Geislauterner Geschäftsfrau gibt auf

Geislauterner Geschäftsfrau gibt auf

13 Jahre lang führte Kerstin Bickar die Zeitschriften- und Buchhandlung ihrer Mutter weiter. Aber der Laden entwickelte sich immer mehr zu einem Verlustgeschäft. Nun steht die 48-Jährige vor einem Neuanfang.

Wer auf die Fünfzig zugeht und gezwungen ist, die langjährige berufliche Selbstständigkeit aufzugeben, könnte in eine persönliche Krise geraten. Kerstin Bickar aus Geislautern erlebt zur Zeit genau diese Situation: Die 48-Jährige wird Ende dieses Monats ihre Zeitschriften- und Buchhandlung in der Ludweiler Straße 184 schließen. Doch von Krise ist bei ihr nichts zu spüren. Denn diese Frau hat so viel Lebensschwung und so viel Energie für einen Neuanfang, dass für Resignation kein Platz ist.

"Natürlich hätte ich das Geschäft gerne weitergeführt", sagt sie, "aber wirtschaftliche Gründe zwingen mich zur Aufgabe. Das tut mir besonders für meinen Heimatort leid, denn Geislautern braucht so einen Treffpunkt wie diesen Laden." Ihr Mann hat eine sichere Arbeitsstelle, die beiden Kinder sind erwachsen, das Haus ist Eigentum, die oberen Stockwerke sind vermietet. Es ging ihr nie um Gewinn, sagt sie. Aber ein Zuschussbetrieb - das geht natürlich auch nicht.

Als Industriekauffrau hat sie bis 1996 im Bereich kaufmännisches Rechnungswesen bei Saarstahl gearbeitet, bis sie vor 13 Jahren das Geschäft von ihrer Mutter übernahm, das diese 18 Jahre lang geführt hatte. "Eigentlich wollte ich ja noch Geographie studieren", sagt sie lachend, "weil mich seit der Schulzeit die große weite Welt interessierte. Aber das hat sich geändert."

Urlaubsziele in großer Ferne - nein, diese Sehnsucht fühlt sie nicht mehr, denn allzu weit will sie sich nicht mehr von "ihrem" Geislautern entfernen. "Für Außenstehende mag das seltsam klingen, aber ich bin nun mal mit Leib und Seele Geislauternerin und habe meinen Laden immer als Engagement für den Ort empfunden."

Und viele im Dorf hatten das Angebot gerne angenommen. Lotto, Zeitschriften, Schreibwaren, Zigaretten, Bücher, Fahrkarten, Geschenkartikel - es gab immer einen Grund, "bei Kerstin" reinzuschauen, und sei es auch nur für eine Tasse Kaffee und eine Plauderei.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Kerstin Bickar kennt die Gründe: "Die jungen Leute kaufen bei Amazon , die mittlere Generation bekommt ihre Zeitschriften beim nächsten Discounter und Supermarkt, und die alten Menschen leben, wenn sie überhaupt noch leben, meistens nicht mehr wie früher im Dorf innerhalb ihrer Familien, sondern im Altenheim oder weit weg bei ihren Kindern. Manche allerdings kommen weiter jeden Tag herein."

13 Jahre, das ist ein großes Stück Lebenszeit, und Kerstin Bickar hat keinen Tag dieser Zeit bereut, in der sie meistens von sieben bis 18 Uhr in ihrem Laden stand. "Meine Eltern haben mir ja oft geholfen, und mein Mann auch, der jetzt sagt, für ihn gingen 13 Jahre Freiwilliges Soziales Jahr zu Ende." Am 31. Dezember wird sie zum letzten Mal das Geschäft öffnen. "Aber wahrscheinlich nicht zum allerletzten Mal", betont sie, "denn wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf." Das meint sie wörtlich. "Irgendetwas werde ich hier für mein Dorf machen, einen Treffpunkt organisieren, einen Mittelpunkt für alle, eine Wärmestube mit realer und sozialer Wärme. In Gedanken bin ich schon über die Schließung hinaus."