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Andersgläubige willkommen heißen

Andersgläubige willkommen heißen

Zur Überwindung von Glaubensgrenzen gibt es seit 1997 in Brefeld den Tag der offenen Moschee. Auch dieses Mal kam es wieder zu interessanten Begegnungen im Sulzbacher Stadtteil.

Sahin Halici tritt ganz nah an die Tür des Gebetsraumes der Brefelder Moschee heran. Er zieht den linken Schuh aus und setzt seinen Fuß direkt in das Andachtszimmer, dann zieht er den rechten Schuh aus und tritt nun auch mit dem anderen Fuß in den mit Teppichen ausgelegten Gebetsraum. "Das ist, damit kein Dreck in das Gebetszimmer getragen wird", erklärt er einigen Gästen, "deshalb soll der Boden vor dem Gebetsraum nicht mit den Füßen berührt werden. Einige Besucher wissen das nicht und machen es falsch."

Schließlich waren viele der Gäste am vorigen Freitag noch nie zuvor in einem islamischen Gebetshaus, nutzten nun den Tag der offenen Moschee , um sich über den Islam und dessen Gebräuche zu informieren.

"Ich habe durch Zufall von diesem Tag erfahren und wollte mir das dann mal ansehen", erzählte Besucherin Jutta Schulz, "mich hat das schon länger interessiert, aber man hat ja nicht immer so die Gelegenheit, sich das anzusehen. Jetzt kann ich auch mal ein paar Sachen nachfragen." Der Tag der offenen Moschee findet seit 1997 jährlich am 3. Oktober statt. Für Fragen stand Ismail Güler im Gebetsraum bereit und zeigte zahlreichen interessierten Besuchern die Moschee. "Dadurch können viele Missverständnisse zwischen unseren Kulturen beseitigt werden", sagte Güler.

Selbst beim Freitagsgebet konnten die Gäste zusehen. Dafür standen auch extra Stühle und Bänke im Gebetsraum bereit. Zudem wurde die Predigt von Imam Kani Öcsoy für die vielen Besucher auf Deutsch übersetzt. "Ich hoffe, dass es bald auch Imame aus Deutschland gibt, die dann in beiden Sprachen predigen können", sagte Güler. Das Wichtigste sei aber, dass die Imame an einem anerkannten islamisch-theologischen Institut ausgebildet werden. "Nur dann kann er uns das Richtige lehren", so Güler, "und nur so kann Fanatismus verhindert werden." Deshalb habe sich die türkisch-islamische Gemeinde in Brefeld auch dem Dachverband DITIB angeschlossen, der ihnen gut ausgebildete Geistliche vermitteln kann. "Der Imam ist das Einzige, was wir vom Dachverband bekommen", sagte Güler, "ansonsten wird alles über Spenden von unseren Mitgliedern finanziert. Finanzielle Unterstützung aus dem Ausland möchten wir nicht." Bis zu 1000 Muslime gehören der türkisch-islamischen Gemeinde in Brefeld laut Güler an. Viele Mitglieder sind am vorigen Freitag in die Moschee gekommen, haben gebetet und mit den zahlreichen anderen Besuchern Tee getrunken und gegessen. Güler: "Wir sind hier eine große Gemeinschaft, auch zu den Nachbarn haben wir eine sehr gute Beziehung, wir treffen uns regelmäßig."