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Der Name bleibt, auch wenn Grabstein verschwindet

Der Name bleibt, auch wenn Grabstein verschwindet

Irgendwann ist es auf fast jedem Friedhof soweit: die „Ruhefrist“ ist abgelaufen, das Grab wird eingeebnet und mit dem Grabstein verschwindet auch der Name des Verstorbenen. In Walpershofen werden die Namen nun auf eine Sandsteinstele übertragen.

Auf dem Friedhof neben der katholischen Kirche in Walpershofen steht eine Sandsteinstele mit vier eingemeißelten Namen. Es sind die Namen verstorbener Walpershofer Bürger, ihre Gräber waren nach Ablauf der gesetzlichen Fristen eingeebnet, die Grabsteine entfernt worden. Damit verschwindet in der Regel auch der Name vom Friedhof, doch nicht mehr in Walpershofen. Dort werden die Namen der Verstorbenen aus den eingeebneten Gräbern auf die Stele gesetzt, die vorigen Samstag ihrer Bestimmung übergeben wurde. "So bleibt die Erinnerung erhalten", sagt Andreas Klein vom Kirchenbauverein Walpershofen.

Die Gemeinde musste nur eine kleine Randfläche am Friedhof zur Verfügung stellen, den Rest machten die Steinmetze Uwe Haßdenteufel und Willi Kasakow aus Püttlingen. Ein großer Steinlieferant stellte die Stele kostenlos zur Verfügung, der Künstler Timothy C. Vincent hatte die Idee: "Ich will nicht, dass diese Menschen vergessen werden, nur weil ihr Grab erlischt", sagt er.

Sieben Stelen hat er im Bundesgebiet schon aufgestellt, er tue das aus Idealismus. Im Ruhrgebiet, wo er herkomme, seien sechs Friedhöfe mit Stelen bestückt.

In Püttlingen, wo Haßdenteufel und Kasakow ihre Firma haben, sei das Projekt von der Kommune abgelehnt worden. "Obwohl es die Stadt Püttlingen nichts gekostet hätte", sagt Vincent. "Irgendwie haben die dem Projekt nicht geglaubt. Aber es ist ein gemeinnütziges Projekt der Steinmetze und kein Goldener Esel für die Betriebe, die die Stele später pflegen und die Namensinschriften herstellen." Die Handwerker pflegen die Stelen aus eigenem Engagement, denn wenn sie die Grabsteine entfernen, können die Namen wenigstens auf dem Friedhof bleiben.

Die ersten vier Namen sind bereits an der Walpershofer Stele angebracht, die Aktiven des Kirchenbauvereins sind begeistert von der Idee.

Zum Thema:

HintergrundBestattungen und Bestattungsrituale gehören seit tausenden von Jahren zur Geschichte des Homo Sapiens. Die frühesten Spuren bewusster Bestattungen wurden im heutigen Israel entdeckt, in den Höhlen von Skafzeh (oder Qafzeh) am nördlichen Stadtrand von Nazareth und in den Höhlen von Skhul südlich von Haifa. Diese Gräber sind wissenschaftlicher Untersuchungen zufolge 90 000 bis 120 000 Jahre alt. Auch der Neanderthaler hat vor etwa 70 000 Jahren seine Angehörigen manchmal bestattet. Stelen als freistehende Pfeiler kannte die griechische Antike, sie dienten damals als Grabmal aber auch als Inschriften- oder Grenzstein. red