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Kunstausstellung
Vom rhythmischen Erfassen einer Fläche

Saarlouis. Institut für aktuelle Kunst zeigt ab Sonntag im Forschungszentrum für Künstlernachlässe Tuschezeichnungen von Roger Bertemes.

Das Saarlouiser Institut für aktuelle Kunst eröffnet am Sonntag, 21. Januar, 11 Uhr, in seinem Forschungszentrum für Künstlernachlässe die Ausstellung Roger Bertemes – Tuschezeichnungen. Als Sohn von Roger Bertemes, 1927-2006, machte der Kunstvermittler Paul Bertemes vor einiger Zeit im Rahmen einer Ausstellung mit luxemburgischen Künstlern beim Treffpunkt Kunst von Bernhard Giebel im Museum Haus Ludwig in Saarlouis seine Perzeption des hoch angesehenen luxemburgischen Malers und Poeten deutlich: Fasziniert habe ihn stets, wie sein Vater Landschaft und Natur als „verinnerlichtes Erleben“ verarbeitet und Landschaften mit den Menschen verbunden habe. Sein wichtigstes Anliegen sei gewesen, die Dinge in ihrem Wesen zu erfassen, um sie „zu einer eigenen poetischen Kunstwelt zu verdichten“. Paul Bertemes, der neben Prof. Jo Enzweiler, Direktor des Instituts, und dem Luxemburger Kunstkritiker Prof. Lucien Kayser zur Vernissage sprechen wird, hat mit seinem jüngeren Bruder François aus dem umfangreichen Werk des Künstlervaters eine Auswahl an gestisch-spontanen Tuschezeichnungen ausgewählt und zusammengestellt. Beide betreuen den Nachlass von Roger Bertemes, der auch als Grundschullehrer und Dozent tätig war.


Es sei üblich, Roger Bertemes vom Ösling, den luxemburgischen Ardennen, her zu definieren, heißt es in einem Aufsatz von Paul Maas. Die Ardenner Koppen, die Öslinger Farben, das Karge, das Elternhaus, das Bild des Vaters und der Ahnen seien Konstanten seines Werks. Zunächst malt der junge, begeisterte Autodidakt figurativ. Heimatliche Landschaften sind komponiert. Dann die Wende: Dank seines Studiums im Druck-Atelier von Jonny Friedländer in Paris (1961) entdeckt er die zeitgenössische Radierung (gravure). Danach entzieht er sich jedoch immer mehr den Einflüssen der „École de Paris“ und beginnt, sich für fernöstliche Einflüsse in der Kunst zu interessieren: Tuschezeichnungen, das Verschwinden des stabilisierenden Rahmens, die Vorherrschaft der Gestik, den skulpturalen Charakter.

Darüber hinaus soll er sich für die menschliche Figur, ihre Wiederkehr, zunächst als Schnittmuster, dann als Schatten (Ahnenbilder), schließlich als Kopf oder Schläfer begeistert haben. Egal, in welcher Gattung Roger Bertemes arbeitet, mit Öl auf Leinwand, Aquarell, Tuschezeichnung, Collage, Radierung oder Bleistift: „Jedes Bild ist unverwechselbar ein Bertemes“, schreibt Maas. Kunstkritikerin Elisabeth Vermast spricht vom „rhythmischen Erfassen einer Fläche“.



Der gemeinsame Nenner von Schwere und Leichtigkeit in seinen Bildern, der Liebe zu Kontrasten, ist wohl die Poesie, der er ebenso verbunden ist. Auch seine Gedichte erzählen von diesem Gestaltungswillen, diesem Impetus, träumerische Phantasien und handwerkliches Können miteinander zu verbinden. Gerade die Tuschearbeiten überzeugen mit ihrem künstlerischen Konzept, das wesentlich bestimmt wird „von der der innigen Verbindung zwischen Malerei und Sprache, die ihm die Bezeichnung ‚poète paintre‘“ eingetragen hat, wie es im Einladungsflyer zur Ausstellung heißt: Malerei als Poesie.

Die Ausstellung läuft bis 29. März. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag, jeweils 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

(jst)