| 20:14 Uhr

Bundesregierung muss entscheiden
Kommt jetzt das Verbot von Elefanten und Löwen in Zirkussen?

Tierschützer wollen erreichen, dass Elefanten – hier im Circus Krone in München – nicht mehr in Zirkussen gehalten werden dürfen.
Tierschützer wollen erreichen, dass Elefanten – hier im Circus Krone in München – nicht mehr in Zirkussen gehalten werden dürfen. FOTO: picture alliance / dpa / Tobias Hase
Saarbrücken. Die neue Bundesregierung wird von Tierschützern und Zirkusbetreibern bedrängt. Im Saarbrücker Stadtrat gibt es derweil eine neue Initiative. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Die Politik im Saarland ist sich weitgehend einig, dass Elefanten, Löwen, Kamele, Giraffen oder Nashörner in Zirkussen nichts zu suchen haben. Der Landtag hatte in der zurückliegenden Wahlperiode einstimmig eine entsprechende Resolution beschlossen. Im Bundesrat beantragte die Landesregierung 2016 mit weiteren Ländern ein Wildtierverbot. Begründung: Selbst bei einer Haltung, wie sie durch die Zirkusleitlinien vorgeschrieben ist, seien chronische Erkrankungen beispielsweise des Skelettsystems und gravierende Verhaltensstörungen zu beobachten.


Doch die Länder sind machtlos. Nur die Bundesregierung kann ein Verbot erlassen, doch die weigert sich seit Jahren. Sie argumentiert mit der Berufs- und Eigentumsfreiheit der Zirkusbetreiber, die durch ein Verbot eingeschränkt würde. Die neue Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) wurde bereits kurz nach ihrem Amtsantritt von Tierschützern und Zirkusbetreibern bestürmt. Sie muss nun entscheiden.

Auch im Saarland wird regelmäßig Anstoß an Wildtieren in Zirkussen genommen. In Neunkirchen war für vergangenen Samstag eine Demonstration von Tierschützern gegen die Aufführung des Circus Carl Althoff angekündigt. Und in Saarbrücken diskutiert die Lokalpolitik seit Jahren darüber, ob die Verwaltung Zirkussen mit Wildtieren städtische Flächen verweigern soll. Der Stadtrat hatte dies 2017 beschlossen, musste den Beschluss aber wegen rechtlicher Bedenken der Kommunalaufsicht wieder aufheben.

Die Zirkusbetreiber und Zirkusfreunde haben nun eine Gegenoffensive gestartet. In einem Brief an Bundesministerin Julia Klöckner beklagen sie Kampagnen, die „auf die Abschaffung der momentan intakten Zirkuslandschaft in Deutschland zielen“. Der Verband Deutscher Circusunternehmen, der Berufsverband der Tierlehrer und das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“, die diesen Brief verfasst haben, verweisen auf die Besucherzahlen der Zirkusse: Allein der Circus Krone in München werde jährlich von 1,1 Millionen Menschen besucht. Und die Aufführungen der Reisezirkusse wie Zirkus Charles Knie, Circus Probst, Circus Voyage, Circus Carl Althoff oder Circus Paul Busch sähen jedes Jahr Hunderttausende. „Diese Besucherinnen und Besucher sind mündige, zumeist voll im Leben stehende Bürger, die sich häufig vor Ort in der Tierschau auch von den guten Haltungsbedingungen in den hiesigen Zirkussen überzeugt haben.“

Veranstaltungen mit Tieren, so die Unterzeichner, würden vom örtlichen Amtstierarzt überprüft und dürften nur stattfinden, wenn die erforderlichen Gehege vorhanden seien. Die Leitlinien des Bundes über die Haltung und Ausbildung von Tieren in Zirkusbetrieben seien international Vorbild für erfolgreiche und zeitgemäße Zirkustierhaltung. Auch benötigten Tierlehrer eine amtliche Erlaubnis, die nur erteilt werde, wenn der Bewerber als zuverlässig gelte, einen Nachweis über seine Qualifikation vorweisen sowie seine Sachkunde in einer Prüfung beim Amtsveterinär nachweisen könne.



In Saarbrücken planen die Gegner der Wildtierhaltung in Zirkussen einen neuen Anlauf – diesmal mit einem anderen Ansatz, da Tierschutzaspekte vor Gerichten nicht verfangen. Die FDP versucht es diesmal mit der Gefahrenabwehr: Ausbrüche von Elefanten, Tigern oder Bären aus Zirkussen seien vielfach dokumentiert – mit Verletzten und sogar einem Toten.