„Ich wusste, das kann funktionieren“

„Ich wusste, das kann funktionieren“

Zwei Manager haben die Firma gerettet, in der sie angestellt waren: Sie haben die SHG in Saarlouis aus dem Konzern herausgekauft.

Sie stehen in der unerwartet großen Werkshalle nahe dem Saarlouiser Bahnhof und diskutieren über die Vorteile eines direkten Gleisanschlusses. Die eine ist Maschinenbau-Ingenieurin aus Essen und erst seit fünf Jahren im Stahlgeschäft. Der andere hat mit 16 als Ferien-Jobber hier angefangen. Beide waren im Management angestellt bei der Saarländischen Handelsgesellschaft mbH (SHG) in Saarlouis. Als die SHG als Mitglied der Interfer-Gruppe/Albrecht Knauf 2015 vor dem Aus stand, haben Dr.-Ing. Petra Kirchhausen und Jörg Schneider die Firma aus dem Konzern herausgekauft, um sie selbst weiterzuführen. Management-Buy-out (MBO) nennt man das.

Kirchhausen sagt heute, sie habe schon 2015 darüber nachgedacht. Als zwei Kaufinteressenten abgesprungen waren und die Schließung zur Debatte stand, wurde die Möglichkeit erörtert. Und da habe sie gleich Ja gesagt. "Ich hatte dem Konzern schon vorgerechnet, dass die SHG nicht wirklich rote Zahlen schrieb. Das Defizit kam durch zu hohe Personalkosten und durch Umlagen an den Konzern zustande." Schneider, der bei SHG Kaufmann für Groß- und Einzelhandel gelernt hat, sagte binnen vier Tagen zu. "Aus dem Bauch raus. Ich wusste, das kann funktionieren."

Trotz schwieriger Marktlage für Stahl habe der Stahlhändler SHG vom ersten Tag der Neugründung im Oktober 2016 an schwarze Zahlen geschrieben, sagt Kirchhausen. "Ich habe ein Stück vom Glück gekauft, ich bin dankbar." Immer noch fasziniert verfolgt sie in der Halle die Arbeitsvorgänge. 15 Deckenkrane transportieren die Stahlstücke, hier laufen fünf autogene und eine Plasma-Brennschneidanlage, Sägen, eine Sandstrahlanlage. Mit ihrer Zuversicht standen die beiden SHG-Manager zunächst ziemlich allein. Die Resonanz der Banken, ohne die eine Finanzierung eines Management-Buy-out nicht möglich ist, war ernüchternd, sagt Kirchhausen. "Die Banken waren hier, aber sie zeigten kein Interesse an der Überlebensfähigkeit des Unternehmens." Dabei habe der Abgleich von Business-Plan und einem großen Pflichtgutachten die Überlebensfähigkeit klar gezeigt.

Gesehen habe das allein das regionale Institut Kreissparkasse (KSK) Saarlouis. "Sie hat an das Konzept geglaubt und war ein toller Partner, sie hat uns wirklich unterstützt" - Kirchhausen und Schneider wissen, wie viel davon abhing. Denn erst als die Finanzierung stand, habe der Konzern sie wirklich Ernst genommen. 42 der 56 Mitarbeiter plus die Azubis konnten bleiben.

Heute arbeiten bei SHG wieder 46 Mitarbeiter plus sieben Azubis. Es sind Leute aus vielen Berufen, sagt Kirchhausen, oft über 30 Jahre im Betrieb: Schlosser, Fliesenleger, Kaufleute, Elektriker, Kfz-Mechaniker, aber auch Ungelernte. "Es macht Spaß", die Firma zu führen, erzählen die Gesellschafter. Ohne Konzern sei die SHG flexibler, es fließe nicht so viel Geld ab, auch die Lieferanten hätten sehr positiv reagiert.

Die SHG kauft in ganz Europa Stahl ein.Sie verkauft vor allem im Umkreis von 300 Kilometern, stark in Frankreich, aber auch in anderen Ländern. 7000 Tonnen Stahl liegen auf Lager. Ziele für 2017: 29 000 Tonnen verkaufen, Umsatz 19 Millionen Euro. Der Stahl geht vor allem auf Baustellen und in den Maschinenbau. "Wir haben", erzählt Kirchhausen, "gerade einen Schlosser und einen Elektriker eingestellt, beide im Alter von 62 Jahren. Warum denn nicht?" Hätte man das seinerzeit dem Konzern vorgeschlagen, "hätten die uns gefragt, ob wir sie noch alle haben".

Zum Thema:

Jörg Schneider ist einer der beiden Gesellschafter der neuen SHG.

SHG hat mehrfach den Besitzer gewechselt Als Saarlouiser Eisenhandel GmbH wurde die heutige SHG 1952 gegründet. 1960 ging sie an die DSD GmbH, 1999 an die Stinnes Interfer. Interfer wurde 2004 von Albrecht Knauf übernommen. Seit Oktober 2016 ist die SHG wieder eine eigenständige GmbH. Sie handelt mit Band- und Quartoblechen von einem bis 200 Millimetern, mit Stab- und Formstahl bis 400 Millimetern, Rohren und Spezialprofilen. Bei der SHG wird gesägt, gebohrt, gestrahlt und konserviert. Brennschneiden ist bis 300 Millimeter möglich.