose auswirkt, die auf diese Faktoren besonders sensibel reagieren.

Im Jahre 2020 hat der Leiter der Arbeitsgruppe Botanik, Professor  Eberhard Fischer, ein neues Forschungsprojekt eingeworben, bei dem die Flora und Vegetation in fünf Hangmooren untersucht und auch dauerhaft dokumentiert werden soll. Unterstützt von seinen Mitarbeiterinnen (Dr. Batoul Alhawija, Dr. Dorothee Killmann und Burkhard Leh) wurden dabei Standorte unterschiedlicher Ausprägung ausgewählt. So ist der Thranenbruch durch intensive Renaturierungsmaßnahmen (Entfichtung und Grabenverschlüsse) gekennzeichnet, wohingegen der Langbruch als Naturwaldreservat von solchen Maßnahmen ausgenommen wurde und daher als Referenzfläche dient. Nach Abschluss der Arbeiten in mehreren Jahren können so fundierte Aussagen über die Entwicklung der Brücher (Hangmoore) des Nationalparks getroffen werden.

Forschungsarbeit Vogelwelt: Als Avifauna (Avis lat. Vogel) wird die Gesamtheit aller in einer Region vorkommenden Vogelarten bezeichnet. Der Dachverband Deutscher Avifaunisten ist der Zusammenschluss aller landesweiten und regionalen ornithologischen Verbände in Deutschland.

Bundesweit hat der ornithologische Fachverband unter anderem die Bestandsentwicklung der Spechte im Blick. So wird derzeit ein einheitliches vorgegebenes Monitoring bei Schwarz-, Grau-, Mittel-, und Kleinspecht durchgeführt. In Rheinland-Pfalz übernimmt Dr. Christian Dietzen die Koordination dieser Untersuchung.

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald hat sich mit seiner Avifauna-Gruppe unter Leitung von  Dr. Kaus Thiel gerne in dieses Monitoring eingeklinkt, möchte er doch wissen, wer so alles im Nationalpark trommelt. Neben den vorgenannten Arten sind auch noch Bunt- und Grünspecht „verhört“ worden. Zur Feststellung der Brutdichte von Spechten und gegebenenfalls ihrer Brutfolger erfolgt eine Kartierung entlang der Traumschleifen (Barbara Schmitt-Fröhlich und andere) sowie eine flächige Kartierung von Klein- und Großhöhlen (Willi Zimmermann).

Hier geht es zur Bilderstrecke: Forscher in ihrer Arbeitswelt