1. Saarland

Wohllaut der Dissonanzen

Wohllaut der Dissonanzen

Bergweiler. Den Wohllaut der Dissonanz durften die zahlreichen Hörer erfahren, die zur Sonntagsmusik des Daarler Vocal Consort in die Blasiuskapelle Bergweiler gekommen waren. Die sechs Sängerinnen und Sänger boten in höchster Perfektion A-Cappella-Gesang mit Schwerpunkten auf der Renaissance und der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Bergweiler. Den Wohllaut der Dissonanz durften die zahlreichen Hörer erfahren, die zur Sonntagsmusik des Daarler Vocal Consort in die Blasiuskapelle Bergweiler gekommen waren. Die sechs Sängerinnen und Sänger boten in höchster Perfektion A-Cappella-Gesang mit Schwerpunkten auf der Renaissance und der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Thema des Programms, "Musik des Übergangs", war nicht gerade alltäglich. Im engeren Sinne bedeutete es den Wechsel von Tag und Nacht; folglich zählten ein liturgischer Morgenhymnus und als Schluss die kräftig gegen den Strich gebürstete Brahms-Melodie "Guten Abend, gut' Nacht" dazu. Wichtig war der Gedanke an den Tod: Die Musik wurde prägnant eröffnet mit der von Will Todd 1970 komponierten Grabinschrift des 735 verstorbenen hochgelehrten Mönchs Beda Venerabilis. Die übrigen Stücke ließen sich kritischen Lebenssituationen und vor allem der Liebe zuordnen, wobei man die thematische Bindug nicht immer zu eng sehen sollte.Dankenswerterweise erleichterten die Ausführenden - Yvonne Zimmer, Susanne Wagenmann, Marita Grasmück, Helmut Winkel, Georg Grün und Stefan Paul, die regelmäßig in Saarbrücker Stadtteil St. Arnual ("Daarle") proben - durch Erläuterungen zum Inhalt und zum musikalischen Kontext der Werke deren Verständnis. Die Besetzung, gelegentlich auf fünf oder nur vier Stimmen reduziert, war hinsichtlich des stimmtechnischen Könnens und der musikalischen Kompetenz optimal und garantierte sowohl hohe Transparenz als auch reiche Klangfülle. Daher konnte man auch Kompositionen der alten Meister William Byrd, Christoph Demantius, Carlo Gesualdo, Philipp de Monte, Orlando di Lasso und John Ward in ganz neuer Ausdrucksintensität erleben. Gleiches galt aber auch für die romantischen Sätze von Peter Cornelius und Max Reger sowie für die eigene Harmonik von Francis Poulenc.

Die besondere Kunst des Ensembles besteht in der Interpretation moderner Mehrstimmigkeit. Es bot nicht nur makellos reine Dissonanzen wie bei Will Todd und Ivan Moody, sondern auch flatternde Melismen und erregende Schreie, wie sie Burkhard Kinzler verlangte, und durchgehaltene Bitonalität in Kurt Bikkembergs Satz "Im Nebel". Das von Heike Beckmann arrangierte "Guten Abend, gut' Nacht" deutete mit seinen Begleitrhythmen an, welches Potential den Sängern überdies noch zur Verfügung steht. Als Zugabe gewährten sie ein schlichtes französisches Vaterunser von Maurice Duruflé und einen Satz des Volkslieds "Es geht ein dunkle Wolk herein", bei dem der sukzessive Abgang der Mitwirkenden "hinter die Kulissen" einkomponiert war.