Was macht eigentlich Ingrid Peters : Der stille Star von der Saar

Die Sängerin Ingrid Peters wurde im Jahr 1976 über Nacht berühmt. Heute singt sie nur noch bei Auftritten, die ihr am Herzen liegen.

Die Musik wurde Ingrid Peters, der bekannten Saarbrücker Sängerin, schon in die Wiege gelegt. Denn bereits ihr Vater war Gitarrist im Tanzorchester des Saarländischen Rundfunks, und schon als Kind spielte sie Blockflöte. „Ich kann mich noch gut erinnern, ich war in einer musischen Schulklasse, wir hatten eine Stunde Musikunterricht zusätzlich. Und es war meine Lehrerin Käthe Prahl, die schon sehr früh in mir etwas gesehen haben muss“, erinnert sich die erfolgreiche Musikerin bei einem Gespräch in ihrem Zuhause auf dem Saarbrücker Rastpfuhl, wo bis heute ihr Lebensmittelpunkt ist. „Wenn mir jemand vermitteln konnte, was für ein Kick Musik bedeuten kann, dann sie“, erläutert die Sängerin. Trotzdem hat Ingrid Peters nie Musik studiert.

„Erstmal hieß es, lerne was Anständiges, und dann hatte ich selbst keine Vorstellung, was ich machen wollte“, sagt sie lachend. Daher studierte sie Grund- und Hauptschullehrerin, aber genau zu der Zeit fand sie dann doch zur Musik. „Eigentlich war es ein Zufall. In einer Kneipe in Malstatt war ein Musikwettbewerb, und der Wirt überzeugte mich, teilzunehmen. Dann habe ich einige Lieder von Joan Baez gesungen – und einen Plattenvertrag gewonnen“, erzählt sie lebhaft.

Überhaupt zeigt sich Ingrid Peters in dem Gespräch sehr sympathisch, temperamentvoll, aber auch sehr geerdet. Es wird viel gelacht. Und zwischendurch stimmt sie immer wieder mal einen ihrer Songs an, und zeigt, dass ihre Gesangsstimme nichts von ihrer Qualität eingebüßt hat. Den ersten Plattenvertrag ließ Ingrid Peters sausen, ebenfalls den zweiten. Erst der dritte Vertrag im Jahr 1976 wurde angenommen, mit dem Lied „Komm doch mal rüber“. „Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, was dann abgegangen ist“, sagt sie. Zuerst stürmte das Lied die Nummer 1 der Hitparaden, dann folgte Auftritt um Auftritt. „Da kam ich manchmal nachts um 3 Uhr nach Hause und saß morgens um 8 Uhr schon wieder in den Vorlesungen.“ Denn Ingrid Peters hat trotz des rasenden Erfolgs ihres Hits weiterstudiert, sogar das erste Examen abgelegt. „Zu der Zeit erhielt ich Wäschekörbe voll mit Autogrammanfragen. Das weiß ich noch so genau, denn es gab Filmaufnahmen davon“, berichtet sie und lacht. Bis 1987 folgte nun ein Album nach dem anderen, mit ihrem Lied „Afrika“ hatte sie 1983 wieder einen Nummer-1-Hit und beim Eurovision Song Contest 1986 belegte sie mit dem Titel „Über die Brücke geh’n“ den achten Platz. Dann aber kündigte sie ihren Vertrag, mittlerweile mit Ralph Siegel, und nahm für mehrere Jahre kein Album mehr auf. „Ich fühlte mich wie eine Singmaschine. Es waren dann ja schon so viele Jahre, die ich ständig unterwegs war. Ich war nervös, hatte kaum Zeit für mein kleines Kind. Da ging nichts mehr“, erklärt sie. Denn die Jahre davor stand sie nicht nur regelmäßig im Studio, sie hatte bis zu 280 Auftritte im Jahr. „Vom Kuhkaff bis zur großen Stadthalle – damals haben alle Galashows veranstaltet. Man stand mit großer Band live auf der Bühne, musste immer alles geben. Das wurde zu einer richtigen Tretmühle“, erzählt die Sängerin weiter. Daher entschied sie sich aktiv dazu, weniger Auftritte anzunehmen, sich langsam rar zu machen.

Erst Jahre später und nach Gesprächen mit den Kollegen Pe Werner und Rainhard Fendrich, begann Ingrid Peters, eigene Lieder zu schreiben. „Die beiden haben mich sehr motiviert“, erinnert sie sich. So erscheint 1994 ihr erstes Album „Aufgewacht“ mit selbst geschriebenen Texten, an dem ihr sehr viel liegt. Noch vierzehn weitere Alben folgten seither, darunter allein sechs neue Studioalben mit selbstgeschriebenen Texten, und häufig stammt auch die Musik von ihr. Allerdings ist es heute schwieriger. Denn die Sängerin, die sich eher als Liedermacherin sieht, wurde sehr in die Schublade der Schlagersängerin gedrängt. „Man bekommt einen Stempel verpasst“, sagt sie heute. Daher machte sie neben ihrer eigenen Musik immer viele Shows, Galaprogramme, trat häufig im Fernsehen auf und war bei Kreuzfahrten der musikalische Höhepunkt.

Das alles ging bis zum Jahr 2016. „Da hatte ich das Gefühl, es ist genug. Ich bleibe bestimmt auf der Bühne, solange es geht, aber jetzt mache ich nur noch das, was mir Spaß macht“, erklärt sie. In ihrem neuen Programm singt sie dann ihre eigenen Lieder, auch Chansons. Aber dann bringt sie doch auch ihre früheren Hits und alte deutsche Schlager. „Die sind dann aber eher eine Persiflage, richtig albern. Aber das macht sehr viel Spaß“, erzählt sie und lacht.