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„Ohne Pflicht bleibt jeder nur weg”

„Ohne Pflicht bleibt jeder nur weg”

Nicht nur bei den Lehrern auch bei den Schülern im Kreis Saarlouis wird kontrovers zum Thema Gleitzeit diskutiert.

Das von der Saarbrücker Zeitung vorgestellte Gleitzeit-Modell für Oberstufenschüler am Dalton-Gymnasium in Alsdorf (bei Aachen) ist nicht nur bei den Schulleitungen der Gymnasien im Kreis Saarlouis umstritten. Innerhalb der Schülerschaft wird es ebenfalls kontrovers diskutiert.

"Der Biorhythmus der meisten Jugendlichen ist anders als bei Erwachsenen", sagt Professor Till Roenneberg von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Müssten die Jugendlichen entgegen ihrer biologischen Uhr schon um acht Uhr oder noch früher in der Schule sein, säßen viele von ihnen halb schlafend im Unterricht, lautet seine Begründung für eine Gleitzeit an Schulen.

Die SZ-Umfrage an Gymnasien im Kreis Saarlouis zeigt aber auch, dass Jugendliche nicht nur anders ticken als Erwachsene. Wir Menschen, ob jung oder alt, sind eben individuell oft sehr unterschiedlich. Nicht nur Langschläfer, auch Frühaufsteher sind bei den Oberstufenschülern fast genauso oft anzutreffen. "Ich bin nur selten müde, habe kein Problem mit der ersten Stunde", sagt etwa Samuel Fritsch. Eine Gleitzeit müsse auf jeden Fall mit der Pflicht verbunden werden, die versäumte Stunde nachzuholen. "Sonst bleibt jeder nur weg", meint der 17-Jährige aus Düren.

Relativ gut raus aus den Federn kommt auch der gleichaltrige Dennis Weitner aus Siersburg: "Spätestens nach der Dusche geht's." Die erste Stunde nachmittags nachzuholen ist für ihn "mehr Stress", weil dann die Konzentration fehle. "Zuhause bin ich noch müde, aber sobald ich in der Schule bin, habe ich keine Probleme", sagt Ann-Sophie Conrad (15) aus Körprich. Die Möglichkeit in der ersten Stunde individuell zu lernen, sich auf Arbeiten vorzubereiten, fände sie trotzdem "sehr gut". Das sieht auch der 15-jährige Jannis Jacob aus Diefflen so. Er würde aber die Gleitzeit nutzen wollen, denn an manchen Tagen sei er schon richtig müde. Die Stunde nachzuholen, sei durchaus okay. Vor allem montags und freitags, kurz vor oder nach dem Wochenende, hat die 18-jährige Talisa Nolfo aus Saarlouis Probleme mit dem frühen Schulbeginn. Gleitzeit sei daher "keine schlechte Idee". Das Nachholen der ersten Stunde müsse aber verpflichtend sein, "sonst macht man es doch nicht." Allerdings sieht sie nachmittags Probleme bei dem ohnehin engen Kursplan. Zudem habe sie am späten Nachmittag bis in den Abend noch zwei Nebenjobs, um Geld zu verdienen. "Da kommt man kaum noch hinterher."

Ähnlich geht es Florian Friedrich aus Saarlouis. Der 17-Jährige treib abends intensiv Sport, kommt oft erst spät zum Lernen und zu den Hausaufgaben. Meist geht er gegen Mitternacht ins Bett und "morgens quäle ich mich raus." Mittwochs hat er die ersten beiden Stunden frei, dann fühle er sich gleich viel wacher. Selbstverständlich müsse der Unterricht nachmittags nachgeholt werden, wenn man später anfange. "Ob ich um 13 Uhr oder erst um 15 Uhr aus der Schule komme, ist egal", sagt Florian Friedrich. Wichtig ist ihm die individuelle Freiheit, sich den Tag einteilen zu können.

Eine "knappe Mehrheit" werde die Gleitzeit-Möglichkeit wohl annehmen, schätzt daher auch Vanessa Meinert. Bis zur elften Klasse sei es ihr noch leicht gefallen, früh aufzustehen, meint die 17-Jährige aus Überherrn. Jetzt findet sie es aber "ganz entspannend", wenn sie mittwochmorgens erstmal zwei freie Stunden hat. "Viele Jugendliche haben morgens ein Problem", teilt sie die Auffassung des Chronobiologen Till Roenneberg. Aber die praktische Umsetzung von Gleitzeit sei angesichts des in der Oberstufe zu bewältigenden Stoffs und der Kooperation der Gymnasien untereinander, wohl schwierig. Darin ist sich die Schülerin wiederum mit den meisten Schulleitungen der Gymnasien im Kreis einig.

Zum Thema:

Jannis Jacob
Ann-Sophie Conrad
Talisa Nolfo
Florian Friedrich
Vanessa Meinert
Samuel Fritsch Fotos: Axel Künkeler

Weiterführende Schulen im Landkreis Saarlouis Der Landkreis Saarlouis ist Träger von 28 weiterführenden Schulen mit insgesamt rund 20 000 Schülern. Neben den sieben Gymnasien gibt es eine Oberstufe auch an der Sophie-Scholl-Gemeinschaftsschule in Dillingen.