Özgur Cebe in der Stadthalle St. Ingbert

Özgur Cebe in der Stadthalle : Ein rasanter Ritt auf der Rasierklinge

Politisch korrekt ist das, was Özgur Cebe, auch genannt „der Ötze aus Bielefeld“, auf der Bühne abliefert, nicht unbedingt. Lustig war’s trotzdem.

Mit dem sensiblen Thema Ausländer und Flüchtlinge zu spielen, das kann schnell zu „einem Ritt auf der Rasierklinge“ ausarten. Macht dies ein Künstler, wird man hellhörig. So geschehen am Donnerstagabend bei der städtischen Reihe „A la minute - Kleinkunst á la carte“. In der Stadthalle trat nämlich der Kabarettist Özgür Cebe mit seinem aktuellen Programm „Born in the BRD“ auf.

Diese Berufsbezeichnung mag er eigentlich nicht. Er sieht sich mehr als Stand-up-Kabarettist, weil er eine Mischung aus Kabarett und Comedy macht. Berücksichtigt man weiterhin, dass er die deutsche Staatsangehörigkeit und sowohl armenische, als auch türkische Wurzeln hat, bekommt das Thema eine Würze, die man sich kaum vorstellen kann. Doch das geht. Cebe spielt nämlich nicht nur mit den Klischees. Nein, er will sie brechen. Er nimmt sich viel raus, das kann man zweifelsohne sagen. Dinge, die man Türken nicht zutraut und die man – Political Correctness sie Dank – nicht mehr sagen darf. Und genau diese falschverstandene Moral bemüht der quirlige, 43-jährige Gewinner des Stuttgarter Besens (Publikumspreis) so was von gerne und hat dabei eine schelmische Freude.

Er ist schon mehr Deutscher, als man glaubt. Diese germanische Disziplin kombiniert er gerne mit orientalischem Ehrgeiz. „Ötze aus Bielefeld“, wie er sich gerne rufen lässt, war schon bei seiner Geburt deutsch. Er kam nämlich pünktlich. Spielen mit Matchbox-Autos kam als Kind für ihn nicht in Frage. Die haben doch keine TÜV-Plakette. Dank „Germing-Out“ ruft er auch gerne als Gast von türkischen Hochzeiten die Polizei, wenn es ihm zu laut wird. Und dann vermisst er in Deutschland die Kinderfreundlichkeit. Ja, denn Kinder sind nämlich nicht freundlich, versichert der ausgebildete Schauspieler und Vater. Man spürte oft die Verunsicherung, ob man nun lachen dürfe oder eben nicht. Tabus ankratzen war angesagt. Einen riesigen Spaß hat der quirlige Mann vor allem dann, wenn der bekennende Schlagerfan Ohrwürmern neue Texte einhaucht, um zu provozieren. Kostprobe: „Santa Scharia“, „Ich war noch niemals im Irak“ oder „Unter der Burka muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“. Und bei seinem Hintergrund kommt er an einer Person nicht vorbei: Dem türkischen Staatspräsidenten. Recip Tayyip Erdoğan. „Der Sultan hält durch“, sinniert der Ötze da ironisch. Das Ganze sei nicht ohne Konsequenz für ihn. Er bekommt Morddrohungen von türkischen Nationalisten. Dann äfft er wieder Adolf Hitler nach. Er darf das, wir nicht. Dafür hat er auch eine tote Perserkatze auf dem Kopf von Donald Trump ausgemacht.

Doch Özgur Cebe kann auch Alltag. Und sei es mit der technischen Wunderwaffe Thermomix: Rinderhack rein, einschalten und fertig ist das Pferd. Und diese Geräte ersetzen irgendwann die Köche im TV. Das merkt doch keiner. Vielleicht die katholische Kirche. Die ist gegen Schwule und trägt selbst Röcke. Sagte der Mann, der nach zwei Jahren von der Waldorfschule flog, weil er sich weigerte, seinen Namen zu tanzen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung