Kaputte Leitungen brachten Kanalarbeiten in St. Arnual aus dem Zeitplan

Baustellen-Management : Saarbrückens Untergrund ist teuer

Der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb steuert millionenschwere Bauvorhaben. Mitunter gibt es böse Überraschungen.

Rot-Weiß vor offenen Kanälen, frische Flickstücke aus Asphalt, dazu Lastwagen, Lärm und zwei Ampeln: Die Kanal-Baustelle auf der Saargemünder Straße zwischen Feldmann- und Puccini­straße ist für die Anwohner zum nervenden Alltagsbegleiter geworden. Ende Juli 2018 begannen die Vorbereitungen. Der 27. September 2019 war im Internet-Baustellenverzeichnis der Stadt Saarbrücken zunächst als Abschlusstag vorgesehen. Aber noch immer sind Bagger und Gruben nicht aus dem Straßenbild verschwunden.

Bauherr ist der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE) der Stadt Saarbrücken. Er verwies bei einer Zwischenbilanz Ende Januar auf den Umfang der mit 1,1 Millionen Euro veranschlagten Arbeiten. Der Straßenabschnitt bekomme einen komplett neuen Kanal für das Regenwasser. Mehr noch: Für Teile des Schmutzwasserkanals stehe eine Reparatur, für 40 Hausanschlüsse eine Erneuerung an. Damit begründete damals ZKE-Sprecherin Judith Pirrot die auf gut ein Jahr veranschlagte Dauer der Arbeiten.

Dass die sich noch länger hinziehen, war der Grund für eine erneute Anfrage beim städtischen Eigenbetrieb. Otto Drossel, Leiter der Abteilung Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, beantwortete sie.

Er sagt, natürlich sollten Bauzeiten so kurz wie möglich, Verkehrsbeeinträchtigungen so gering wie möglich sein. Drossel aber räumt ein: „Wie die aktuellen Kanalarbeiten in der Saargemünder Straße zeigen, lassen sich auch bei noch so sorgfältiger Planung nicht alle Unwägbarkeiten vorhersehen.“

So sei erst am Mittwoch, 8. Oktober, ein defekter Anschluss der Trinkwasserleitung vor einem Haus in der Baustelle zu Tage getreten. Eine von mehreren unliebsamen Überraschungen. „In der zurückliegenden Bauzeit hatten bereits die Reparaturen weiterer defekter Versorgungsleitungen für teils erhebliche Verzögerungen gesorgt“, teilt Drossel mit. Zu reparieren waren demnach im Zuge der Erdarbeiten Leitungen der Telekom ebenso wie Gas- und Wasseranschlüsse an einigen Häusern in der Baustelle.

Drossel: „Bei Kanalarbeiten ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Defekte an Versorgungsleitungen offenbaren, die im Vorhinein und bei geschlossener Straßendecke nicht zu ermitteln waren.“ Für solche Verzögerungen lasse sich niemand in Regress nehmen.

Gegen Fehler von Firmen schützt sich der Entsorgungsbetrieb durchaus, wie sein Sprecher betont. Bei Mängeln ordne die Bauüberwachung des ZKE die Beseitigung an oder fordere Schadensersatz.

Vorhersehbare Schwierigkeiten wolle der ZKE ohnehin auf ein Mindestmaß begrenzen, sagt Drossel. Das Verfahren: Der Entsorgungsbetrieb informiert die  in Frage kommenden Versorger und für den Straßenbau zuständigen Behörden über sein Vorhaben. Die sollen prüfen, ob sie im Zuge der ZKE-Vorhabens eigene Arbeiten erledigen und etwa Leitungen reparieren wollen. Der ZKE stimme dann die Wünsche ab. Er hole vor jedem Kanalbau ein Bodengutachten ein, um den Einsatz der notwendigen Geräte und die Arbeiten besser planen zu können. Da es sich hierbei grundsätzlich um Untersuchungen an nur einigen Punkten des Baufeldes handle, seien negative Überraschungen dennoch nicht auszuschließen.

Darüber hinaus fragen die Planer dem ZKE zufolge die Polizei, ob in der Baustelle noch Weltkriegsbomben liegen könnten. Aus all dem schätzt der Entsorgungsbetrieb die Bauzeit ab. Das Finale in der Saargemünder Straße rückt jetzt näher. Es läuft der letzte, etwa 30 Meter lange Abschnitt zwischen den Hausnummern 32 bis 36. Ende Oktober soll dort Schluss sein.

Baustellenzäune, die inzwischen die 200 Meter entfernte Kreuzung säumen, haben nichts mehr mit der Kanalsanierung zu tun. Dort baut die Stadt Saarbrücken voraussichtlich bis zum Jahresende die Haltestellen behindertengerecht um.

Für den ZKE sind nicht nur in der Saargemünder Straße Firmen im Einsatz. Er hat 17 größere Baustellen im Stadtgebiet. Nummer 18, die Kanalsanierung in der Nauwieserstraße, beginnt am kommenden Montag, 14. Oktober, und sie ist mit voraussichtlichen Kosten von 1,8 Millionen Euro das aktuell größte  Vorhaben des ZKE.

Dessen Sprecher Otto Drossel ist eines wichtig: Die Verzögerungen auf der Baustelle in der Saargemünder Straße kosten nicht noch zusätzliches Geld. Sie sind mit der vereinbarten Pauschale abgegolten.

Mehr von Saarbrücker Zeitung