Netzwerk soll den Helfern helfen

60 Menschen kümmern sich derzeit in Völklingen ehrenamtlich um Flüchtlinge. Ihr Einsatz als Pate, als Deutschlehrer, als Übersetzer ist nicht immer einfach – Kurse sollen ihnen helfen, damit umzugehen.

"Ich lerne mehr von euch als ihr von mir", ruft Rentner Bernd Eckert den Teilnehmern seines Deutschkurses zu. "Danke", rufen einige der syrischen Flüchtlinge lachend zurück - man versteht spontan, warum sich Bürger ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzen.

Andererseits kann eine solche Arbeit auch überfordern. Unvermittelt zeigt einer der syrischen Flüchtlinge den Leitern und Teilnehmern des Deutschkurses in der Völklinger Arbeiterwohlfahrt (Awo) ein Foto auf seinem Smartphone. Das Bild, sagt er, zeige das Haus seiner Familie in Trümmern. Völklingens Integrationsbeauftragte Gülsah Bora schlägt sich schockiert die Hand vor den Mund. Die gebürtige Syrerin Nesrin Sino, die gemeinsam mit Eckert den Kurs leitet, bricht in Tränen aus. Auch andere Frauen weinen.

Die vorwiegend syrischen Kursteilnehmer waren in ihrer Heimat Maurer, Lehrer, Beamte. Der Krieg hat sie aus ihrer Normalität gerissen. Einmal sei sie mit einem Flüchtling zum Arzt gegangen, erzählt die ehrenamtliche Deutschlehrerin Joanna Rooney. Dabei seien Bombensplitter in seinem Körper entdeckt worden. Andererseits hätten Flüchtlinge sie auch schon oft zum Essen nach Hause eingeladen. Das sei für sie ein "Zeichen der Dankbarkeit", sagt die in Polen geborene Frau, Friseurin von Beruf. "Danke", sagen die Deutsch lernenden Syrer oft an diesem Tag. Etwa, als der Völklinger Versicherungsmakler Klaus-Peter Oberbillig, zu Besuch im Deutschkurs, berichtet, dass er für die beiden Kurse bei der Awo die Unterlagen gespendet habe.

Regelmäßig macht Gülsah Bora die Runde, um ein Bild zu gewinnen von der Arbeit der derzeit rund 60 ehrenamtlichen Helfer. Sie vermittelt sie an Hilfsorganisationen wie Caritas und Diakonisches Werk, und die bringen sie in Kontakt mit den Flüchtlingen. Bei weitem nicht alle Helfer unterrichten. Die meisten sind als Familienpaten aktiv, begleiten Flüchtlinge zum Arzt oder zu Ämtern. Andere organisieren Spenden oder helfen bei Übersetzungen. Mancher Rentner hat so einen unbezahlten Vollzeit-Job. Andere Helfer knapsen sich ein paar Stunden pro Woche ab. Einmalig bekommt die Stadt Völklingen in diesem Jahr 5800 Euro vom Regionalverband, um ein Flüchtlingsnetzwerk ins Leben zu rufen. "Wir werden das Geld unter anderem für Helfer-Kurse in Fremdsprachen und interkultureller Kompetenz nutzen", sagt Bora.

Auch Michael Gerhard findet solche Schulungen wichtig. Neben seiner Arbeit als Vorsitzender des 1. Frauen-Fußballclubs (FFC) Völklingen 09 engagiert er sich seit Jahren für Integration. Neulich hat er Trikots entworfen mit der Aufschrift "Nationalität Mensch". "Man muss lernen, wie man den Ängsten der Flüchtlinge begegnet, wie man bei Konflikten vermittelt", erklärt Gerhard beim Besuch in der Redaktion. Er will ab kommender Woche für Flüchtlinge einen wöchentlichen Sportabend in der Bergschule anbieten. Vom neuen Flüchtlingsnetzwerk erhofft er sich, dass sich die Akteure künftig besser austauschen, etwa über einen gemeinsamen Mailverteiler.

Bora, die selbst türkische Wurzeln hat, nimmt solche Hinweise dankend an. Schon jetzt hat sie viele Ideen für 2016: Alphabetisierungskurse oder Mutter-Kinder-Kurse für die Flüchtlinge , später eventuell Kooperationen mit Firmen und Berufsbildungszentren . Nun müsse sie aber weiter, sagt sie vor dem Awo-Treff. "Teilzeit arbeite ich nämlich nur auf dem Papier", erklärt sie lachend.

Informationen zum Helfernetzwerk und zu Spenden-Möglichkeiten gibt Gülsah Bora unter Tel. (0 68 98) 13-24 42, E-Mail bora@voelklingen.de.

Zum Thema:

Auf einen BlickRund 300 Flüchtlinge leben derzeit in Völklingen . Hinzu kommen bis zu 50 Asylbewerber, die nicht von der Stadt betreut werden. Um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - rund 60 leben in zwei Völklinger Clearinghäusern - kümmern sich ebenfalls andere Institutionen. red