St. Ingberter Weinberg: Erstmals Rebschnitt bei eisigen Temperaturen

St. Ingberter Weinberg : Erstmals Rebschnitt bei eisigen Temperaturen

Im St. Ingberter Weinberg, dem Symbol für die Partnerschaft mit Radebeul, wächst ein Jubiläumswein. Beide OB sind voll des Lobes.

„So ein Wetter hatten wir hier beim Rebschnitt noch nie“, sagte Sabine Flierl, die Frau von Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche, am Freitag zu den eisigen Temperaturen und Schneeregen. Und sie muss es wissen, kommt die Önologin doch seit Jahren regelmäßig in die saarländische Partnerstadt der sächsischen Kreis-
stadt. Neben Mütze, Handschuhen und wetterfester Kleidung war die Gartenschere wichtigstes Utensil bei der Arbeit im städtischen Wingert, der sich an der Schnittstelle von Saarbrücker und Neuer Bahnhofstraße befindet. Neben den beiden Radebeulern hatten sich jeweils St. Ingberts Oberbürgermeister Hans Wagner, drei Mitarbeiter der Stadtgärtnerei sowie Giuseppe Cammaroto vom oberhalb gelegenen Restaurant „La Trattoria del Postillione“ mit solch einem Werkzeug ausgerüstet, um den Weinstöcken ihren jährlichen Erziehungsschnitt zu verpassen.

Auch wenn man bei Minusgraden und den letzten hängenden Trauben vom Vorjahr schnell Assozationen vom Eiswein hat, gedeihen später im Jahr Früchte der Rebsorte „Muscat bleu“, einer pilz- und reblausresistenten Sorte. In diesem Jahr wächst dort ein Jubiläums-Wein heran. Er wird zwar qualitativ nicht der herausragendste sein, wenn man ihn mit Spitzenlagen vergleicht, aber er ist ein Meilenstein. Denn die 99 Rebstöcke waren vor zehn Jahren ein Geschenk der Partnerstadt Radebeul, das den St. Ingbertern zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft gemacht wurde. Nun besteht diese seit 30 Jahren und auch der gemeinsame Rebschnitt ist ein Zeichen der guten und langjährigen Beziehung zwischen den beiden Städten.

Hans Wagner half warm angezogen beim Rebschnitt im städtischen Weinberg. Foto: Cornelia Jung. Foto: Cornelia Jung

„Der Weinberg ist eine wunderbare Symbolik dieser Städtepartnerschaft, ein Zeichen von Verbundenheit“, so Hans Wagner. Habe noch 1988 der Informationsaustausch zwischen West und Ost im Fokus gestanden, hätten sich nun nicht nur Kontakte auf Rathaus-
ebene, sondern auch persönliche Freundschaften entwickelt. Aus dem Zweckbündnis sei so viel mehr geworden, bestätigt auch Radebeuls OB. „Es ist toll, dass wir es als Land geschafft haben, diese Verbindung über die Zeit durchzustehen. Das ist nicht selbstverständlich. Solche Freundschaften sollte man leben“, so Wendsche, der den Fall der Mauer als „gesamtdeutsche Solidarleistung und Wunder“ bezeichnet und das auch vom Globalen ins Lokale überträgt. „Wir schätzen uns“, sagt er zum Verhältnis zu den St. Ingbertern, die er schon bald wieder zur Jubiläumsfeier besuchen wird.