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1. FC Saarbrücken: Bestatter Rettenberger aus Sulzbach bietet FCS-Urnen

Fan-Treue bis in die Ewigkeit : Sulzbacher Bestatter bietet Fan-Bestattungen in FCS-Urnen

Fußball-Liebe überdauert den Tod. Das weiß Bestatter Stefan Rettenberger aus Sulzbach genau. Daher hat für Fans des 1. FC Saarbrücken ein Angebot.

Auf einem großen Tisch stehen zwei Urnen, die auf den ersten Blick wie Trophäen aussehen. Eine ist ein mit Schlägel und Eisen versehen, daran ist zu erkennen, dass sich ein Bergmann diese Urne als letzte Ruhestätte ausgesucht hat. Daneben steht eine mit dem Wappen des 1. FC Saarbrücken. „Die ist für einen verstorbenen Fan des FCS. Ich bin selbst seit vielen Jahren Fan der Saarbrücker und weiß, was das Wappen auf der Urne für den Verstorbenen für eine große Bedeutung hat. Wir haben die exklusiven Rechte dafür, um dieses Wappen zu verwenden“, sagt Stefan Rettenberger.

„Wir nehmen uns Zeit für trauernde Menschen“

Der 53-Jährige hat im Dezember 2021 mit seiner Geschäftspartnerin Laura Krämer ein Bestattungsfachbetrieb in Sulzbach eröffnet. Wie die beiden sagen, ist es der einzige Fachbetrieb dieser Art in Sulzbach. „Wir nehmen uns Zeit für die trauernden Menschen. Ein Trauergespräch kann schon mal drei Stunden dauern. Was man dafür an Dankbarkeit zurückbekommt, ist echt toll“, sagt Stefan Rettenberger.

 Stefan Rettenberger: Gärtner und Bestatter in Sulzbach.
Stefan Rettenberger: Gärtner und Bestatter in Sulzbach. Foto: Heiko Lehmann

Für die meisten Sulzbacher ist der geborene Saarbrücker der Landschaftsgärtner der Stadt. Wenn es um Blumen und Pflanzen geht, ist das Fachgeschäft am Kreisverkehr Richtung Sulzbach und Hühnerfeld seit Jahrzehnten eine angesagte Adresse. Opa Karl Rettenberger hat das Unternehmen mit Gärtnerei und großem Gewächshaus 1960 gegründet und Vater Otto Rettenberger hat es in den 1980er Jahren übernommen. Seit dem Jahr 1990 hilft der ausgebildete Gärtner Stefan Rettenberger im Betrieb mit und im Jahr 2001 hat er ihn in dritter Generation übernommen.

Idee kam auf dem Sportplatz

Im Jahr 2012 hat er zum ersten Mal einen beruflichen Fuß in die Tür eines Bestattungsunternehmens gestellt. „Ich dachte mir damals schon, dass das alleine mit der Gärtnerei irgendwann nicht mehr gut gehen wird. Damals haben die Baumärkte schon Blumen und andere Pflanzen ins Sortiment aufgenommen. Danach haben die Supermärkte das gleiche gemacht“, blickt der 53-Jährige zurück. Zunächst war er nur Teilhaber, aber durch einen Zufall kam es im Jahr 2021 zur Eröffnung des eigenen Betriebes. „Mein Sohn spielt beim SV Hasborn Fußball und ich war ein Spiel gucken. Zufälligerweise spielt der Freund von Laura Krämer auch in Hasborn. Als ich mit einem Freund über das Bestattungsunternehmen gesprochen habe, hat Laura mitgeredet und es war sofort klar, dass sie vom Fach ist. Und so kam eins zum anderen“, erzählt Stefan Rettenberger die Entstehungsgeschichte des Unternehmens „Bestattungen Rettenberger und Krämer“.

Laura Krämer ist staatlich geprüfte Bestattungsfachwirtin. Beide zusammen haben Kundschaft weit über Sulzbach hinaus. Es läuft so gut, dass sie womöglich noch eine Fachkraft einstellen müssen. „In meinem Beruf als Gärtner hatte ich von Grabpflege bis Sargdekorationen auch früher schon viel mit dem Tod zu tun. Mir ist die Umstellung überhaupt nicht schwer gefallen – im Gegenteil“, sagt er. Mit der Idee des zweiten Standbeines Bestattungen hat er quasi seinen eigenen beruflichen Existenz-Tod verhindern können.

Das Gewächshaus musste er aus Kostengründen aufgeben. Er macht es jetzt wie früher im kleineren Stil und verkauft Pflanzen wieder ganz vorne, an der Straße in seinem Blumenladen. „Ich habe vor einem Jahr Heizöl für 33 Cent Pro Liter bestellt. Heute kostet das Öl 1,67 Euro pro Liter. Ein Gewächshaus (2000 Quadratmeter) braucht zudem noch Nachtbeleuchtung, Kühlung und Ventiltoren. Das ist heute durch den Verkauf von Pflanzen unmöglich noch zu finanzieren. Wir bieten noch Vieles an, aber in kleinerem Stil. Ohne das Bestattungsunternehmen wäre der Ofen schon längst aus“, sagt Stefan Rettenberger.