Margaret Ruthmann : Plädoyer fürs Wandern und den Wald

Margaret Ruthmann las im gut besetzten Zweibrücker Herzogsaal aus ihrem neuen Burgenwanderführer.

Sie ist in der Welt herumgekommen, hat Reisemagazine fürs Fernsehen produziert und ist nun in ihrer Heimat unterwegs. Margaret Ruthmann stellte am vergangenen Mittwoch im Zweibrücker Herzogsaal ihr neues Wanderbuch vor. Die bekannte Autorin war für ihren neuesten Burgenwanderführer in der Südwestpfalz und im Saarland unterwegs. Die Leser finden in dem neuen Werk nicht nur Burgen, sondern auch Klöster, Türme, Wehranlagen und ein fast vergessenes Schloss.

„Wäre Schloss Karlsberg nicht in Zeiten der französischen Revolution zerstört worden, wäre es heute ein Touristenmagnet“, ist sich Margaret Ruthmann sicher. In ihren Büchern beschreibt sie auch immer die Geschichte der Orte. So erfahren die Besucher, dass Karl II. August, Herrscher auf Schloss Karlsberg, ein Despot war, gefürchtet bei seinen Untertanen, weil er mit seiner Hundemeute rücksichtslos durch die Dörfer ritt – was ihm den Beinamen „Hundskarl“ einbrachte. Schloss Karlsberg ist heute nur noch eine Ruine, die Schätze im Inneren jedoch, konnte Karl II. August in Sicherheit bringen. Einer Sage nach sollen einige Pretiosen auf der Burg Veldenz versteckt sein. Gefunden wurde aber noch nichts.

Im Gegensatz zu manch anderen Wanderführern, ob nun analog oder digital, achtet Margaret Ruthmann bei ihren Touren darauf, dass eine Einkehrmöglichkeit vorhanden ist: „Meine Regel ist: eine Stunde Wandern zur Burg, dann eine weitere Stunde zum Gasthaus und danach eine Stunde zurück zum Parkplatz, um die Bratwurst oder den Flammkuchen zu verdauen.“

In ihrem Vortrag stellte die Autorin die Frage, ob Wanderbücher überhaupt zeitgemäß seien, wo man doch im Netz unzählige Touren finde. „Ich habe schon Leute durch den Wald gehen sehen, die nur auf ihr Smartphone geguckt haben“, erzählt sie, „die haben mehr in ihr Handy geschaut als in die Landschaft.“ In ihren Büchern sei die Wegstrecke exakt beschrieben, es gebe Informationen zu Dauer und Länge der Touren sowie eine historische Einordnung der Sehenswürdigkeiten. Und obendrauf müsse man nicht nach Gasthäusern suchen. Ein All-Inclusive-Paket also.

Ein Plädoyer fürs Wandern muss Margaret Ruthmann nicht halten, sind doch gerade in Corona-Zeiten unzählige Menschen im Wald unterwegs. Historische Wurzeln hat die Wanderbewegung in Deutschland im Jahr 1864, als der erste Wanderverein gegründet wurde. 1896 machte sich die Jugend auf in die Wälder. Die Wandervogelbewegung wollte der Enge und dem Schmutz der Städte entfliehen.

Heute wird der Wald zunehmend zum Problemgebiet. Trockenheit, der Klimawandel und der Borkenkäfer machen den Bäumen zu schaffen. Der Zustand des Waldes macht auch der Autorin Sorgen. Trotzdem brauche der Mensch den Wald, er helfe Krankheiten zu verhindern. Sie rief die Ärzte dazu auf, Waldspaziergänge auf Rezept zu verschreiben, das sei gut gegen Bluthochdruck, Depressionen und vielleicht sogar gegen Krebs. Sie beschrieb den Trend des „Waldbadens“. Dabei könnten Stresshormone abgebaut werden und die ätherischen Öle der Bäume würden das Immunsystem stärken. „Ein guter Kontakt zur Natur bringt mehr Lebensfreude und frische Ideen“, ist sie überzeugt.

Im Saarland ist der Wandertrend seit einigen Jahren in den Blick der Kommunen geraten. Die schildern großzügig sogenannte Premiumwanderwege aus. Die seien sehr schön, sagt Ruthmann, doch oft verschwinden unter den Schildern die Wanderzeichen der traditionellen Waldvereine. Wer außerhalb der Premiumtouren unterwegs sei, hätte manches Mal Schwierigkeiten, sich zu orientieren.

„Ich liebe es, alleine zu wandern“, gesteht Margret Ruthmann. Angst habe sie keine, weder vor wilden Tieren, noch vor Begegnungen mit Menschen: „Es ist die Stille, die mich anzieht, die Probleme treten in den Hintergrund, der Alltag verschwindet. Es ist einfach schön, draußen zu sein.“ Ihr nächstes Wanderbuch ist schon in Arbeit. Dann soll es zu den Burgen im Hunsrück und an der Nahe gehen.

Margaret Ruthmann, „Burgenwandern Saarland und Südwestpfalz“, Verlag Regionalkultur, ISBN 978-3.95505-994-1