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Klimawandel im Saarland: Wie sich der Wald bei Bildstock verändert

Mit Förster Kreinbihl im Revier : Warum Buchen am Hoferkopf sterben mussten

Wir sind mit Förster Lars Kreinbihl einmal um den Hoferkopf in Bildstock gewandert – dabei haben wir tote Bäume gesehen. Ihnen fehlt es an etwas Elementaren.

Viel Wissenswertes über den Zustand der saarländischen Wälder gab es zuletzt bei den geführten Wanderungen des Landesbetriebes SaarForst zum „Tag des offenen Reviers“ zu erfahren. In Friedrichsthal waren wir mit Revierförster Lars Kreinbihl unterwegs. Auf dem Parkplatz gegenüber der Birkenallee auf dem Hoferkopf hatten sich bis zum Start der Wanderung kurz nach 17 Uhr neben Revierförster Lars Kreinbihl neun Personen eingefunden. Sicher hatten die etwas wacklige Wetterlage und die Gewitterwarnungen zuvor einige Interessenten von der Teilnahme abgehalten. „Das ist gar nicht so schlecht“, nahm Kreinbihl diesen Umstand locker auf. „Da ist jeder Teilnehmer gleich näher dran, wenn ich etwas erkläre oder an den Bäumen zeige. Zuletzt waren wir mit fünfzig Leuten unterwegs - und da war das gar nicht so einfach.“

Kreinbihl ist als Förster seit fünf Jahren für das „Regionalparkrevier“ zuständig, das die Gebiete von Merchweiler, Heiligenwald, Friedrichsthal, Schiffweiler, Heinitz, Wemmetsweiler und Stennweiler umfasst. „Ich bin früher immer schon gerne im Wald unterwegs gewesen“, erzählt er, während sich die kleine Wandergruppe langsam die Birkenallee hinunter Richtung Hoferkopfschule bewegt. „Leider hatte ich damals so gar keine Ahnung, woran man die Bäume oder Sträucher erkennt. Und das wollte ich dann unbedingt ändern. Was lag da näher als Förster zu werden.“ So einfach ist das. Und ebenso einfach, direkt, schnörkel- und auch schonungslos bleibt Kreinbihl während des gesamten Spaziergangs, wenn er Fragen beantwortet, Hintergründe erläutert und an prägnanten Stellen den Zustand der Bäume untersucht und erklärt.

Waldbestand, Verkehrssicherung, Werterhalt

Kaum, dass wir den befestigten Weg verlassen und eben ein paar Schritte in den Wald eingebogen sind, legt Kreinbihl den ersten Halt ein, um die Grundzüge der Arbeit eines Revierförsters zu erklären. Wir stehen auf einem durch den letzten Regen feuchten und etwas matschigen, Waldweg, umgeben von stattlichen Rotbuchen und immer noch in Sichtweite zur Hoferkopfschule. Unter den Buchen, um die es augenscheinlich nicht sehr gut bestellt ist, haben die Schüler der nahe gelegenen Hoferkopfschule eine nette Behausung aus umherliegenden Ästen errichtet. „Als Revierförster haben wir drei goldene Regeln zu beachten. Wir wollen natürlich zuallererst den Waldbestand erhalten, müssen aber gleichzeitig auch für eine gewisse Verkehrssicherheit sorgen und den Werterhalt gewährleisten“, erklärt Kreinbihl. „Und genau hier an diesem Platz geraten unsere Ziele in Konflikt miteinander.“ Die Buchen vor uns sind tot. Gut erkennbar daran, dass durch die nur noch spärlich bewachsenen Kronen der Himmel zu sehen ist und sich an den Astenden sogenannte „Krallen“ gebildet haben. Der Grund für ihr Ableben ist denkbar einfach: Anhaltende Trockenheit. „Früher oder später werden diese Bäume umstürzen und stellen somit eine Gefahr da. Für die Schüler und alle Beteiligten, die hier ein eigentlich ja gutes Projekt gestartet haben“, erklärt Kreinbihl. „Wir wollen ja gerade junge Menschen für den Wald und die Natur sensibilisieren. Dafür müssen sie auch in den Wald hinein.“ Dort aber muss mittlerweile nicht mehr jeder tote Baum geschlagen werden, so wie das früher war. Überhaupt ist nur noch wenig so wie früher. Die älteren Förster wurden von den Folgen der Klimaveränderung und dem „Leid“ ihrer Wälder so derart überrumpelt, dass sie es „einfach gar nicht glauben können.“

Klimawandel im Saarland: Wie sich der Wald bei Bildstock verändert
Foto: Dieter Steinmann

Unser Spaziergang führt uns in einem Kreis um den Hoferkopf weiter in ein vorwiegend von Eichen bewachsenes Waldstück, in dem Kreinbihl auch auf die tierischen Schädlinge verweist. „Da wir im Saarland zu 90 Prozent Laubbäume haben, betrifft uns der Borkenkäfer nicht so arg wie anderswo. Die zehn Prozent der Nadelbäume aber sind alle befallen“, erklärt Kreinbihl, während er den Waldboden untersucht und an den kleinen Pflanzen am Boden auch Wildfraß ausmacht. „Die Eichen sind natürlich echte Werte“, erklärt er. „Besonders die gerade gewachsenen Exemplare sind für den Bau von Möbeln und für Fassbauer hoch attraktiv. Geschlagen werden sie erst, wenn sie einen Umfang von 75 cm erreicht haben. Wir greifen hier dann ein, wenn diesen Eichen andere Bäume zu nahekommen und ihnen etwa Licht wegnehmen.“

Eingegriffen wird immer dort, wo eine Baumart zu dominant wird und andere zu verdrängen droht. „Wir wollen Vielfalt in unseren Wäldern. Würden wir nicht hier und da eingreifen, hätten wir irgendwann in unseren saarländischen Wäldern zu 90 Prozent Buchen stehen.“ Sollten Sie auf einer Waldwanderung also einmal einer beschnittenen Buche begegnen, ärgern sie nicht darüber. Schauen sie im Umfeld etwa nach kleineren, aufstrebenden Ahornbäumchen, die davon profitieren. Und besuchen sie eine der kommenden Wanderungen durch unsere Wälder. Es lohnt sich.

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