Bauernkolumne der SZ zur Milchwirtschaft

Bauernkolumne : Kein Kalb, keine Milch – Muttertier und Nachwuchs

Jedes Kind weiß, dass die Milch von der Kuh kommt, oder? Aber warum gibt die Kuh eigentlich Milch? Da Kühe genau wie wir Menschen Säugetiere sind, geben sie Milch, um ihre Kälber mit Nahrung zu versorgen.

Das heißt, sie produzieren auch nur dann Milch, wenn sie ein Kalb geboren haben.

Die Kühe sind Nutztiere. Das bedeutet, dass sie den Menschen nützlich sind. Die Ursprungskuh kam aus Anatolien und dem Nahen Osten, das heißt aus der heutigen Türkei und dem Iran. Das Ursprungsrind hieß Auerochse. Vor zirka 10 000 Jahren hat der Mensch den Auerochsen domestiziert, also ihn sich zunutze gemacht. Seitdem gibt es das Hausrind. Das Hausrind wurde gezüchtet und als Zugtier verwendet, um den Pflug auf dem Acker zu ziehen, die Milch aus dem Euter zu melken und zu Sauermilch oder zu Käse zu verarbeiten. Nachdem das Tier geschlachtet wurde, konnte man auch das Fleisch verzehren.

Die Kuh kann als Wiederkäuer Gras fressen und damit das Gras zu Milch umwandeln. Die Kuh Magda steht trocken. Ihr Euter ist ganz schlaff. Magda ist tragend – so heißt es, wenn eine Kuh schwanger ist – und genießt ihre Trockenstehzeit auf der Weide. Milchkühe werden etwa acht Wochen vor der Geburt ihres nächsten Kalbs trockengestellt, das heißt nicht mehr gemolken. Die Trächtigkeit dauert neun Monate. Zwei Wochen vor der Geburt fängt Magdas Euter an zu schwellen und sie kommt in eine Strohbucht in den Stall, damit man sie vor dem Kalben gut beobachten kann.

An einem späten Sonntagabend ist es soweit. Nachdem Magda über den Tag etwas unruhig gewesen ist und nichts fressen wollte, hängt jetzt eine große durchsichtige Blase aus ihrer Scheide. Plötzlich platzt die Blase und Magda legt sich hin, bekommt in regelmäßigen Abständen Wehen und muht tief und lange. Ein Paar kleine Klauen sind zu sehen. Ich sehe, dass es die Vorderklauen sind. Das Kalb liegt also richtig. Ich warte darauf, dass die Wehen in kürzeren Abständen kommen und das Maul erscheint. Nach einigen großen Wehen liegt das Kalb bald im Stroh.

Ich stelle zufrieden fest, dass das kleine Kalb frei atmet. Dann ziehe ich das Kalb nach vorne zu Magdas Kopf, damit sie ihr nasses Kalb ablecken kann. Anschließend biete ich Magda lauwarmes Wasser mit einer Salz- und Zuckerlösung in zwei großen Eimern an. Magda stellt sich hin und säuft gierig. Ich melke Milch aus Magdas vier Zitzen. Aber die Milch ist nicht weiß, sondern gelb, orange und dickflüssig. Was soll das bedeuten? Es ist die erste Milch nach dem Kalben, die sogenannte Biestmilch. Sie enthält viel Fett, Eiweiß und Abwehrstoffe, die lebenswichtig für das Kalb sind. Die Verabreichung der ersten Milch an das Kalb soll innerhalb der ersten zwei Stunden nach der Geburt geschehen, damit das Kalb gleich die Abwehrstoffe aufnimmt.

Ich schaue nach dem Geschlecht: Es ist weiblich, ein Mutterkalb, wie wir sagen. Das freut mich besonders, weil das Kalb nach voraussichtlich zwei Jahren Aufzucht selbst ein Kalb gebären und Milch geben wird. Das Kalb zieht am nächsten Morgen aus dem Stall in eine Kälberhütte vor dem Stall ein. Dort wird es mit der Milch seiner Mutter gefüttert. So kann sich Magda eine Woche lang in der Strohbucht von der Geburt erholen, während ihr Kalb zweimal täglich mit ihrer Milch versorgt wird.

Die Kuh Magda frisst mit gutem Appetit Gras- und Maissilage mit Rapsschrot und Getreide. Dazu säuft sie jede Menge Wasser und frisst gerne auch ein Büschel Heu. Sie gibt jeden Tag immer mehr Milch und fünf Tage nach der Geburt ist die Milch weiß und kann in den Milchtank auf dem Hof gesammelt werden. Jeden zweiten Tag wird die Milch von einem Milchtankwagen abgeholt und in die Molkerei gefahren, um zum Beispiel zu Trinkmilch, Joghurt, Quark, Kefir, Sahne, Sauerrahm, Butter oder Käse verarbeitet zu werden.

Im SZ-„Bauernkalender“ berichten Landwirte aus der Region jeden Monat über anstehende Arbeiten oder behandeln aktuelle Themen aus der Landwirtschaft.

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