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Gemeinderat
Messung: Dreimal mehr Aluminium als erlaubt

Kleinblittersdorf. Bürger aus Kleinblittersdorf haben Gewässerproben untersucht. Die Ergebnisse stellten sie gestern vor. Von Heiko Lehmann

Im vergangenen Jahr berichtete ein Kleinblittersdorfer Bürger, dass bei einem Familiengeburtstag plötzlich mehrere Gäste gleichzeitig Kopfschmerzen bekamen und dass eine Rauchschwade über Kleinblittersdorf zu erkennen war. Eine Gruppe von Bürgern machte das Aluminiumwerk im benachbarten Großblittersdorf, gleich jenseits der deutsch-französischen Grenze,  dafür verantwortlich. Bürger berichteten sogar, dass man den Rauch am Tag und in der Nacht rieche und schmecke.


Eine Biochemikerin aus Kleinblittersdorf hat aus eigenem Antrieb Proben aus stehenden Gewässern in Klein- und Großblittersdorf genommen und ausgewertet. Der Kleinblittersdorfer Nico Uhl hat gemeinsam mit weiteren Bürgern eine Präsentation vorbereitet und diese am Donnerstagabend in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates vorgetragen.

Sein Bericht: „Die Gewässerproben überschreiten den zulässigen Grenzwert für Aluminium um das Dreifache. Aluminium setzt sich im Körperfett fest und kann nie mehr ausgeschieden werden. Da Aluminium in einem starken Verdacht steht, Alzheimer auszulösen, sollten diese Probenergebnisse doch sehr zu denken geben. Außerdem werden bei der Produktion von Aluminium Dioxine emittiert, die, egal in welcher Konzentration, für den Menschen und die Umwelt hochgiftig sind. Weitere Schadstoffmessungen werden in Kürze, nach Erhalt weiterer benötigter Informationen in Auftrag gegeben werden“, sagte Uhl in der Sitzung. Gemessen wurde unter anderem in einem Feuchtbiotop im Kleinblittersdorfer Wald.

Mucksmäuschenstill war es während des Vortrages in der Mensa der Gemeinschaftsschule. Bürgermeister Stephan Strichertz (parteilos) wollte zu den Messungen der Bürger keine Stellung beziehen, da ihm die Messwerte nicht vorliegen. Strichertz steht allerdings nach eigener Auskunft zu diesem Thema in schriftlichem Kontakt mit Umweltminister Reinhold Jost (SPD), und für April oder Mai sind Schadstoffmessungen (über einen Zeitraum von einem Jahr) in der Gemeinde vorgesehen. Wegen des Westwindes sind vor allem Kleinblittersdorf und Auersmacher betroffen.

Michael Kessler von der CDU sagte: „Hier muss sofort etwas passieren, und es darf nicht noch einen Monat oder länger gewartet  werden. Wir warten wahrscheinlich schon viel zu lange.“ Günter Melchior von den Grünen sagte. „So eine Messung von stehendem Gewässer ist in zwei Tagen durchzuführen. Ich hätte dort auch gerne Klarheit,  so schnell es geht.“



Das Aluminiumwerk mit etwa 400 Mitarbeiter gibt es seit Anfang der 2000er Jahre in Großblittersdorf. Wie ein Vertreter des Unternehmens im Rat mitteilte, wurde 2016 eine neue Filteranlage installiert, die zehnmal besser sei als die alte. Eine moderne Filteranlage in den Hallen gebe es nicht, und mit dem Abzug durch die Dachfenster gehe man konform mit der Betriebsgenehmigung.