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Kolumne
Lavieren, Vertagen, Vertrösten, Aussitzen

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Rührig kümmern sich viele Ehrenamtler in Velsen um das Bergbau-Erbe. Dabei sind sie sehr erfolgreich. Von der Politik gab es dafür aber kaum Resonanz. Jetzt ist Hoffnung aufgekeimt, dass sich daran bald etwas ändern könnte. Von Doris Döpke

Schutzhelm auf und rein: So haben es ehemalige Hüttenarbeiter Ende der 1980er Jahre gemacht, nachdem das Völklinger Eisenwerk stillgelegt worden war. Lange bevor es offizielle Strukturen  gab, konnten Besucher, dank der Initiative Völklinger Hütte, den grandiosen Industrieriesen besichtigen. Die Ehrenamtlichen steckten jede Menge Zeit und Arbeit in ihr Projekt, und sie riskierten dabei was. Aus  Zuneigung zu dem  Werk, das ihr eigenes (Arbeits-) Leben ebenso geprägt hatte wie das Gesicht und die Geschichte der Region. Und aus Wut darüber, dass dieser besondere Ort plötzlich nichts mehr wert sein sollte. Sogar über Abriss wurde nachgedacht. Den verhinderte dann das Missverhältnis zwischen Abbruchkosten und damaligen Schrottpreisen, das Eisenwerk blieb stehen – vorläufig zunächst, Zeitgewinn. Seit 1994 ist es Weltkulturerbe. Und heute die Touristenattraktion schlechthin fürs Saarland.


Mit ähnlicher zorniger Courage wie die Hütten-Initiative sind  ehemalige Bergleute an der alten Grube  Velsen zu Werke gegangen: Schutzhelm auf und rein! Und die Besucherzahlen sprechen eine klare Sprache, das Velsener Erlebnisbergwerk ist eine Erfolgsgeschichte. Von der Politik aber bekommen die Ehrenamtler kaum Resonanz. Was soll nach dem Ende des Kohleabbaus geschehen mit den einstigen Bergbau-Betriebsstätten und -Bauten? Auf diese  Frage hat die Landesregierung bisher keine konkrete Antwort gegeben. Seit 2012 die letzte saarländische Grube dicht gemacht hat, sind Lavieren, Vertagen, Vertrösten, Aussitzen angesagt.

Der politische Umgang mit dem Bergbau-Erbe ist kein Ruhmesblatt. Sagen wir es deutlicher: Er ist jämmerlich. Denn er missachtet nicht allein die Orte des Bergbaus, die bis heute die Landschaft bestimmen. Sondern auch und vor allem die Menschen, die mit dem Bergbau verbunden waren und sind.

Ob sich nun, da innerhalb der Landesregierung die Zuständigkeit für Industriekultur gewechselt hat, etwas daran ändert? In dieser Woche keimte Hoffnung auf. Im Hintergrund, so war aus mehreren Quellen zu hören, werde intensiv gearbeitet an Zukunfts-Konzepten; in ein paar Monaten seien die öffentlichkeitsreif. In der Tat, die Landesregierung muss jetzt liefern. Hoffen wir mal, dass sie im Sommer endlich Handfestes auf den Tisch legt.

Und hoffen wir, dass die Geduld der  Velsener Ehrenamtler noch bis dahin reicht. Schutzhelm auf und rein! – das Hütten-Beispiel macht Mut.