Städtepartnerschaft feiert Jubiläum

Städtepartnerschaft : Mehr als eine Städtepartnerschaft

St. Ingbert und Radebeul pflegen eine langjährige „Städtepartnerschaft“, die sie nach der Wende auf freundschaftlicher Ebene vertieft haben.

Seit 30 Jahren besteht die deutsch-deutsche Städtepartnerschaft zwischen St. Ingbert und Radebeul. Über die Jahre hat sich viel getan und die beiden Gemeinden verbindet längst mehr als ein Vertrag über die gegenseitige Partnerschaft. Anlässlich dieses Jubiläums fanden am Sonntag die Feierlichkeiten im Kuppelsaal des St. Ingberter Rathauses statt.

Begonnen hat alles im Jahr 1988, „als Deutschland noch geteilt war“, wie Oberbürgermeister Hans Wagner bei seiner Eröffnungsrede erzählte. „Damals trennte uns eine Mauer, an der auch noch geschossen wurde.“ Zu den Anfangszeiten der Partnerschaft war es nicht immer einfach, wie sich vor allem die beiden Alt-Bürgermeister der Städte, Winfried Brandenburg und Volker Kunze erinnerten. Auf Radebeuler Seite wurde der Vertrag von Berlin bestimmt, und der Wunsch nach mehr Zusammenarbeit auf freundschaftlich-bürgerlicher und vereinsengagierter Ebene blieb den beiden Städten vorerst verwehrt. Der Austausch begann damals auf wirtschaftlicher Basis. Regelmäßig besuchten sich die Delegationen zu unterschiedlichen Seminaren.

Erst nachdem die Mauer fiel, konnten die Gemeinden die Freundschaft auf die Weise vertiefen, wie es von Anfang an gewünscht war. Seitdem hat sich viel getan. So ist das gemeinsame Rebenschneiden auf dem Radeburger Weinberg am St. Ingberter Bahnhof genau so zu einer Tradition geworden wie die Beteiligung der Radeburger Winzer am Ingobertusfest. Eine Radgruppe aus beiden Städten trifft sich jährlich zu Touren durch ganz Deutschland und auch auf kultureller Ebene findet ein reger Austausch statt. Künstler aller Art bringen ihre Arbeit regelmäßig den Kollegen in den Partnerstädten näher. Das neueste Projekt sind Lesereisen, bei denen Autoren ihre Werke in den befreundeten Gemeinden vorstellen.

Sogar in kritischen Situationen standen sich St. Ingbert und Radebeul bei. So etwa beim Jahrhunderthochwasser oder dem Brand der Josefskirche. Die Feuerwehren der beiden Städte arbeiten genauso übergreifend miteinander wie die Vereine und Bürger. „Die Partnerschaft ist ein Teil unseres Alltags geworden“, sagte Wagner. „Und alle Bürger, die sich engagieren, sind Botschafter im Ehrenamt.“ An den Festlichkeiten nahmen Vertreter beider Gemeinden teil. Darunter auch die Künstlerin Dorothee Kuhbandner, von der anlässlich des Jubiläums derzeit eine Ausstellung in der Rathausgalerie bewundert werden kann. „Dorealismus“ nennt sie selbst ihre farbenfrohe Kunst, die auf vielfältige Weise unterschiedlichste Themen miteinander verbindet. Auch das hat Tradition.

Die erste Ausstellung dieser Art fand im Jahr 1990 statt. Ihr Mann Jens Kuhbandner, selbst Fotograf und Autor, hielt die Laudatio, ehe die Ausstellung von den Gästen besichtigt wurde. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Becker-Chor, der besonders die Eintragung in das Goldene Buch der Stadt in den passend festlichen musikalischen Rahmen versetzte. Bert Wendsche, der Oberbürgermeister Radebeuls, bekundete in seiner Ansprachen seinen Respekt gegenüber allen, die an dieser Partnerschaft teilhatten und haben. „Die Einheit unseres Landes ist keine Selbstverständlichkeit sondern eine Herausfoderung“, betonte er.

Diese meisterten St. Ingbert und Radebeul hervorragend. Denn auch Städtepartnerschaften seien ein Zeichen der Solidarität und diese bestehe zwischen den beiden Städten bereits lange Zeit. Als Geschenk überreichte die Radebeuler Delegation den St. Ingbertern eine Sammlung Schmuckausgaben des dort beheimateten Schriftstellers Karl May. Zum Abschluss widmete der Chor der Brauerei Becker jeder Stadt ein Lied: „Wenn das Bier im Humpen schäumt“ und „Von der Traube in die Tonne“ Bier und Wein, zwei Traditionen, die beide  Gemeinden prägen und auf gewisse Weise vereinen.

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