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Sozialer Wohnungsbau
Damit gutes Wohnen auch wieder bezahlbar wird

Diese grundlegend umgebauten Häuser am Pfarrer-Bleek-Platz in Malstatt gehören der Saarbrücker Siedlungsgesellschaft (SGS). Dort entstand Wohnraum auch für kinderreiche Familien, wie er andernorts in Saarbrücken und vielen Teilen des Saarlandes fehlt.
Diese grundlegend umgebauten Häuser am Pfarrer-Bleek-Platz in Malstatt gehören der Saarbrücker Siedlungsgesellschaft (SGS). Dort entstand Wohnraum auch für kinderreiche Familien, wie er andernorts in Saarbrücken und vielen Teilen des Saarlandes fehlt. FOTO: SGS Heike Dillhöfer
Saarbrücken . In Stadt und Land fehlen Tausende Sozialwohnungen. Grünen-Politiker Markus Tressel diskutierte mit Fachleuten, was zu tun ist. Von Daniel Novickji

Wie kann es gelingen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen? Darüber diskutierten die Geschäftsführerin der Wohnungsgesellschaft Saarland (Woge Saar), Rita Gindorf-Wagner, die Geschäftsführerin der Immobiliengruppe Saarbrücken, Hildegard Wald, sowie der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Grünen im Saarland, Markus Tressel.


Das Interesse an der Veranstaltung der Stadtratsfraktion der Grünen war groß. Im Festsaal des Saarbrücker Rathauses blieben gerade mal zwei Stühle frei.

Tressel betonte, dass es zunächst wichtig sei, zwischen dem Schaffen von bezahlbaren Wohnraum und dem von Sozialwohnungen zu unterscheiden. Zwar sei während der Finanzkrise in Immobilien, aber nicht in Sozialwohnungen investiert worden. Das Geld sei beim Bund wie auch beim Land da, es müsse nur investiert werden. Tressel: „Der Bund hat dem Saarland insgesamt 90 Millionen Euro überwiesen, welche für den Ausbau des bezahlbaren Wohnraums bestimmt waren.“ Allerdings, sagt Tressel, habe das Land nur Bruchteile der Summe verwendet. „Der Rest scheint irgendwo im Haushalt verschollen zu sein“, sagte Tressel weiter. Ein Vorwurf, den der Politiker schon öfter erhoben hat. Zwischenruf aus dem Publikum: „Weshalb wird nicht investiert, wenn das Geld da ist?“ Nächster Zwischenruf: „Leerstandsproblematik?“



Daraufhin Tressel: „Es gibt Leerstände im Saarland, aber nicht dort wo die Menschen wohnen wollen, sondern im ländlichen Raum. Die Problematik besteht darin, dass das Geld nicht richtig gelenkt wurde. Im Moment sind 10 000 Wohnungen im Saarland verfügbar, der Bedarf liegt allerdings bei 14 000 Wohnungen.“ Es sei jetzt wichtig, in diesem Bereich zu handeln. Außerdem gebe es keine Möglichkeit, preisgünstige Baugrundstücke zu erwerben. Die meisten Grundstücke gehören Tressel zufolge privaten Investoren, die diese anders nutzen möchten. Um dort Sozialwohnungen und bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen, müsse der Gesetzgeber handeln. Er erinnerte an den Vorschlag seiner Partei, dass es öffentliches Fördergeld nur für jene Bauherren gibt, die einen Teil ihrer Investitionen in bezahlbaren Wohnraum fließend lassen.

Hildegard Wald ergänzte, dass sich natürlich viele eine Wohnung leisten könnten. Sie mahnte aber an, sich jetzt mehr um die Ärmeren zu kümmern, die sich bei der Wohnungssuche schwer tun.

Hier knüpfte Rita Gindorf-Wagner an. Es sei auch das primäre Ziel der Wohnungsgesellschaften, in bezahlbaren Wohnraum zu investieren. Den Vorwurf aus dem Publikum, die Wohnungsgesellschaften hätten den drohenden Wohnungsmangel nicht rechtzeitig erkannt, wies sie zurück. „Es wurden bereits mehrere Millionen in die Schaffung bezahlbaren Wohnraums und den Ausbau von Sozialwohnungen gesteckt. Hierbei liegt der Fokus nicht nur auf dem Neubau, sondern auch auf der energetischen Sanierung von Wohnungen.“ Das gehe aber nicht von heute auf morgen. Denn das Geld dafür müsse nicht nur da sein, es gelte außerdem, alles vernünftig zu planen.

Gindorf-Wagner sagte ebenso, die Politik müsse durch Gesetze das bezahlbare Wohnen garantieren. Entscheidend sei darüber hinaus, sagte sie, Menschen aus bestimmten Wohngebieten nicht mit Vorurteilen auszugrenzen. Dagegen helfe das „Modell des Mischens“. Darunter versteht Gindorf-Wagner, Sozialwohnungen zusammen mit „Luxusbauten“ zu errichten. Das helfe entscheidend gegen Ghettos in den Städten. Denn der Kontakt fördere den Abbau von Vorurteilen. Als Beispiel, wo die Woge ein solches Miteinander verwirklicht, nannte Gindorf-Wagner die Mainzer Straße.