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Das Halberg-Open-Air wird 2018 beerdigt

10 000 Schüler feierten 2015 beim Halberg-Open-Air den Start in die Sommerferien. In diesem Jahr findet es zum letzten Mal statt.Foto: Becker&Bredel
10 000 Schüler feierten 2015 beim Halberg-Open-Air den Start in die Sommerferien. In diesem Jahr findet es zum letzten Mal statt.Foto: Becker&Bredel FOTO: Becker&Bredel
Saarbrücken. Auf den Saarländischen Rundfunk rollt eine Sparwelle zu. Der Intendant Thomas Kleist spricht von einem „schwierigen Szenario“. Cathrin Elss-Seringhaus

Mancher Fan des Saarländischen Rundfunks dürfte sich beim freudigen Nicken ertappt haben, als es kürzlich hieß, 2020 würden die Rundfunkgebühren womöglich weiter stabil bleiben. Auch "zwinge" die Politik die ARD zu einer grundlegenden Reform. Sparen ist ja immer gut, wenn es andere tun müssen. Doch das, was der Saarländische Rundfunk gestern an Sparmaßnahmen in eigener Sache verbreitete, trifft nicht nur die Mitarbeiter des Senders, trifft nicht mal nur populäre "Flaggschiffe" wie das Halberg-Open-Air oder die Saar-Sport-Gala, sondern im Prinzip fast alle Bereiche des Senders - und damit irgendwie ein Stück Saarland. Der SR gilt als eine Art Unverzichtbarkeit. Alarm? Von Existenzgefährdung ist keine Rede, kann auch keine sein. Doch SR-Intendant Thomas Kleist machte gestern durch einen Zehn-Punkte-Sparplan klar, dass er sich, wie er sagt, auf den "Worst Case" ("schlimmsten Fall") einstellt. Bereits jetzt fehlen dem SR rund drei Millionen Euro pro Jahr, unabhängig vom gut bewältigten ARD-Finanzausgleich. Die Finanzlücke klafft nicht aus eigenem Verschulden, weil der Sender schlecht gehaushaltet hätte. Vielmehr waren die Einnahme-Prognosen der Experten falsch, die dem SR nach dem Systemwechsel in der Gebührenerhebung - statt der Geräte abhängigen Gebühr wird jetzt haushaltsbezogen gezahlt - mehr Geld versprochen hatten. Kleist zur SZ: "Wir verhalten uns nach den Regeln des vorsichtigen Kaufmanns. Jetzt können wir noch selbst gegensteuern." Deshalb gilt ab 2018 ein Sparprogramm. "Uns war wichtig, dass alle Abteilungen ihren Solidarbeitrag leisten", so Kleist. Und deshalb sieht das Ganze ungefähr wie folgt aus: Das Pop-Festival Halberg-Open-Air für Schüler am Sommerferienanfang wird eingestellt, die Gala zur Wahl des Saarsportlers wie auch das Bitburger Badminton-Open werden vom SR Fernsehen nicht mehr aufgezeichnet. Bei der "Herzenssache" wird gekürzt, die SR-Reise-Formate "Reisen in ferne Welten" und "Meine Traumreise" entfallen. SR 1, SR 2 KulturRadio und SR 3 Saarlandwelle müssen mit geringeren Etats auskommen. Die Hörspiel-Abteilung kann nur noch vier statt sechs Stücke produzieren. Zudem soll auch die Deutsche Radiophilharmonie ab 2019 an Programm-Stellschrauben drehen. Das ist laut Kleist "ohne Kahlschlag" möglich. Das Orchester koste den Sender rund 9,4 Millionen Euro pro Jahr.


Gestern wurden die Mitarbeiter und der Verwaltungsrat informiert. Kleist spricht von einem "schwierigen Szenario". Warum opfert man ausgerechnet eine Traditions- und Sympathieträger-Veranstaltung wie das Halberg-Open-Air? Derartige Einschnitte haben hohen Symbolwert. Rund 350 000 Euro könnten dadurch gespart werden, sagt Kleist. "Die Entscheidung ist uns sehr, sehr schwer gefallen". Doch dies sei keineswegs "ein Abschied von jungem Publikum." Im Gegenteil: Der SR bewege sich mit neuen crossmedialen Angeboten wie dem "Visual Radio" auf diese Zielruppe zu.



Zum Thema:

36 Jahre Open Air Die ersten beiden Jahre fand das Schülerferienfestival noch auf dem Saarbrücker St. Johanner Markt statt. 1983 wurde es dann auf den Halberg verlegt. 1999 war ein Rekord-Jahr mit über 100 000 Besuchern. Damals lief das Open Air noch zwei Tage lang; 2006 kürzte man es auf nur noch einen Tag. In den 36 Jahren fanden etliche Top-Stars den Weg auf den Halberg, unter anderem: Die Ärzte, Die Toten Hosen, Pur, Modern Talking, DJ Bobo, DJ Ötzi, Scooter, Silbermond, Tokio Hotel, Sunrise Avenue, Max Giesinger oder Gentleman. In den vergangenen vier Jahren zog das Festival zwischen 10 000 und 12 000 Jugendliche an. .