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Zwei Drittel Glas, ein Drittel „Heimat“

Zwei Drittel Glas, ein Drittel „Heimat“

Der Heimatkundliche Verein Warndt, Träger des Glas- und Heimatmuseums Warndt, kämpft um Räume fürs Museum im Alten Bürgermeisteramt. Und darum, das Ludweiler Haus nicht nur dem Thema Glas zu widmen.

Burkhardt Valentin im Schaudepot des Ludweiler Glas- und Heimatmuseums. Dort, im Dachgeschoss, sind vor allem Stücke aus der Fenner Glashütte zu sehen. Foto: Becker & Bredel Foto: Becker & Bredel

"Glas- und Heimatmuseum": Karl-Werner Desgranges, Vorsitzender des Heimatkundlichen Vereins Warndt (HVW), und sein Stellvertreter Roland Isberner legen auf diesen Namen größten Wert. Gewiss, der Glas-Schwerpunkt sei wichtig, war doch Glasherstellung neben Kohleförderung und Eisen- und Stahl-Produktion der dritte große Industriezweig der Region. Doch das Museum in Ludweiler , dessen Träger der HVW ist, solle nicht nur Glasmuseum sein. Mit Glas allein sei der Aspekt "Heimat " nicht abgedeckt, erklären die beiden energisch. Sie plädieren dafür, die Museums-Räume im Alten Bürgermeisteramt zu zwei Dritteln dem Glas zu widmen, zu einem Drittel aber dem Thema "Heimat ". Das sei auch die Beschlusslage im Verein.

"Heimat " möchten sie im Erdgeschoss präsentieren. In drei Räumen, in denen sich zurzeit Sammlungsstücke des HVW drängen: Glasmacherwerkzeug, Gerät aus der Geschichte der Eisenherstellung. Stücke zur Bergbaugeschichte, berichten die beiden, haben sie abgegeben an den Verein Erlebnisbergwerk Velsen ; denn diese voluminösen Dinge könne man in den kleinen Ludweiler Räumen nicht in Szene setzen. Auch das, was bleibt, lasse sich derzeit nicht zur Ausstellung umbauen: "Wir können nicht planen", klagt Desgranges. Der Stadtrat habe diese Räume ja 2011 reserviert für den Theaterverein Thalia, der nebenan sein Zimmertheater hat. Gegen diesen Beschluss kämpft der HVW seither. Er will erreichen, dass er selbst dauerhaft die Räume nutzen darf.

Schlage der Rat dem HVW die Räume zu, wolle man ein Schau-Konzept erarbeiten. Eine "plakative" Darstellung schwebt den beiden vor, Überblick über Gruben, Eisen- und Glashütten-Standorte etwa. Dabei wolle man sich professionellen Rat holen: "Ohne fachliche Begleitung machen wir gar nichts", sagt Desgranges. Habe man das Konzept, könne man kalkulieren, was die Verwirklichung koste. Und zur Finanzierung - "die Stadt Völklingen kann nicht viel geben", sagt Isberner realistisch - nach Zuschuss-Töpfen suchen.

Den Standort fürs Glas von Ludweiler woanders hin zu verlegen - das hatte der Förderverein Glaskultur jüngst ins Gespräch gebracht - , finden die beiden indiskutabel. Und der HVW halte vorerst auch an seiner Museums-Trägerschaft fest: "Wir zielen auf eine Übergangslösung", sagt Desgranges. Burkhardt Valentin ist im Ludweiler Glas- und Heimatmuseum Warndt ein Mann ohne formelle Funktion. Zwar ist er, gemeinsam mit seiner Frau, seit den Museums-Anfängen der ehrenamtliche "Kümmerer" und Macher, und nach wie vor ist er de facto Leiter der Gruppe von Ehrenamtlichen, die das Haus am Wochenende für Besucher offenhalten. Aber beim Museums-Träger, dem Heimatkundlichen Verein Warndt, ist Valentin nur einfaches Mitglied, er hat keine Vorstandsrolle. Dafür umso klarere Vorstellungen für die Zukunft des Museums: Für Valentin steht außer Zweifel, dass das Thema Glas im Mittelpunkt stehen muss.

Das Ludweiler Museum habe sich seit 2007 einen festen Platz in der regionalen Museumslandschaft erobert; man erhalte Anerkennung, die Besucher seien interessiert und beeindruckt. Doch seit 2013 seien die Besucherzahlen kontinuierlich zurückgegangen. Warum? "Weil wir nichts Neues bieten"; die Schau "Glas auf den Tisch" und das Schaudepot unterm Dach seien seit der Eröffnung nahezu unverändert. Um Gäste ein zweites Mal anzulocken, brauche man einen breiteren Blick aufs Thema. Doch dafür fehle es schlicht an Raum, ebenso für Sonderausstellungen. Mit Glas, betont er. Das sei regionales Produkt, darin sei der "Heimat "-Aspekt enthalten. Und "Glas auf den Tisch", wo gläserne Exponate im originalen Verwendungszusammenhang gezeigt werden, verknüpfe ja ohnehin das Glas-Thema mit der Heimatkunde. Das Ludweiler Haus sei das "erste und einzige Glasmuseum im Saarland", sagt Valentin. Diesen Status, diesen Vorsprung gelte es auszubauen.

Die Erinnerung an regionale Glasindustrie und Glaskunst zu bewahren, ist auch das Ziel des Fördervereins Glaskultur, den Valentin mitgegründet hat und dem er vorsitzt. Seinen Alarmruf, die Zukunft des Ludweiler Museums sei gefährdet, hat Valentin im Namen des Fördervereins verfasst. Zentraler Punkt darin: Valentin hält es auf lange Sicht für problematisch, ein Museum wie in Ludweiler ehrenamtlich zu führen. Man müsse so etwas "personalisieren" - so, wie es in Ludweiler bis Ende 2014 dank der Bürgerarbeit geschah. Doch dann fiel die einzige hauptamtliche Stelle weg. Und die Ehrenamtler, sagt Valentin, seien ein nur kleines und nicht eben junges Team.