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Virtuos, nuanciert und einfallsreich

Dillingen. Zunächst erstaunen der homogene Orchesterklang, die differenzierte Farbigkeit und der Drive, mit dem Dirigent Volker Christ die Ouvertüre zur Oper "Die Zauberflöte" von Mozart anschiebt. Garant für den abgerundeten Klang des Laienorchesters ist das ausbalancierte Verhältnis zwischen Streichern und Bläsern Von SZ-Mitarbeiterin Jutta Stamm

Dillingen. Zunächst erstaunen der homogene Orchesterklang, die differenzierte Farbigkeit und der Drive, mit dem Dirigent Volker Christ die Ouvertüre zur Oper "Die Zauberflöte" von Mozart anschiebt. Garant für den abgerundeten Klang des Laienorchesters ist das ausbalancierte Verhältnis zwischen Streichern und Bläsern. Bereits in der Adagio-Einleitung inszeniert Christ die von Pathos geprägte Ouvertüre wie ein Bühnenwerk - was nicht wundert, da er mehr als 15 Jahre an deutschen Opernhäusern arbeitete. 2005 machte ihn Heidelberg zum Generalmusikdirektor der Stadt und des Philharmonischen Orchesters. Vor einem Jahr übernahm er neben anderen Verpflichtungen auch die Leitung des Kreis-Symphonie-Orchesters (KSO) Saarlouis. Nicht weniger temperamentvoll und stringent dirigiert Christ die vierte Sinfonie von Schubert. Während der dritte Satz, das Menuetto vivace, wenig Eindruck hinterlässt, gerät das Allegro in rhythmischer Präzision zu einem spritzigen, ebenfalls tänzerisch angelegten Finale. Düstere SchattenAuch die fahlen und düsteren Schatten in der Einleitung der Sinfonie sowie die stürmisch erregte Stimmung des Kopfsatzes finden Gefallen. Im Mittelpunkt des Konzerts steht jedoch die Pianistin Nina Buchmann. Die 28-Jährige macht in Kürze ihre Konzertreife. Das eigentliche Studium in der Klavierklasse von Prof. Thomas Duis und Fedele Antonicelli an der Musikhochschule Saarbrücken hat sie 2007 mit Diplom beendet. Buchmann spielt das dritte Klavierkonzert in c-Moll von Beethoven. Doch erst nach einer langen Orchestereinleitung, in der die Themen des ersten Satzes aufgeteilt werden, bekommt die Pianistin Gelegenheit, in das Geschehen einzugreifen. Der Doppeloktav-Wucht folgt ein atemberaubender Registerwechsel. Während das Orchester präzise und engagiert seinen Part artikuliert und sich zwischen scharfen Akzenten Zeit zum lyrischen Ausspielen einzelner Linien nimmt, kostet Buchmann jeden Ton aus, überzeugt mit makelloser Technik, Phrasierungs- und Pedalkunst - findet eigene Formulierungen, so dass ein wunderbar beschwingter sinfonischer Dialog zwischen Orchester und Soloinstrument entsteht. Die temporeichen Ecksätze strotzen von Dynamik und Vitalität. Das Largo gerät zu einer Insel der Poesie. Mit Würde und Empathie, fast zärtlich im Anschlag, macht die mehrfache Preisträgerin den langsamen Satz zu einem überraschenden Hörerlebnis - und erobert ihr Publikum. Bravo!