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Boxen: Vom Feierabend- zum Dreiviertel-Profi

Boxen : Vom Feierabend- zum Dreiviertel-Profi

In Europa belegt er Rang vier. In Deutschland ist er die Nummer eins. In der Welt will er es werden. Mirco Martin sagt: „Ich kann meinen Sport leben. Ich lebe meinen Traum.“ Im September will er seinen EM-Gürtel verteidigen.

Was sich in seinem Leben verändert hat? „Gute Frage“, antwortet der frisch gebackene WBO-Europameister Mirco Martin. Er überlegt. Dann sagt er fast schüchtern: „Die mediale Präsenz ist höher.“ Das finde er cool. „Und ich arbeite weniger“, schiebt der 26-Jährige nach. Der Obersalbacher hat sich im wahrsten Sinn des Wortes vom Feierabend-Profi zum Dreiviertel-Profi durchgeboxt. Der Fliegengewichtler kämpfte sich in der unabhängigen Weltrangliste bis auf Platz 18 vor. Dass es in der Gewichtsklasse bis 50,8 Kilogramm ganz nach oben gehen kann, zeigt seine Bilanz. Zwölf Profi-Kämpfe, zwölf Siege, sechs davon durch K.o. – Mirco Martin ist auf dem Weg zu einem WM-Kampf.

In Europa belegt der Saarländer Rang vier. In Deutschland ist er längst die Nummer eins. In der Welt will er es werden. „Ich kann meinen Sport leben, fühle mich besser. Ich lebe meinen Traum“, sprudelt es aus Mirco Martin heraus. Man merkt ihm an, wie glücklich er gerade ist. Bis vor Kurzem war der 26-Jährige Teilzeit-Boxer. Er arbeitete Vollzeit als Stuckateur. In der Vorbereitung auf einen Kampf fuhr er täglich zum Training nach Karlsruhe. Sein Alltag damals: Aufstehen um 5 Uhr, dann ein 30 Minuten langer Lauf. Von 7 bis 16 Uhr war er auf der Arbeit. Danach ging es kurz heim, dann auf die eineinhalb Stunden lange Tour nach Karlsruhe zu Trainer Dominik Junge. Eineinhalb Stunden trainieren. Ab ins Auto und zurück nach Obersalbach. Vor 22 Uhr war Mirco Martin selten zu Hause.

Den Pendel-Stress tat er sich an, weil „ich nirgendwo anders schlafen kann. Ich brauche mein Bett. Und ich vermisse meine Hunde und meine Freundin“, erklärte der Boxer im vergangenen August gegenüber der SZ. Er ist ein Schmusebär. Ein „total verschmuster“, wie er zugibt.

Die Privatperson Mirco Martin hat sich nicht verändert. Aber der Profi Mirco Martin. Denn seit er beim Boxstall Fächer Sportmanagement unter Vertrag steht, kann er sich fast voll und ganz auf seinen Sport konzentrieren. Wobei der Übergang vom Feierabend- zum Dreiviertel-Profi nicht ganz reibungslos ablief. „Mein Trainer musste mir anfangs in den Arsch treten“, verrät Mirco Martin, dem die Umstellung auf fünfmal die Woche zweimal am Tag trainieren zu schaffen machte: „Ich musste lernen, dass Boxen nun mein Beruf ist. Ich habe das Ganze anfangs zu spielerisch gesehen.“

Doch wenn der Weltranglisten-18. auf die Zeit als Vollzeit-Stuckateur und Teilzeit-Boxer zurückblickt, sagt er mittlerweile: „Ach du Scheiße, diesen stressigen Tagesablauf hast du jeden Tag gemacht?“ Als Stuckateur arbeitet er seit Januar nur noch eine Woche im Monat. Und damit das Pendeln von Obersalbach aus nicht zuviel Zeit frisst, übernachtet Mirco Martin mittlerweile in Karlsruhe, wenn er voll trainiert. Den Wohlfühl-Faktor, im eigenen Bett zu schlafen, hat er zugunsten seiner Karriere aufgegeben. Denn er weiß es zu schätzen, „dass ich nun rundum perfekt aufgestellt bin. Ich muss nur noch trainieren“.

Für seinen nächsten großen Kampf muss der WBO-Europameister härter denn je trainieren. Er will am 14. September in der Palazzo-Halle in Karlsruhe seinen EM-Gürtel verteidigen. Der anvisierte Gegner ist Angelo Moreno. Die Verhandlungen mit dem Spanier laufen. Die Entscheidung fällt im Mai. Moreno, dessen Kampfname „Golden Boy“ lautet, liegt in der Europa-Rangliste auf Platz sechs. Er ist mit 34 Jahren ein erfahrener Ringkämpfer. Moreno hat 17 seiner 21 Profi-Duelle gewonnen. Sechs K.o.-Siege stehen beim Weltranglisten-31. zu Buche. Er ist mit seinen 1,64 Meter sieben Zentimeter größer als Mirco „The Comet“ Martin.

Solch ein Kaliber hatte der Obersalbacher noch nicht vor seinen Fäusten. Doch Mirco Martin ist nicht bange. „Das war mein bester Kampf“, sagt er rückblickend zum Duell im vergangenen März in Karlsruhe gegen José Antonio Jiménez Espinoza. Der 34 Jahre alte Kolumbianer gab im Kampf um den Europameister-Titel des Verbandes WBO nach der fünften Runde auf. Er hatte kaum eine Chance. Denn Mirco Martin ist in der Form seines Lebens. Dass seine Formkurve weiter steigen wird, scheint vorgezeichnet. Und je weiter es nach oben gehen wird, umso mehr wird sich sein Leben verändern.