1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Landeshauptstadt

Weniger Einbrüche, aber mehr Betrug und Enkeltrick im Saarland

Kriminalität : Weniger Einbrüche, aber mehr Betrug und Enkeltrick im Saarland

Die Corona-Pandemie verändert auch die Kriminalität. Im Saarland gab es in diesem Jahr weniger Einbrüche, weil die Menschen mehr zuhause waren. Bei anderen Delikten aber beobachtet die Polizei eine Zunahme der Fallzahlen.

Im Corona-Jahr 2020 hat die Polizei im Saarland bislang weniger Wohnungseinbrüche registriert. Es gebe zwar noch keine konkreten Fallzahlen, aber es zeichne sich für das laufende Jahr eine „leicht rückläufige Entwicklung“ ab, teilte das Landespolizeipräsidium des Saarlandes der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken mit. Es sei davon auszugehen, dass die angeordneten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie - wie der sogenannte Lockdown - Auswirkungen auf die Machenschaften der Einbrecher hätten.

Kontaktbeschränkungen und Homeoffice: Der vermehrte Aufenthalt im eigenen Haushalt habe möglicherweise die Tatengelegenheiten reduziert, sagte Sprecher Stephan Laßotta. Hinzu kämen die vorübergehend eingeführten Kontrollen an den deutschen Grenzen zu Nachbarländern: Sie hätten zur Folge gehabt, dass wohl weniger „reisende Täter“ aus dem Ausland im Saarland unterwegs waren. Vor allem für die Monate März, April und Mai sei ein „merklicher Fallzahlenrückgang“ bei Einbrüchen erkennbar, sagte er.

Seit Juni 2020 bewegten sich die Fallzahlen ungefähr wieder auf Vorjahresniveau. Erfahrungsgemäß stiegen die Fallzahlen im Herbst, also in der „dunklen Jahreszeit“, an. Da aber derzeit erneut ein Teil-Lockdown gelte, könne die Entwicklung im Deliktbereich derzeit nicht abgesehen werden. In 2019 standen saarlandweit insgesamt 1480 Wohnungseinbruchsdiebstähle in der Statistik.

Bei anderen Delikten dagegen sei eine Zunahme der Fallzahlen zu beobachten. Dazu gehörten die Verbreitung, der Erwerb, der Besitz und die Herstellung kinderpornografischer Schriften und Betrug: hier vor allem Subventionsbetrug, Leistungsbetrug, Provisionsbetrug und Betrug über rechtswidrig erlangte Zahlungsmittel. Aber auch Straftaten zum Nachteil älterer Menschen würden mehr werden, teilte das Landespolizeipräsidium mit.

Dazu gehörten zum Beispiel der sogenannte Enkeltrick oder „Schockanrufe“, bei denen ältere Menschen über das Telefon von Betrügern mit unwahren Geschichten zur Herausgabe von Geld oder Wertgegenständen veranlasst werden. Zudem komme es vor, dass sich Betrüger als vermeintliche Polizisten ausgeben, um an Geld zu kommen. Im Zuge der Pandemie sei davon auszugehen, dass Täter sich neue Wege einfallen ließen, um zu betrügen - wie beispielsweise über „falsche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes“.

Thema seien auch Schadsoftware, maliziöse Domains und Fake-Shops, die das Thema Coronavirus aufgriffen, sagte der Sprecher. Ebenso könnten bundesweit verschiedene Phishing-Kampagnen festgestellt werden, die das Ziel hätten, an digitale Identitäten oder Geld zu kommen. Unter anderem sei im Namen der Weltgesundheitsorganisation oder vermeintlich gemeinnütziger Organisationen per E-Mail zu Spenden aufgerufen worden.

Insgesamt rechneten die Ermittler in der Pandemie mit „einer Verlagerung von konventionellen Deliktsformen hin zum Tatmittel Internet“, sagte Laßotta. Zum Beispiel bei Rauschgiftkriminalität und Sexualdelikten. Tendenziell gebe es mehr Kinderpornografie. Aber auch andere Formen von digitalen Sexualdelikten wie das Versenden von belästigenden sogenannten Dickpics und „Romance Scam“ über gefälschte Profile in Singlebörsen gehörten dazu.

Durch soziale Distanz und die Empfehlung an die Bürger, zuhause zu bleiben, würden Internet und digitale Kommunikationsplattformen vor allem von Minderjährigen verstärkt genutzt. Das Risiko, Opfer von „Cybermobbing“ und „Cybergrooming“ zu werden, erhöhe sich bei Jugendlichen deutlich, hieß es.

Bei der Rauschgiftkriminalität zeichneten sich bislang für 2020 rückläufige Fallzahlen ab. In den letzten Jahren könne eine Zunahme der Nutzung des Darknets bei diesen Delikten beobachtet werden. „Eine Zunahme der Nutzung des Darknets aufgrund der Covid-19-Pandemie kann jedoch nicht verifiziert werden“, sagte der Sprecher.