Städte feiern silbernes Jubiläum

Gestern Vormittag haben St. Ingberter und Radebeuler mit einem Festakt ihre 25-jährige Städtepartnerschaft im Kuppelsaal des Rathauses gefeiert. Unter den Gästen aus beiden Städten waren auch die „Baumeister“ dieser Beziehungen, die sich ins Goldene Buch St. Ingberts eintrugen.

. Es war ein herrlicher Sonntagmorgen, als St. Ingberter und die Gäste aus Radebeul auf 25 Jahre Städtepartnerschaft anstießen. Kein Vergleich zum Wetter vor einem Jahr, als Teile Deutschlands, auch Radebeul, im Hochwasser versanken und es deshalb keiner Abordnung aus Sachsen zuzumuten war, ins Saarland zu kommen, während die eigene Bevölkerung gegen die Fluten kämpfte. Auch mit saarländischer Beteiligung, wofür sich die Radebeuler Feuerwehr mit einem Wimpel bedankte.

Mit einem Musikbeitrag "eines wundervollen Botschafters St. Ingberts", der Bergkapelle, wie Oberbürgermeister Hans Wagner sagte, wurde der Festakt zum Partnerschaftsjubiläum im Kuppelsaal eröffnet. Wagner sprach über das gute Klima der freundschaftlichen Verbundenheit zwischen Sachsen und Saarländern, einer Partnerschaft "ohne Risse" auf Augenhöhe. Man schaue nicht aufeinander herab oder aneinander vorbei, es gebe ein Gestern, das verbindet, und ein Morgen, das es gemeinsam zu gestalten gelte. Wurden "zarte Bande" in den Anfangszeiten eher auf wirtschaftlicher Ebene geknüpft, kamen später engere Kontakte zwischen Feuerwehren, Schulen und Chören hinzu. Hans Wagner ist stolz auf die gelebte Partnerschaft, die es auch ermöglicht, Ausstellungen auszutauschen, sich gegenseitige Besuche abzustatten, Fahrradtouren der Verwaltungen zu unternehmen oder den Weinberg in St. Ingbert, wenn auch "in nicht gerade günstiger Nordlage" mit den Radebeulern zu kultivieren. Obwohl nur ein Jahr nach Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde die Mauer fiel, war der Start der Beziehung nicht einfach. Einreisen wurden von Seiten der DDR verwehrt, es war eine Zeit des Misstrauens, aber auch des Hoffens. "In Vieraugengesprächen allerdings verloren die Grenzen ihre Wirkung", so Wagner. Heute biete die Partnerschaft vielleicht wenig Spektakuläres, wie er meint, aber dafür viel Beständiges. Das unterstreicht auch Radebeuls Bürgermeister Bert Wendsche, der als Geschenk einen Apfelbaum im Gepäck hatte. Wie die Weinreben wird der "Sächsische Königsapfel" eine neue Heimat im Saarland finden, so wie eine Lore mit Steinkohle in Radebeul an die Kontakte nach St. Ingbert erinnert. Besonders freute es Wendsche, dass einige der Baumeister der Städtepartnerschaft, wie Rainer Henrich, der ehemalige St. Ingberter Oberbürgermeister Winfried Brandenburg sowie dessen Radebeuler Pendant Volkmar Kunze beim offiziellen Festakt anwesend waren. Es war kein Zufall, dass gerade zwischen den beiden Regionen Deutschlands die ersten deutsch-deutschen-Städtepartnerschaften überhaupt geschlossen wurden, war doch der "oberste Dachdecker des Ostens ein Saarländer", wie Radebeuls Bürgermeister erinnerte. Die Partnerschaft sei ein weiterer Spalt in der Grenze aus Stacheldraht und Beton gewesen. Wendsche dankte für die damalige "Aufbauhilfe", denn alles war neu und unbekannt. In Zeiten, wo man nicht mehr von neuen und alten, sondern von jungen und etablieren Bundesländern spreche, wünsche er beiden Seiten für die Zukunft viel Neugier aufeinander: "Es gibt in beiden Städten noch viel zu entdecken."

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