1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Nohfelden

Aufführung der achten Klasse der Freien Waldorfschule in Walhausen

Bretter, die die Welt bedeuten : Theaterspiel zwischen Abstand und Nähe

Schüler der Waldorfschule Walhausen brachten ihr Stück Corona-konform auf die Bühne.

Es hatte schon fast etwas surreales, das Ambiente in der großen Turnhalle der Freien Waldorfschule Saar-Hunsrück in Walhausen. War bei früheren Theaterspielen die Halle mit Leben gefüllt, liefen Kinder umher, suchten die Zuschauer den Austausch und das Gespräch untereinander, so war es dieses Mal doch eher etwas verhalten. Corona hat einfach alles verändert. Man saß brav auf den zugewiesenen Plätzen mit 1,5 Metern Abstand, und es war ungewöhnlich still in der Halle. Die Bühne hingegen sprengte alles bisher Dagewesene, hatte man sie doch fast über die gesamte Hallenbreite in einer leichten U-Form gezogen, um auch den Akteuren auf der Bühne das Einhalten der Sicherheitsabstände zu ermöglichen.

Zur Handlung: Es geht um Streit, Diebstahl, eine blinde Passagierin und das alles auf einem Kreuzfahrtschiff. Hier treffen die verschiedensten Charaktere aufeinander: die hochnäsige und etwas eigensinnige Familie von und zu Hofstädt bis hin zur eher chaotischen Familie Böller. Dazwischen ein Spannungsfeld von Intrigen, Ehrgeiz, Eifersucht und Liebe. Was als normal erscheinende Kreuzfahrt beginnt, endet in einer rätselhaften Katastrophe.

Und da sind wir auch schon beim eigentlichen Thema der Aufführung. Gehört Theaterspielen schon immer zu der ganzheitlichen Ausrichtung der Persönlichkeitsbildung an einer Waldorfschule, so ist Theater unter Corona-Bedingungen eine Herausforderung, die erst einmal gemeistert werden will. Die Theaterregisseurin Catherine Ann Schmid hat den Kraftakt geschafft, gemeinsam mit den Schülern der achten Klasse das Stück „All Inclusive“ nicht nur auf die Bühne zu bringen, sondern vielmehr die schauspielerische Umsetzung so zu optimieren, dass trotz Einhaltung von Abständen ein eindringliches Spiel entstand.

Aus Infektionsschutzgründen hätte auf die meisten Requisiten verzichtet werden müssen und so haben sich die Akteure im Vorfeld darauf verständigt, sie gänzlich wegzulassen. In einem minimalistischen Bühnenbild mussten die Schauspieler fast schon pantomimisch die Handlungen umsetzen, die sich unter normalen Umständen schon allein durch die Wahrnehmung der jeweiligen Requisiten erklärt hätten. Selbst eine Prügelei wurde mit Abstand durchgespielt, dabei nicht minder eindringlich und ob ihrer Skurrilität sogar noch nachhaltiger im Gedächtnis haftend.

Überhaupt überzeugten die schauspielerischen Leistungen jedes Einzelnen der Akteure auf der ganzen Linie. „Mission erfüllt“, kann man der achten Klasse attestieren. Theater in Corona-Zeiten ist nicht nur möglich, sondern sogar nötig. Alleine schon die großen Abstände, die Entfernung von gut 20 Metern von Bühnenende zu Bühnenende, stellten die Schauspieler vor die Herausforderung, dass die Stimme auch soweit tragen musste, dass so akzentuiert gesprochen werden musste, dass auch das Gegenüber am anderen Ende der Bühne alles verstand. Auch das klappte vorzüglich. Ein großes Lob gebührt den Schülern für diese herausragende Leistung. Das war zwar Theater mit Abstand, aber mit Abstand eine der besten Schultheateraufführungen seit langem.