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Gitarrenkunstwerk von Gilbert Baier bei der Stadtgalerie.2 Zweibrücken

SERIE DIE KÜNSTLER DER „STADTGALERIE.2“ : Ein „integrales Kunstwerk“ auf dem Boden

Gilbert Baier zeigt in der ehemaligen CB-Boutique ein Wandel-Kunstwerk mit Gitarrenbildern in CD-Hüllen.

Es gibt Kunstwerke, deren Großartigkeit erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Ihr gesamtes Ausmaß, ihre Multidimensionalität sind nicht rein optisch-visuell zu erfassen, sondern  kreativ-spielerisch. Als ein unendliches Feld aller Möglichkeiten. Ein solches regelrecht philosophisches Kunstwerk ist die Boden-Installation von Gilbert Baier in der ehemaligen CB-Boutique am Hallplatz, mit der sich der Mörsbacher Kommunikationsdesigner an der StadtGalerie.2 beteiligt. Aus etwas, das wohl jeder heutzutage zu Hause liegen hat: aus CD-Hüllen.

Und natürlich mit Gitarren, denn nach wie vor träumt der 72-Jährige davon, als der größte Gitarren-Designer in die Annalen einzugehen. So prangt auf jedem der kleinen CD-Hüllen-Quadrate Gilberts Standard-Gitarre. Die Gitarren mit den weißen Hintergrund hat er gestalten lassen: von Familie, Freunden und Bekannten, den Zweibrücker Künstlern der StadtGalerie.2.

Die Gitarren mit den schwarzen Hintergründen hat der Grafik-Designer selbst gestaltet: mit den Konterfeis von zahlreichen Persönlichkeiten und Prominenten. Auch hier reicht die Bandbreite von seinem nächsten Umfeld bis hin zu Menschen, die die ganze Welt geprägt haben. „Menschen, die die Welt verändert haben und verändern werden, auch ‚meine‘ Welt“, erklärt Gilbert Baier seine Auswahl.

Dazu gehören etwa seine drei Professoren ebenso wie die Beatles, die nicht nur den Musikstil des begeisterten Gitarristen massiv beeinflusst haben, sondern auch immer wieder in seine Kunstobjekte einfließen. Davon zeugt beispielsweise sein „goldiges“ Exponat im Musikhaus Müller mit Gilbert Baiers Lieblingsliedern auf den Gitarren und den „Pilzköpfen“ in einem Regal.

Doch zurück zur Hallplatzgalerie. Musiker, Dirigenten, Maler, Designer, Seefahrer, Poltiker und Staatsmänner aller Couleur aus vielen Herren Ländern, Sportler, Philosophen, Heilige sowie Unheilige, wie etwa der Mörder von Stockholm oder Osama Bin Laden. So liegt etwa Jesus neben Hermann Prey, Hildegard von Bingen neben Helmut Kohl, John Lennon ganz vorne, jedoch nicht neben seiner Frau Yoko Ono. „Ich habe sie rein nach Gefühl so verteilt, wie es mir gefallen hat“, beschreibt Gilbert Baier und ergänzt: „Ich habe gerne verrückte Ideen.“

Denn sein Kunstwerk darf und soll wachsen, sich verändern, denn „nichts ist so beständig, wie der Wandel“. Ein Lebenswerk. Anfangs waren es exakt 1111 CD-Hüllen, akkurat und präzise gelegt als großes Boden-Quadrat von 20 Reihen Breite. Kommt eine neue CD hinzu, tauscht er sie auch schon mal aus, wie das Werk von Marold Wosnitza. Der Oberbürgermeister hat sich mit einem durchaus kunstvollen, symbolträchtigen Gemälde als mögliche Stadtvision ebenso beteiligt wie die Beigeordnete Christina Rauch mit einem Selbstbildnis. Mit der transparenten Gegenlicht-Gitarre von Christian Gauf ist die Stadtspitze komplett vertreten.

Neben farbenfrohen Gemälden, Glimour-Gitarren, verblüffenden Zeichnungen oder dreimensionalen Gitarren-Kunstwerken wie einer Nagel-Skulptur werden auch zahlreiche Botschaften transportiert. Mit Flügeln, die aus dem Korpus wachsen, wirkt eine Gitarre, wie ein Engel. Aus dem Holzabfall vom Bleistiftanspitzen entstand der Mund einer Sängergitarre unter mit Strichen stilisierten Augen.

Auch die Wortkünstler waren aktiv: ZUSAMMEN GELINGEN GÖTTLICHE ORDNUNG manifestiert eine Sigille (Sigel) aus überschriebenen Großbuchstaben die Neue Welt in Einheit, ebenso wie Liebe in vielen verschiedenen Sprachen, korrespondierend zu der Weltgitarre mit den unterschiedlichen Flaggen.

„Es ist ein „integrales Kunstwerk“. Ich kenne kein Werk, an dem so viele Künstler beteiligt sind und überhaupt so viele Menschen“, betont Gilbert Bayer den Zusammenklang in der Vielfalt. Selbst dem Göttlichen, Mystischen, Unsichtbaren hat er mit drei rein schwarzen Gitarren Raum gegeben. Eine Erklärung hat er auch für Schwarz und Weiß parat: die Dualität und die Polarität.

Wer möchte, kann sich übrigens noch bis Ende der Ausstellung am 18. Oktober beteiligen. Interessierten steht der Künstler jeden Mittwoch von 11.30 bis 13 vor Ort zur Verfügung, um sich auszutauschen. Jede Woche wird sich das Werk verändern durch Ergänzungen sowie durch Rochaden, wenn Gilbert Bayer einfach CDs vertauscht, wie Figuren auf dem Schachbrett.