Unter der Erde unversehrt

Leser-Reporter Sepp Focht hat bei den Bauarbeiten rund um die Kirche in Roden genauer hingeschaut und einen spannenden Fund gemacht: Die alten Regenwasserrohre stammen noch aus dem Jahr 1900.

 Das robuste Steingutrohr von V&B zählt schon 112 Jahre.
Das robuste Steingutrohr von V&B zählt schon 112 Jahre.

Über ein ganzes Jahrhundert alt sind die Regenwasserrohre der Ringleitung, die gerade an der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Roden erneuert wird. Die 20 Zentimeter dicken, alten Rohre waren komplett von Wurzeln durchwachsen. "Bis in die 60erJahre haben rund um die Kirche Pappeln gestanden", erzählt Leser-Reporter Focht, der während der Aufbauarbeiten für das Pfarrfest an der Kirche auf den Fund aufmerksam wurde. "Deren Wurzeln sind in die Muffen der Rohre reingewachsen, haben weitere Wurzeln gebildet und schließlich die ganze Leitung zugemacht."

Seit anderthalb Jahren läuft das Regenwasser an der Kirche nun schon nicht mehr richtig ab. Nun werden die langlebigen Steinzeugrohre durch neue Kunststoffrohre ersetzt. Peter Haffner, Küster in der Pfarrkirche entdeckte: "Da steht doch was drauf!"

Daraufhin bat er die Bauarbeiter, "ein Rohr mal vernünftig von Hand auszubauen", erzählt der Küster. "Villeroy & Boch, 1900" ist in die Außenwand des glasierten Steinzeugrohrs eingraviert. Somit sind diese Regenrohre schon älter als die Kirche, wie sie heute zu sehen ist.

"Früher stand unsere Kirche auf dem Marktplatz in Roden", sagt Focht, "das wurde aber alles zu klein, weil die Bevölkerung stark angewachsen ist." 1898 begannen die Bauarbeiten für eine neue Pfarrkirche in der Schulstraße. 1901 wurde diese eingeweiht. 45 Jahre später wurde der Kirchturm bombardiert, nahezu der gesamte Bau brach zusammen.

"Die Kirche war damals zu 90 Prozent zerstört und musste neu aufgebaut werden", sagt Focht. "Die Rohre haben den Zweiten Weltkrieg überlebt!"

Nach 112 Jahren haben diese nun ihren Dienst getan und werden nach und nach ausgebaut. Doch nicht alle landen auf dem Bauschutt: Aus einem der Rohre soll eine Stütze für einen außergewöhnlichen Biertisch werden.

Den Tipp für diesen Artikel bekamen wir von unserem Leser-Reporter Sepp Focht aus Roden. Sie haben auch Ärgerliches und/oder Spannendes zu erzählen oder sogar Fotos gemacht? Dann schicken Sie uns alles als Leser-Reporter: per SMS/Fax, MMS mit Foto an Telefon (06 81) 59 58 00, oder per E-Mail an leser-reporter@sol.de