Prozession mit „Segen von oben“

Wie viele Pfingst-Ereignisse in der Region war auch der Bruder-Konrad-Ritt in Utweiler gestern vom starken Regen betroffen. Trotz der widrigen Umstände waren aber wieder viele Teilnehmer zu der traditionsreichen Prozession gekommen.

"Gewöhnliche Dinge außergewöhnlich tun statt außergewöhnliche Dinge tun", lautet die Botschaft von Bruder Konrad, der als Brotvater der Armen 41 Jahre Dienst im Annakloster von Altötting verrichtete und die Sorgen und Nöte der Mitmenschen mitgetragen hat. Der 32-jährige Pater Mateusz vom Minoritenkloster Blieskastel, der erstmals bei dem Bruder-Konrad-Ritt dabei war, erwähnte in seiner Predigt in der gleichnamigen Kirche von Utweiler auch den Leitspruch des Menschen, Christen und Ordensmannes aus dem niederbayerischen Parzham: "Das Kreuz ist mein Buch".

Nicht so viele wie sonst waren diesmal ins kleinste Dorf Gersheims gepilgert. Wegen des Dauerregens fand der Festgottesdienst statt unter freiem Himmel in der kleinen Kirche statt. "Als Pfarrer Otmar Stützel im Jahr 1994 ging, hat es auch geregnet", erinnerte sich Medelsheims Ortsvorsteherin Imelda Frenzel. Duplizität der Ereignisse: Pfarrer Günter Broy (62 Jahre) wechselt im September ins Klinikum Ludwigshafen. "Als Priester und zuvor als Student habe ich einige Wallfahrten zum Bruder Klaus erlebt", so Broy.

Erstmals fand die Wallfahrt zum Schutzpatron der Landwirte 1934 in der Parr statt, nur zwei Mal ist sie seither ausgefallen. Einmal, 1967, war ein Schwestermord in Medelsheim der Grund. Seit 45 Jahren ist die Niedergailbacherin Jutta Zinßmeister dabei: "Ich bin früher immer mit meinem Vater Julius gekommen." Sie stellte fest, dass der Zug in den Jahren immer mehr Zuspruch erfahren habe, dass die Pferde mehr und die Traktoren immer größer geworden seien. Stammgast seit 40 Jahren ist der St. Ingberter Günter Schwarz, ehemals CDU-Fraktionschef im saarländischen Landtag, der sich von den Wetterkapriolen nicht abhalten ließ zu kommen.

Trotz des "Segens von oben" ließen sich die Heckendalheimer Traktorenfreunde nicht abhalten mit ihren Fahrzeugen, den Lanz-, Fendt-, Renault-, Claas- oder Fergusontreckern, zu kommen. "Wir sind um acht Uhr zuhause weggefahren", so Günter Dreckmann, seit zwei Jahrzehnten dabei. Traditionell startete die Prozession in der St.-Martin-Straße. Angeführt wurde sie von einem Kreuzreiterpaar der Reitsportgemeinschaft Ormesheim. Christine Maul auf ihrem zehnjährigen Hannoveraner, die im vergangenen Jahr debütiert hatte, und Jakob Frenzel, der mit Ausnahmen seit drei Jahrzehnten hoch zu Ross an der Spitze reitet, diesmal auf dem 15-jährigen Westfalen Pablo.

Eigens aus München angereist war Michael Meyer, der den Wagen mit der Bruder-Konrad-Statue über Peppenkum und Riesweiler zum Zielort steuerte. Die 70-jährige Riesweilerin Maria Berger war enttäuscht vom Wetter: "So was habe ich noch nie erlebt und ich bin schon dabei, seit ich ein Kind war." Sie erinnerte sich daran, dass früher die Menschen die Wallfahrt mit Verwandtenbesuchen verbunden hätten. Seit etwa drei Jahrzehnten werde neben der kirchlichen Feier auch dem weltlichen "gefrönt". Im Festzelt, das gemeinsam von Feuerwehr und Männergesangverein Peppenkum und Utweiler mit ihren 45 Helfern bewirtschaftet wurde, fanden sich dann viele ein.