Wenn da noch einer stillstehen kann

Einst hat der inzwischen verstorbene Pastor Pisarski die Glocken läuten lassen, damit noch mehr Gäste zum Sunset-Konzert kommen. Am Samstagabend war das nicht nötig. Der Saal beim Oldie-Konzert war proppenvoll.

Das haben sie jetzt davon: Weil ihr Comeback vor etwa einem Jahr so gut angekommen ist, müssen sie jetzt regelmäßig ihr Publikum mit den Hits der 1960er Jahre beglücken. Manfred "Mannée" Pützer an Gitarre und Gesang, Michael "Joob" Bayard am Schlagzeug, Rüdiger "Moses" Sander an der Bassgitarre, Heinz Gassner an der Gitarre und Bernhard "Doc" Hayo meist am E-Piano und "der Lònge" Edgar Reichert an der Hammond-Orgel, die sich als Sunsets bis zum besagten Revival im Vorjahr eine 40-jährige Bandpause gegönnt hatten.

Und während sie in die Tasten, Saiten und Trommelfelle hauen, blühen sie im Lebensherbst wieder auf. Bestes Beispiel ist dabei Sänger Mannée. Hat der zuletzt noch einen Großteil des Programms im Sitzen absolviert, überraschte er am Samstagabend mit einem weitgehend stehenden Auftritt. "Nicht mehr so oft wie früher, aber so ein, zwei Mal im Jahr macht es wieder richtig Spaß", meint Gitarrist Heinz. Spaß für Band und Publikum. Der Saal proppenvoll, das Konzert ausverkauft, viele tanzen zu "Mighty Quinn", "Daydream Believer" und "Paint it Black". Musikalisch hat das viel Qualität. Auch zum Schmusen bieten die Sunsets ihrem Publikum Gelegenheit. "De Long", dessen Hammond-B3 samt Leslie-Verstärker eher nach Möbel als nach Musikinstrument aussieht, hat zum Beispiel die perfekte Hammond-Einstellungen für "A whiter shade of pale" extra aus dem Internet gesucht. "Leider klingt diese Registereinstellung etwas dünn, aber so ist sie genau richtig", fachsimpelt er in einer Konzertpause und verweist darauf, dass die Power dann eben aus der Technik kommen müsse. Ehe es zu möglichen Unebenheiten kommen kann, korrigiert unbemerkt von den meisten in der Rosseltalhalle Heinz mit einem Lächeln und den bestimmenden Gesten eines Orchesterleiters das Tempo um wenige Nuancen.

Die Songliste scheint inzwischen unerschöpflich, so blieb wenig Zeit, noch über Anekdoten zu berichten, die einst zum Kultstatus der Band beigetragen hatten. Etwa die, dass der inzwischen verstorbene Pastor Pissarski einst die Glocken hat läuten lassen, weil ihm der Jugendtanz im Rossler Pfarrheim mit den Sunsets als musikalische Stammgäste noch nicht gut genug besucht war.

Oder von der Beat-Battle in Heusweiler, wo die Rossler Band unter 15 Mitbewerbern wie den damals namhaften RS Rindfleisch unter anderem vom vor wenigen Wochen verstorbenen "Mister Beatclub" Manfred Sexauer in der Jury auf den vierten Platz gepunktet wurde.