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Saarbrücken
Klimmt: Land braucht Bundesliga-Fußball

Reinhard Klimmt
Reinhard Klimmt FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Der frühere Ministerpräsident und FCS-Chef glaubt aber nicht an einen FC Saarland. Und er nimmt Klaus Meiser in Schutz.

Wenn das Saarland im Wettstreit der Bundesländer um Fachkräfte in Zukunft noch eine Rolle spielen will, dann braucht es nicht nur eine moderne Konzerthalle als Kulturmagnet, sondern vor allem auch wieder Bundesliga-Fußball. Das hob der frühere saarländische Ministerpräsident und Ex-Präsident des 1. FC Saarbrücken, Reinhard Klimmt (SPD), bei einer Ringvorlesung zur Fußballkultur in der Saarbrücker Universität hervor. Er stellte dabei die Frage: „Wer zieht denn sonst noch hierher?“ In der umstrittenen und im Saarland besonders stark ausgeprägten Nähe zwischen Politik und Sport sah Klimmt zumindest keinen Nachteil. Einen Polit-Boykott der Fußball-WM in Russland lehnte er als „unsinnig“ ab.


Obwohl die Ankündigungsplakate zur Ringvorlesung „Fußball und Politik im Saarland“ in der ganzen Uni aushingen, blieben die 50 Sitzplätze im kleinen Hörsaal III der Uni fast zur Hälfte leer. Ruhm ist halt vergänglich, das musste nicht nur der Saar-Sport, sondern auch der im Jahr 2000 als Bundesverkehrsminister wegen einer Finanzaffäre beim Fußballclub 1. FC Saarbrücken zurückgetretene SPD-Politiker Klimmt erfahren.

Als „nachhaltigsten Erfolg“ seiner kurzzeitigen Saar-Ministerpräsidenten-Zeit von 1998 bis 1999 nannte er es etwas süffisant, dass seit jener Zeit Saarbrücken bis heute auf der ZDF-Wetterkarte auftauche. Jetzt aber gehe es darum, dass das Saarland nicht ganz von der Landkarte verschwinde.



Und dazu gehöre, dass der einst ruhmreiche Saar-Fußball mit dem deutschen Vize-Meister 1. FC Saarbrücken und einem Sieg gegen Real Madrid sowie der Qualifikation gegen Deutschland bei der Fußball-WM 1954 in Bern wieder in die 1. oder 2. Bundesliga komme. Ein Patent-Rezept, wie das ohne Star-Trainer oder mehr Geld für Spieler-Einkäufe auf absehbare Zeit gelingen könnte, hatte allerdings auch Klimmt nicht parat. Immerhin rechnet er vor: Mit dem neuen Stadion für den 1. FCS („bisher ein Trauerspiel“) könnten 1000 VIP-Sitzplätze geschaffen und für durchschnittlich 2500 Euro pro Saison vermietet werden. Da sei die Lücke von 2,5 Millionen Euro, die bisher noch Hartmut Ostermann ausfülle, schon abgedeckt: „Ohne die Edel-Fans, die bereit sind, für die VIP-Sitze eine ordentliche Summe zu zahlen, ist der Betrieb nicht aufrecht zu erhalten“, meinte Klimmt.

Für einen Fußballclub-Zusammenschluss zum FC Saarland sieht Klimmt keine Chance. Dazu seien die Unterschiede zwischen dem 1. FCS, der SV Elversberg und dem FC Homburg mit ihren Sponsoren zu groß. „Es kann nur einen Weg geben, dass am Ende nur einer übrig bleibt.“ Und Politik von außen könne im Fußball so gut wie nichts bewirken.

Spitzensport, Olympia-Stützpunkt und Sportförderung blieben aber für ein Land und sein Image stets wichtig. Dabei nahm Klimmt auch den zurückgetretenen Landessportverbands-Präsidenten Klaus Meiser (CDU) nachträglich in Schutz. „Wenn Klaus Meiser gewusst hätte, wie die Zahlen im Sportbund sind, hätte er sich sicher nicht um das Präsidentenamt beworben. Das hat er sicher nicht gewusst.“

Ein Foto aus lange vergangenen Zeiten: Am 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga Saison 1976/1977 schickte der 1. FC Saarbrücken den FC Bayern München mit 6:1 nach Hause.
Ein Foto aus lange vergangenen Zeiten: Am 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga Saison 1976/1977 schickte der 1. FC Saarbrücken den FC Bayern München mit 6:1 nach Hause. FOTO: dpa / Heinz Wieseler