„Das erste Jahr war hart“

Ihr Start in Saarbrücken war nicht einfach. Der Spanierin Martina Gil-Burgos fiel es zu Beginn nicht leicht, sich in Saarbrücken heimisch zu fühlen. Doch sie hat sich durchgebissen. Heute hat sie zwei Heimatländer und zwei Staatsangehörigkeiten.

"Deutschland ist das Land, in dem ich bis jetzt am längsten lebe", sagt die gebürtige Spanierin Martina Gil-Burgos (38), die vor 14 Jahren von Madrid nach Saarbrücken zog. "Ich arbeite hier, zahle meine Steuern und Rentenbeiträge, habe die Sprache gelernt und die Kultur angenommen. Die logische Konsequenz daraus war, mich einbürgern zu lassen", erklärt sie.

Seit wenigen Wochen hat sie, neben der spanischen, nun auch die deutsche Staatsangehörigkeit "Mein Mann und mein dreijähriger Sohn sind gebürtige Saarländer. Unser Leben spielt sich hier ab. Doch auch Spanien ist mir wichtig, weil dort meine Familie lebt. Die doppelte Staatsangehörigkeit unterstreicht mein Leben."

Heimat ist immer dort, wo "man seine Lieben um sich hat", sagt sie nachdenklich. "Dass es mir am Anfang so schwer fallen würde, mich hier heimisch zu fühlen, hat mich überrascht, denn eigentlich war ich es gewohnt, mir in der Fremde schnell eine neue Heimat aufzubauen." Denn als Kind und Jugendliche lebte sie die meiste Zeit im Ausland. "Mein Vater arbeitete bei einer Fluggesellschaft und wurde oft versetzt. 13 Jahre verbrachten wir in Afrika: Wir lebten im Kongo, in Mauretanien und in Nigeria. Danach wohnten wir drei Jahre in Costa Rica. In all der Zeit waren aber immer meine Eltern, meine Schwester und mein Bruder um mich, sodass ich mich nie fremd fühlte."

1992 kehrte sie erneut in ihr Geburtsland Spanien zurück und studierte Betriebswirtschaft in Madrid. "Während meines Studiums nahm ich 1995 an einem Studentenaustauschprogramm in den USA teil. "In Ocean City verliebte ich mich in einen Marpinger", sagt sie lachend. Vom Saarland hatte die Weltenbummlerin "bis dahin noch nie gehört".

Zunächst kehrte sie aber nach Madrid zurück, machte ihren Abschluss und nach Jahren der Fernbeziehung heirateten sie im April 1999 in Madrid. "Wir hatten überlegt, wer von uns beiden umzieht. Weil ich in meinem Leben so oft den Ort gewechselt habe, dachte ich, mir würde es leichter fallen als ihm, in der Fremde Wurzeln zu schlagen. Doch das erste Jahr war hart. Ich kannte außer der Familie meines Mannes fast niemanden, und mir fehlte meine Familie. Außerdem konnte ich kein Deutsch." Heute spricht sie neben Spanisch, Französisch und Englisch auch fließend Deutsch. "Sprachen lernt man am besten, wenn man sich unterhält. Mein Leben hat mich gelehrt, offen zu sein, auf Menschen zuzugehen. Ich hatte nie Scheu, dass ich mich falsch ausdrücke, sondern habe einfach drauflos geplappert." Heute hat Gil-Burgos "zwei Heimatländer".

Dass es Spanien seit der Euro-Krise immer schlechter geht, berührt sie tief. Hinter all den Schulden, den Sparmaßnahmen, die das Land beuteln, "stehen Menschenschicksale. Die hohe Arbeitslosigkeit der jungen Menschen dort ist furchtbar", sagt sie mit belegter Stimme. "Aber Spanien schafft es aus der Krise", sagt sie und nickt dabei energisch mit dem Kopf.

Ein wenig Spanien hat sich in ihren Alltag zurückgeholt: "Mit unserem dreijährigen Sohn spreche ich nur Spanisch. Mir ist wichtig, dass er meine Muttersprache kann. Schließlich wohnt ein Teil seiner Familie in Spanien. Er soll sich mit ihnen unterhalten können."