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Aktion
Lautes Geklapper statt Glockenklang

Bester Laune: Zwölf Messdiener aus den Gemeindeteilen St. Michael und Fürstenhausen der Pfarreiengemeinschaft Völklingen St. Eligius machten sich am Karfreitagmorgen auf zur traditionellen Klepperrunde. Sie wurden in vier Gruppen aufgeteilt.
Bester Laune: Zwölf Messdiener aus den Gemeindeteilen St. Michael und Fürstenhausen der Pfarreiengemeinschaft Völklingen St. Eligius machten sich am Karfreitagmorgen auf zur traditionellen Klepperrunde. Sie wurden in vier Gruppen aufgeteilt. FOTO: Andreas Lang / Picasa
Völklingen. Kinder und Jugendliche halten mit viel Elan in Völklingen und im Warndt die Tradition des Klepperns lebendig. Von Andreas Lang

Weithin sind sie schon zu hören. Die Kinder und Jugendlichen, meist Messdiener, die ab Karfreitag mit den lauten Knarrenkasten aus Holz oder den auf einer Holzplatte hin und her schwingenden Holzhämmern unterwegs sind, um die schweigenden Kirchenglocken bis zum Osterfest in ihren Gemeinden zu vertreten.


Ein Dutzend von ihnen, darunter drei Messdiener aus Fürstenhausen, machen sich von der Pfarrkirche St. Michael aus auf, um die Tradition des Klepperns am Leben zu erhalten.  Margit Friedrich, die die Klepperaktion und Sternsingeraktion in St. Michael koordiniert, teilt in vier Gruppen ein, eine Gruppe begleitet sie selbst.

Die Fürstenhausener Fraktion macht sich auf, zurück auf die andere Saarseite, eine Gruppe übernimmt das Gemeindegebiet unterhalb des Bürgerparks und die Friedrichgruppe, das sind Dominik, Mathias und Tobias, klappern das Rotenbergviertel ab.

Helmut Deck und Evelyn Thoelke sind unter den ersten, die die Türe öffnen. „Wir sind die Messdiener von St. Michael und bitten um eine Spende für den Gemeindedienst über das Jahr“, begrüßt Friedrich jeweils. Die Besuchten geben Süßigkeiten, Euro und selten auch noch bunt bemalte Ostereier. „Klar seid ihr willkommen, wir waren ja alle mal Messdiener“, freut sich Thoelke. „Das ist ein schöner Brauch, den man unbedingt beibehalten muss“, meint Deck.

Der Brauch besagt Folgendes: Die Glocken schweigen zum Ende des Kirchenjahres. Nach dem Credo am Gründonnerstag ist von ihnen kein Ton mehr zu hören. Kein Läuten zu den Gebetszeiten an den Kartagen, morgens, mittags und abends. Kein Geläut vor den Gottesdiensten und noch nicht ein Glockenklang während der Messen.



Also sind Kinder und Jugendliche gefragt, die in dieser Zeit mit lauten Knarren und anderen hölzernen Lärmgeräten durch die Straßen ihrer Gemeinden ziehen, um die Glocken zu ersetzen. In St. Michael ist das Kleppen mehr als symbolischer Akt zu sehen, weil es weder  die Bet- noch die Eucharistie-Glocke ersetzt. Sonst hätten die jungen Leute ja mehrfach ausrücken müssen. Jeweils um sechs Uhr morgens und abends, dazu noch zum Mittag an den beiden Kartagen. In anderen Gemeinden, auch in Völklingen und im Warndt, ist das noch gang und gäbe. Was in St. Michael in den Spendenbüchsen landet, fließt in die Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde.

Auch Gerd-Michael Brademann öffnet. Scheinbar grimmig poltert er: „Was macht ihr denn für ein Palaver, könnt ihr die Leute noch nicht einmal am Feiertag ausschlafen lassen?“ Sein Lachen entlarvt sein Schauspiel. Klar, denn auch Brademann war früher Messdiener und auch immer dabei, wenn es um den Häusersegen der Sternsinger oder ums Kleppern ging. „Bis Anfang der 1980er Jahre war das“, erinnert er sich: „Damals waren wir noch mehr als 50 Messdiener, dementsprechend war was los.“

Damals seien die Ministranten aber weniger am Karfreitag unterwegs gewesen, sondern „mehr am Gründonnerstag und am Karsamstag“. Vor Jahrzehnten hätten sich auch die Spenden anders zusammengesetzt. Klar, statt Euro gab es damals D-Mark: „Und unvorstellbar viele Ostereier, wir sind damals schon mit Bollerwagen oder ,Wäschbitte‘ losgezogen, um alle einsammeln zu können.“ Deshalb bezeichnet er die Aktion noch als „Ostereierkleppern“.

Ähnlich wie bei der Sternsingeraktion vor wenigen Wochen war auch in Geislautern ein ansehnliches Grüppchen zum Kleppern unterwegs. Koodinator Ralf Gryzbeck: „Wir haben inzwischen einen zuverlässigen Stamm, der bei diesen Aktionen mit viel Freude unterwegs ist.“ Gekleppert wurde außerdem in weiteren Gemeinden der Seelsorgegemeinschaft St. Eligius, St. Konrad  Röchlinghöhe und St. Paulus Heidstock, Christkönig Luisenthal und Schmerzhafte Mutter  Fürstenhausen. Das war auch in den Völklinger Stadtteilen Ludweiler und Lauterbach der Fall. Ebenso wie in den Warndtgemeinden in Großrosseln, Emmersweiler, Naßweiler, Dorf im Warndt und Karlsbrunn.

In der Osternacht endet dann das Schweigen der Glocken, die dann lautstark die Auferstehung des Heilands feiern und das neue Kirchenjahr begrüßen.

Dominik Demmer, Mathias Meeth, Betreuerin Margit Friedrich und Tobias Meeth  (von links) in Aktion im Rotenbergviertel.
Dominik Demmer, Mathias Meeth, Betreuerin Margit Friedrich und Tobias Meeth  (von links) in Aktion im Rotenbergviertel. FOTO: Andreas Lang / Picasa