Die zwei Orlandos von Dillingen

Dillingen. Nichts ist mehr wie es war im Dillinger Rathaus: Die Wahl hat dem Stadtrat ein Kuriosum beschert. Jetzt kann es sein, dass Antonino Orlando für das G 8-Gymnasium spricht - und dagegen: "Die Schüler sparen ein Jahr und ihre Noten sind nicht schlechter", sagt er, ganz CDU

Dillingen. Nichts ist mehr wie es war im Dillinger Rathaus: Die Wahl hat dem Stadtrat ein Kuriosum beschert. Jetzt kann es sein, dass Antonino Orlando für das G 8-Gymnasium spricht - und dagegen: "Die Schüler sparen ein Jahr und ihre Noten sind nicht schlechter", sagt er, ganz CDU. "Die Menschen werden älter und müssen länger arbeiten, warum sollen wir die Ausbildung verkürzen? Das nutzt nur Nachhilfe-Anbietern", erwidert Orlando, ganz SPD. Bürgermeister Franz-Josef Berg (CDU) hat jetzt ein Dilemma: "Wie soll ich Sie nennen?" fragt er. "Orlando 1 und Orlando 2 vielleicht, aber in welcher Reihenfolge?" Er ist ratlos: "Nach Dienstalter im Stadtrat oder nach Platz der Partei im Alphabet?" Links hinten im Saal ruft Orlando, seit 2001 im Rat: "Nach Geburtsjahr, meines ist 1965, ich habe die älteren Rechte." Denn rechts vorne, neu im Rat, sitzt Antonino, Jahrgang 1973. Das weiß er sicher, es ist sein Cousin: "Selbe Stadt, selber Name, nur die falsche Partei."Dabei besitzen beide die Ältestenrechte in ihren Familien. Ihre Väter kamen aus Dillingens sizilianischer Partnergemeinde Sutera in die Hüttenstadt, der eine 1957, der andere 1958. Die Brüder Orlando arbeiteten 30 Jahre bei der Baufirma Schäfer-Meilchen und gaben ihren Erstgeborenen nach italienischer Sitte den Namen des Großvaters: Antonino. Am Telefon wurden die Antoninos oft verwechselt. "Orlando ist in Italien kein Schmidt oder Müller", erklärt der Ältere mit dem feinen Kurzhaarschnitt, "in Deutschland habe ich nur sieben Antonino Orlando im Telefonbuch gefunden." Sein Cousin mit Walle-Mähne und Brille erzählt: "Mein Lehrer wollte mich Antonio nennen - das andere sei nur eine Verniedlichung. Aber mir gefällt die Langform besser, weil sie seltener ist." Spitznamen haben aber beide: Deutsche nennen beide Toni, in der Familie wird der eine zu Nino, der andere zu Antone. Nino, der Immobilienmakler im Anzug, ist Sozi: "Egal, was wir heute machen, sind wir Arbeiterkinder. Die SPD setzt sich mehr für Arbeiterrechte ein." Antone im Blaumann ist Betriebsrat bei den Stadtwerken und - geprägt von Lehrer, Ortsvorsteher und Bürgermeister - Christdemokrat: "Das schließt sich nicht aus. Die CDU hat in Dillingen einiges bewegt." Im Urlaub treffen sie sich jährlich in Sutera, wo die Elternhäuser nebeneinander stehen - und einen dritten Antonino Orlando, den ersten Sohn des weiteren Bruders ihrer Väter. In Dillingen, wo einer in der Fischerstraße und einer am Fischerberg wohnt, hatten sie sich zuletzt selten gesehen: im Stadtrat jetzt regelmäßig.