| 20:49 Uhr

Gemeinderat
Staubwerte sollen im Oktober vorliegen

Blick von Kleinblittersdorf auf das Aluminiumwerk in Großblittersdorf.
Blick von Kleinblittersdorf auf das Aluminiumwerk in Großblittersdorf.
Kleinblittersdorf. Der Gemeinderat diskutiert erneut die Belastung durch das Alu-Werk in Großblittersdorf. Die Bevölkerung ist besorgt. Von Heiko Lehmann

In etwa vier Wochen sollen die ersten Ergebnisse der Staubniederschlagsmessung für die Gemeinde Kleinblittersdorf vorliegen. Das teilte Christian Quirin vom Umweltministerium in der vergangenen Woche in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates mit. Der Grund für die Messungen waren viele Beschwerden aus der Bevölkerung, die sich seit Jahren von dem Aluminiumwerk in Großblittersdorf belästigt fühlt. Unerträglicher Lärm und starke Geruchsbelästigung durch gelb-blauen Rauch, der aus dem Werk kommt, sind für viele Bürger nicht mehr zu ertragen. Seit April dieses Jahres wird vom Umweltministerium an zwei Punkten in der Gemeinde der Staubniederschlag gemessen. Es wird überprüft, ob die Mengen von Aluminium, Arsen, Kobald, Kupfer, Nickel, Blei oder Zink die Richtwerte überschreiten.


Eigentlich hätten die ersten Ergebnisse schon nach drei Monaten vorliegen sollen, aber: „Es gab bislang einfach zu wenig aufgefangenen Niederschlag, um ordentlich Messergebnisse zu erhalten“, sagt Christian Quirin. Für Michael Kessler von der CDU ein klarer Fall: „Wir haben in diesem Jahr die seltene Situation, dass wir fast ein halbes Jahr nur Wind aus Ost/Nordost hatten. Normalerweise haben wir Südwestwind und dann bekommt die Gemeinde alle Emissionen des Werkes ab. Ich bezweifele, dass die Ergebnisse aussagekräftig sind“, sagte Kessler.

Insgesamt dauern die Messungen zwölf Monate und danach soll endgültig feststehen, ob die Luft in der Gemeinde mit Schadstoffen belastet ist oder nicht. Alle Parteien meldeten sich in der Sitzung zu Wort und alle sind sehr interessiert an den ersten Ergebnissen im Oktober. Auch die Interessengemeinschaft (IG) Kleinblittersdorf, die mit ihren Bemühungen den Stein ins Rollen gebracht hat, war mit mehreren Leuten in der Sitzung vertreten. Ihnen reichen die kommenden Ergebnisse nicht aus. „Wir wären natürlich auch froh, wenn die Ergebnisse positiv für uns sind. Aber dann ist das Problem noch nicht behoben. Der Lärm und der Gestank sind nach wie vor unerträglich“, sagte Nico Uhl von der Interessengemeinschaft.



Nach Meinung der IG sollte man einfach direkt vor Ort in Kleinblittersdorf Messungen durchführen. „Vor allem dort, wo der Rauch ungefiltert durch die geöffneten Dachluken ins Freie tritt. Auch die Werte, die direkt aus dem Schornstein heraus kommen, würden uns interessieren“, so Uhl. Bürgermeister Stephan Strichertz und Christian Quirin erklärten, dass man nicht einfach nach Frankreich gehen könne, um dort etwas zu messen. Man müsste mit der französischen Seite kooperieren und dort offiziell bei den Behörden nachfragen. Aussagen, die bei der IG auf Unverständnis stoßen. „Dann muss man diese Wege eben gehen und Anfragen stellen. Wir wollen nur wissen, wie stark unsere Luft belastet ist, und ob man die Geruchs- und Geräuschbelästigung so reduzieren kann, dass keiner mehr betroffen ist. Wir wollen keinem etwas Böses, nur Klarheit“, so Susanne Sabrowski von der IG. Die IG hat 400 Unterschriften gesammelt und einen offenen Brief an die ZF Friedrichshafen AG und Voit Automotive GmbH geschickt. Deren Tochterunternehmen, die Fonderie Lorraine, betreibt das Werk in Großblittersdorf. In dem Brief hat die IG ihre Fragen gebündelt.

Die Fonderie Lorraine betreibt das Werk.
Die Fonderie Lorraine betreibt das Werk. FOTO: Erich Jöckel / Erich Joeckel