Keine Durchfahrt für Patienten

Seit Jahren soll das Saarlouiser Wohngebiet Vogelsang verkehrsberuhigt werden. Jetzt sorgt ein neues Verkehrskonzept für Ärger: Über 250 Unterschriften hat eine Zahnarztpraxis gesammelt, die nur noch über Umwege erreichbar ist.

Seit 1999 betreiben Dr. Benedikt Endres und Dr. Wolfgang Treib ihre Zahnarztpraxis in Saarlouis im Vogelsang. Mit inzwischen zehn Angestellten betreut die erfolgreiche Gemeinschaftspraxis nach ihren Angaben rund 10 000 Patienten . Doch jetzt fürchten die Zahnärzte um ihre berufliche Zukunft. Der Grund: Seit etwa drei Wochen ist die Hauptzufahrt zur Praxis über die Von-Schütz-Straße gesperrt - im Rahmen einer von der Stadt versuchsweise durchgeführten "Verkehrsberuhigung", schildert Treib verärgert: "Dadurch erreichen uns die Patienten verspätet, unter großen Umwegen und manchmal gar nicht mehr. Umsatzeinbußen sind die Folge." Ausfälle, Terminverschiebungen und vor allem ausbleibende Neu-Patienten, könne er hinreichend belegen.

250 Unterschriften von Patienten und Anwohnern haben die Ärzte inzwischen bereits gesammelt und an Oberbürgermeister Roland Henz übergeben, um ihrem Unmut kundzutun. Sie fordern, die Sperrung zumindest teilweise aufzuheben und die Zufahrt für Patienten zu erlauben.

Die Patienten , die über die Wallerfanger Straße kommen, müssten nun große Umwege zur Praxis in Kauf nehmen, berichtet Treib. Eine Beschilderung über die geänderte Verkehrsführung vermisst er. Durch die "Verkehrsberuhigung" käme es ohnehin vor allem zu einer Mehrbelastung anderer Straßen, etwa der Schwarzbachstraße.
Offene Testphase

Dass die jetzige Regelung eine "offene Testphase" sei, betont die Stadt Saarlouis ausdrücklich. Über die Rückmeldungen, auch in Form der Unterschriften, sei man froh, sagte Stadt-Sprecher Sascha Schmidt: Sie seien Teil des Verkehrsberuhigungsversuches. Schon seit 2012 gebe es auf Betreiben der Anwohner, insbesondere der 2013 gegründeten Interessengemeinschaft "Unser Vogelsang", Bestrebungen, das Wohngebiet zu beruhigen. Zwar gebe es viel "Zielverkehr" zu Geschäftsleuten, Kindergärten und Grundschule, aber problematisch sei vor allem der "Stauumfahrungsverkehr", also Autofahrer, die Wartezeiten in der Wallerfanger und Metzer Straße umgehen wollen. Die IG habe ein Maßnahmenpaket erarbeitet, das in die Überlegungen eingeflossen sei, erläuterte Schmidt. Im Mai 2015 hat der Stadtplanungsausschuss endgültig das Konzept einstimmig beschlossen, nachdem es Ende April bei einer Bürgerinfo vorgestellt worden war. "Bei den öffentlichen Sitzungen und auch bei der Bürgerinfo gab es keine Einwände dagegen", erklärt Schmidt.
Beschilderung wird geprüft

Eine entsprechende Beschilderung werde nun geprüft. Die aktuelle Testphase soll bis Ende Oktober andauern; dann wird eine Wirksamkeitsanalyse erstellt, die bis Ende des Jahres vorliegen soll. Auf Grund dieser Ergebnisse und unter Berücksichtigung der Rückmeldungen der Bürger, von denen es bereits einige, positive wie negative, gebe, wird dann das Konzept angepasst. Und Schmidt betont: Bürger können sich jederzeit in der Sache an das Amt für ökologische Stadtentwicklung wenden.