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Weltrekord im Vorlesen in Koblenz geglückt

Koblenz. Es geht bunt und laut zu an diesem besonderen Tag vor der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein. Mehr als 10 000 Schüler und Lehrer aus 87 Schulen in ganz Rheinland-Pfalz sind angereist, um mit dem Kinderbuchautor Stefan Gemmel einen Leseweltrekord aufzustellen und ins "Guinness Buch der Rekorde" zu kommen Von dpa-Mitarbeiter Christian Schultz

Koblenz. Es geht bunt und laut zu an diesem besonderen Tag vor der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein. Mehr als 10 000 Schüler und Lehrer aus 87 Schulen in ganz Rheinland-Pfalz sind angereist, um mit dem Kinderbuchautor Stefan Gemmel einen Leseweltrekord aufzustellen und ins "Guinness Buch der Rekorde" zu kommen. "Haltet durch", ruft der 42-Jährige seinen Zuhörern vor einem der beiden Rekordversuche zu. Denn das täten sie im Physikunterricht ja schließlich auch. Sein Appell hat Erfolg, denn eine gute Stunde später verkündet Rekordrichter Olaf Kuchenbecker von Guinness World Records, dass mit 5374 Zuhörern eine Bestmarke erreicht wurde. Bei der zweiten Lesung sind es dann gar 5406 Menschen. Was folgt, ist ein Jubel, der sogar die altehrwürdige Festung erzittern lässt.Lange Schlangen von Schülern der Klassen eins bis sechs dominieren das Bild bei diesem Fest des Massenlesens, viele tragen Shirts ihrer Schule. Die einen kommen von der Grundschule Urbar, andere aus Kruft, auch eine Gehörlosenschule aus Neuwied ist dabei. Ein Stück weiter sitzt Lehrerin Uschi Hembes aus Weyerbusch im Westerwald mit Schülern auf der Wiese. Ihre Bürgermeister-Raiffeisen-Grundschule ist komplett erschienen, rund 270 Schüler sind es. "Als wir davon gehört haben, haben wir gleich gesagt: Da müssen wir mitmachen", sagt Hembes. Ein Junge neben ihr nickt und versichert, sich gut vorbereitet zu haben. "Ich bin auch schon zur Toilette gegangen", sagt er.


Handyspielen verboten



Als die Lesung beginnt, wird es schlagartig ruhig. Denn es müssen einige Regeln eingehalten werden, damit der Rekord gilt und die Schüler am Ende eine Urkunde mit nach Hause nehmen können. Zuhörer, die während der etwa einstündigen Lesung schlafen, mit ihrem Handy spielen oder zur Toilette gehen, werden bei der Berechnung der Besucherzahl abgezogen. So erklärt es Rekordrichter Kuchenbecker. "Es soll die größte Autorenlesung eines einzelnen Autors sein, da muss auch jeder zuhören." Um den Rekord zu brechen, sind mindestens 5000 Zuhörer nötig, und die Lesung muss eine Stunde dauern.

Zunächst liest Gemmel sein eigens für den Rekord geschriebenes Buch "Alasgus" vor. Es handelt von den Geschwistern Till und Lena, die in den Ausgrabungen unter der Festung eingeschlossen werden und dort auf ein Fabelwesen treffen. Der Autor aus Lehmen an der Mosel nimmt die Menge mit in eine gruselige Geschichte samt Zeitreise in die Epoche der Kelten. Zum Abschluss folgt ein weiterer Text, der abwechselnd von Gemmel und den Schülern selbst vorgelesen wird. Später wiederholt sich die ganze Prozedur noch einmal.

Dann ist es geschafft und der Rekord perfekt. "Ich bin sprachlos", bekennt Gemmel, der mit der Aktion Kinder fürs Lesen begeistern will. Seinen Zuhörern gibt er noch eine Botschaft mit auf den Weg: "Geht heute Abend nach Hause und lest schön."