Personal-Turbulenzen sind beendet

St. Ingbert. Wäre das Altenheim St. Barbara ein Patient, würde es wohl heißen: "Es geht ihm wieder besser". Eine Genesung hatte die Einrichtung der Caritas in St. Ingbert aber auch nötig. Nach Personal-Turbulenzen und schlechter Presse stand im Vorjahr der Ruf des Barbaraheims auf dem Spiel

St. Ingbert. Wäre das Altenheim St. Barbara ein Patient, würde es wohl heißen: "Es geht ihm wieder besser". Eine Genesung hatte die Einrichtung der Caritas in St. Ingbert aber auch nötig. Nach Personal-Turbulenzen und schlechter Presse stand im Vorjahr der Ruf des Barbaraheims auf dem Spiel.

Inzwischen habe sein Haus aber die "innere Ordnung" wiedergefunden, sagt Paul Lösch. Der 59-Jährige aus Kaiserslautern leitete St. Barbara seit April 2012 zunächst kommissarisch, seit Oktober ist der Pfälzer auch offiziell dessen Verwaltungschef. Im Gespräch macht Lösch zunächst reinen Tisch mit dem, was ihm begegnet war, als er vor neun Monaten erwartet hatte, als er von Caritaszentrum St. Nikolaus Landstuhl, das er 20 Jahre lang geleitet hatte, nach St. Ingbert kam. Zwischen Januar und April 2012 hatte die saarländische Heimaufsicht einen Belegungsstopp für das Barbaraheim verhängt. "Rund 20 Voll- und Kurzzeitpflegeplätze waren unbesetzt", berichtet Lösch. Da war es kein Zufall, dass die Pflegedienstleiterin gehen musste und ein neuer Heimleiter seinen Job erst gar nicht antrat. Seit Mai seien die 105 Vollzeitpflegeplätze aber wieder voll belegt. Mehr noch freut den Verwaltungschef aber ein Wandel, den er mittlerweise täglich erlebe: "Die Stimmung im Haus ist viel besser, Angehörige haben wieder Vertrauen in unsere Arbeit."

Auch das Personal im Barbaraheim habe die Freude im Job zurückgewonnen. Das schreibt Lösch nicht zuletzt der neuen Pflegedienstleitung zu, deren Aufgaben jetzt auf zwei Schultern verteilt ist. Brigitte Pistorius kümmert sich um die Pflegequalität, Alexandra Becker um die Pflegeorganisation. Im neuen Team habe man auch das interne Pflegestufen-Management verbessert. Ergebnis: "Es entstanden vier zusätzliche Stellen." Zudem wurde der Bereich Kurzzeitpflege neu geordnet, wie Lösch erläutert: "Statt zwölf gibt es hier seit Oktober nur noch sechs der Plätze, die alle 14 Tage neu belegt werden." Die sechs Plätze seien nicht mehr auf einem Zimmerflur konzentriert, sondern gleichmäßig auf die drei Pflegestationen verteilt. "Eine spürbare Entlastung für Personal und Pflegebedürftige."

Wasser auf die Mühlen aller Kritiker des Altenheims war ein Prüfbericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) im Jahr 2011. Damals hatte der MDK in fünf Kriterien mäßige Bewertungen abgegeben. Im November vergangenen Jahres rückten die MDK-Prüfer erneut an - und kamen zu einem deutlich besseren Urteil für das St. Ingberter Caritasheim. Die neue Gesamtnote von 1,3 wertet Lösch fast als "Quantensprung". Doch die Bewertung alleine sei nicht so wichtig, "viel entscheidender ist, was Bewohner und Besucher über unser Haus berichten". Und das sei jetzt deutlich anders als in seinen ersten St. Ingberter Tagen.

Paul Lösch nennt allerdings auch ein überraschendes Beispiel, um zu beschreiben, was sich St. Barbara vor allem in Sachen Kommunikation geändert hat: "Die Bereitschaft steigt, sich über unsere Arbeit auch mal zu beschweren." Für Lösch ein gutes Zeichen. Die Blockade, die das Miteinader im Barbaraheim geradezu gelähmt habe, löse sich zusehends.

Wäre Lösch ein Manager mit Kurzzeitzielen, hätte er die Karre gewendet und könnte sie jetzt langsam rollen lassen. Doch solch ein Typ ist der Pfälzer nicht. Er sieht sich als Entwickler und Ideengeber. Und als solcher will er jetzt die nächsten Baustellen im Altenheim St. Barbara angehen. Der Wandel soll in den kommenden Wochen sichtbar werden. Mit neuen Möbeln, neuen Farben, einem freundlicheren Eingangsbereich. Vor allem bleibe aber die Pflegequalität im Blick. Etwa bei den 15 Tagesplätzen, die das Altenheim bietet. Lösch: "Diese Angebot könnten noch mehr Menschen nutzen als zurzeit."Foto: Manfred Schetting