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Die Kunst des Erinnerns

 Künstler und Schüler eröffneten am Sonntag die gemeinsame Ausstellung „Was hält uns zusammen? Was reißt uns auseinander?“ in der Riegelsberger Rathausgalerie. Foto: Becker & Bredel
Künstler und Schüler eröffneten am Sonntag die gemeinsame Ausstellung „Was hält uns zusammen? Was reißt uns auseinander?“ in der Riegelsberger Rathausgalerie. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
Riegelsberg. „Was hält uns zusammen? Was reißt uns auseinander?“ – diesen grundlegenden Fragen stellt sich eine Ausstellung in der Riegelsberger Rathausgalerie mit dem Blick des Künstlers. Am Sonntagabend war Eröffnung. Andreas Lang

Nicht nur das Schöne und Gute, auch Krieg und Vertreibung waren schon immer eine traurige, aber starke Inspiration für Künstler. Die Ausstellung "Was hält uns zusammen? Was reißt uns auseinander?" wurde zum Jahrestag des Kriegsendes und dem Ende des Nazi-Regimes durch das "Aktionsbündnis Stolpersteine Riegelsberg " in der Rathausgalerie eröffnet. Wie die Stolpersteine selbst (wir berichteten) soll auch die Ausstellung an die Opfer des Naziregimes erinnern. Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem künstlerischen Beirat der Gemeinde Riegelsberg und Schülern der Klassenstufe 7 der Leonardo-da-Vinci-Schule. Künstlerisch angeleitet wurden die Schüler von Christine Conrad und Sabine Späder.


Bei der Vernissage am Sonntagabend erinnerte Bürgermeister Klaus Häusle an die Stolpersteine mit den eingravierten Namen jüdischer Bürger, die ein Jahr zuvor in Riegelsberg gesetzt worden waren. Mit Steinen und Ausstellung gedenke man der Ermordeten und Vertriebenen, "aber auch der Geretteten".

Initiatorin des Kunstprojektes, so Pädagogin Späder, sei Künstlerin Ulla Roth gewesen. Von ihr ist auch das Gemälde, das den Schülern als Vorbild für eine eigene Plastik diente: Zwei kleine Türme aus flachen, aufeinander montierten Holzkisten stehen sich gegenüber. Sie könnten wie die Zähne eines Reißverschlusses ineinander greifen, doch der Abstand zwischen ihnen bleibt. Auf den Kisten stehen sich Begriffe gegenüber wie "Wertschätzung" und "Verachtung" oder "Menschlichkeit" und "Erniedrigung". Sabine Späder hob besonders das Engagement von Schülerin Lea Birkholz hervor.



Lehren für die Zukunft

In seiner Festrede würdigte Ruhestandspfarrer Volker Junge den langjährigen Einsatz von Christine Conrad und Sabine Späder: "Sie helfen mit, dass wir das unmenschliche und rassistische Verhalten in der Vergangenheit nicht vergessen und für die Zukunft daraus lernen.” Sein Dank ging auch an seine Lebenspartnerin: "Meine Frau, Monika Jungfleisch, hat die Schicksale der Riegelsberger Juden vor der eigenen Haustür aufgearbeitet." Aus der Zusammenarbeit mit der Gemeinschaftsschule - mit der es auch eine Putzaktion für die Stolpersteine gegeben hatte - habe Monika Jungfleisch die Idee entwickelt, dass sich die Schüler nach der Erforschung der Geschichte auch künstlerisch mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen könnten.

Monika Künzel stellte das Konzept der Ausstellung vor und erinnerte: "Im Nazi-Regime wurden auch viele Künstler verfolgt." Weitere Programmpunkte zur Eröffnung steuerten Schüler bei: Trompeter Gregor Zeyer musizierte mit Musiklehrer Bruno Rabung am Flügel. Marlena Ruth trug das Gedicht "Soldatenlied" vor.

Die Ausstellung läuft bis Freitag, 27. Mai. Öffnungszeiten der Rathausgalerie: Montag, Mittwoch, Donnerstag von 7 bis 15.30 Uhr, Dienstag von 7 bis 18 Uhr und Freitag von 7 bis 12 Uhr, sowie nach Vereinbarung mit Annerose Nill, Tel. (0 68 06) 93 01 62, E-Mail: kultur@riegelsberg.de.