Schnupperkurs in Weihnachtskultur

Teig ausrollen, Formen ausstechen, rauf aufs Blech und dann rein in den Ofen: Für viele junge Flüchtlinge und auch Kinder aus Zuwandererfamilien ist diese weihnachtliche Tradition eine ganz neue Erfahrung.

"Nicht so dick", "Nicht so viel", "So ist's gut." Irina Koch gibt Tipps beim Ausrollen des Plätzchenteiges. Die angehende Realschullehrerin unterrichtet auf Honorarbasis junge Flüchtlinge . Heutiges Thema: deutsche Weihnachtskultur. Zur Weihnachtsfeier in den Räumen des Diakonischen Werkes (DW) in der Völklinger Poststraße sind neun junge Flüchtlinge gekommen, dazu noch ein gutes Dutzend junge Menschen, die teils hier geboren sind oder zumindest schon länger in Deutschland leben. An diesem Freitagnachmittag gibt es ein buntes Sprachengewirr aus Deutsch, Arabisch und Englisch.

Eigens für die Weihnachtsfeier hat das DW ein Unterrichtszimmer umgebaut: Die Tische sind in der Mitte zu einer langen Tafel zusammengeschoben, aus den Boxen eines Computers dudelt Weihnachtsmusik, über dem Bildschirm flackert ein Kaminfeuer.

"Am 24. Dezember wurde Jesus geboren", erklärt Dilan Ari, als Irina Koch sie zum Sinn des Weihnachtsfestes befragt. Die in München geborene Kurdin Ari lebt seit sechs Jahren in Völklingen . "Plätzchenbacken gefällt mir", sagt sie. "So etwas habe auch ich noch nie gemacht." Gemeinsam mit anderen jungen Migranten besucht sie das Projekt "Training Schlüssel- und Sozialkompetenz" des Jugendmigrationsdiestes (JMD) des DW, das die Kinder von Migranten fit machen soll für den Arbeitsmarkt.

Die jungen Menschen rollen, kneten und stechen fleißig weißen und braunen Teig . "Ich mache das zum ersten Mal", sagt auch Hajar aus Syrien, als er ein sichelförmige Plätzchen modelliert. "Weihnachten ist ein schönes Fest", sagt der Muslim in gebrochenem Deutsch. "Bei uns gibt es keine besonderen Feiern im Dezember", erzählt Fadumo, ebenfalls muslimischen Glaubens. Der jungen Syrerin gefällt etwas typisch Deutsches an Weihnachten: "Ich liebe vor allem Kartoffelsalat", sagt sie lachend und lädt sich noch eine Portion auf den Teller. "Mir gefällt es, mit allen hier zusammenzuarbeiten", sagt Mazen aus Syrien in nahezu akzentfreien Deutsch. Der 18-jährige Flüchtling sieht das Backen als Übung. Schließlich möchte er in Völklingen Koch werden und sucht bald eine Lehrstelle. Seine Chancen stehen nicht schlecht. Er ist, wie die anderen acht Flüchtlinge auch, anerkannt. JMD-Chefin Tatjana Brauer und Mitarbeiterin Lydia Reuther zeigen sich mit dem Nachmittag zufrieden: "Die Jugendlichen fühlen sich bei uns gut aufgehoben", so ihr gemeinsames Fazit.

Was denken und fühlen die jungen Flüchtlinge in Völklingen ? Antworten gibt die Ausstellung "Ich erzähle euch meine Geschichte", die am Freitag, 15. Januar, um 14 Uhr im Völklinger Stadtteiltreff, Bismarckstraße 20, eröffnet wird. Acht junge Menschen, vorwiegend aus Syrien, stellen dort selbstgemalte Bilder aus. Zu sehen sind Motive aus der Heimat zu Krieg, Flucht und was die Flüchtlinge noch bewegt. > Weiterer Bericht folgt.